Archivierter Artikel vom 20.05.2011, 17:40 Uhr
Plus
Lonnig

Mit Gülle soll Strom erzeugt werden

In der Gemeinde Lonnig lud die „Freie Wählergruppe Lonnig“ kürzlich zu einer Informationsveranstaltung ein, um aus erster Hand, das heißt aus dem Munde des Bauherrn, zu erfahren, was er denn zwischen Tongrube und Reiterport zu bauen beabsichtigt. Landwirt Ralf Hickmann, der in Plaidt einen 300 Hektar-Betrieb bewirtschaftet, möchte in die unmittelbare Nähe zu den bereits vorhandenen Schweinemastställen eine Biogasanlage errichten und durch diese Kombination Synergieeffekte nutzen. Die anfallende Gülle soll zur Stromerzeugung und die entstehende Wärme zum Heizen der Ställe eingesetzt werden. Der Bauherr erklärte den 30 Zuhörern anhand einer Planskizze die Funktion der geplanten Anlage, die nach seinen Worten neben der
Gülle auch Rindermist und Mais vergärt. „Wir brauchen 3500 Tonnen Mais in einem Jahr. Das entspricht einer Fläche von 70 Hektar“, so Hickmann. Die Maissilage werde der Anlage aus dem Silo heraus stündlich in kleinen Portionen zugeführt. Außerdem „verbraucht“ die Anlage 1800 Kubikmeter Gülle pro Jahr aus den benachbarten Ställen und Hähnchenmist, der alle vierzehn Tage angeliefert wird. Der Gärbehälter werde auf 40 Grad aufgeheizt. Das entstehende Gas werde komplett in Strom und Wärme umgewandelt. Ein zusätzlicher Effekt: Zur Pelletfertigung können Hackschnitzel mit der Abwärme getrocknet werden. „Riechen kann von der ganzen Anlage nur das Maissilo“, versicherte Ralf Hickmann. Es werden 250 Kilowatt elektrische Leistung erzeugt. Damit, so hieß es, können man ganz Lonnig mit Strom versorgen, bei gleichmäßiger Abnahme. Hickmann verglich die Dimension der Anlage mit der im Ochtendunger Gewerbegebiet „Oberholz“ versuchten Ansiedlung. „Diese wäre 10 bis 12 Mal so groß geworden“, sagte der Landwirt, der bei der Vorstellung bemüht war, alle Fragen der Zuhörer zu beantworten. Zur Frage der Sicherheit verwies Hickmann auf die Konstruktion der Behälter aus Beton. Man habe die Konstruktion zigfach überbewehrt. Das Innere werde komplett mit Kunststoff verkleidet und verschweißt. Anfang Juli wolle er mit dem Bau beginnen. Die Anlage müsse wegen der bevorstehenden Gesetzesänderung vor dem 31. Dezember fertig werden. Aus der Zuhörerschaft wurde die Frage nach den Transportwegen gestellt. „Wir fahren jede Fuhre um Lonnig herum“, beteuerte Ralf Hickmann. Die gut ausgebauten Wirtschaftswege nach der Flurbereinigung machten dies möglich. Eine resolute Zuhörerin drohte ihm scherzhaft: „Wenn das durchs Dorf kommt, dann leg’ ich mich nackend auf die Straße“. Heinz Israel

Lesezeit: 4 Minuten