Archivierter Artikel vom 12.10.2012, 20:36 Uhr
Stuttgart

Merkel wird in Stuttgart minutenlang ausgebuht

Debakel im Regen: Eine Wahlkampfveranstaltung mit dem Stuttgarter OB-Kandidaten Sebastian Turner und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist von lauten Buh-Rufen übertönt worden.

Durch ein Spalier von „Merkel – Nein Danke“-Plakaten auf die Rednerbühne: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in der S21-Stadt-Stuttgart keinen leichten Stand.

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Ihr schlug wütender Protest entgegen.

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Ein Personenschützer müht sich ab mit einem „Gefällt mir nicht“-Zuschauer.

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Sehr bürgerlich wirkende Demonstranten (rechts) – aber auch für die Kanzlerin applaudierende Zuschauer (links).

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Merkel ließ keinen Zweifel, dass sie es wirklich ist.

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Lange Zeit über ließ sie sich in ihrer Rede nicht beirren, ging mit einem Seitenhieb auf sie ein.

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Vielleicht fragte sie sich aber insgeheim, ob der Auftritt zur Unterstützung ...

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... von OB-Kandidat Sebastian Turner im aufgewühlten Stuttgart eine gute Idee war.

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Auf Plakaten wurde deutlich, dass am Protest zwar viele Gegner des Stuttgart21-Projekts waren – Kritik galt aber...

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... auch der Kanzlerin.

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Menschen, die zum Teil Plakate gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 trugen, störten die Veranstaltung mit Pfiffen und minutenlangen Sprechchören. Zudem regnete es in Strömen, als Merkel und Turner auf die Bühne traten.

In ihrer Rede empfahl Merkel den parteilosen Sebastian Turner als nächstes Stadtoberhaupt. Von den Pfiffen ließ sie sich dabei kaum beirren. „Eines können wir sagen: Es ist schön laut hier“, sagte die Kanzlerin. Die Aufzeichnung eines Livestreams dokumentiert den ohrenbetäubenden Lärm bei der Merkel-Rede (ab Minute 19). Die Aufnahmen sind aus dem Bereich der Demonstranten gemacht.

„Hier darf man demonstrieren. Hier darf man seine Meinung sagen“, rief sie den Menschen auf dem Marktplatz zu. Aber wenn es um die Zukunft gehe, dann müsse man sich für jemanden entscheiden, der mehr könne als pfeifen. „Und das ist Sebastian Turner.“ Merkel verpasste den Demonstranten noch einen etwas Seitenhieb, der bei denen aber mangels Interesse an ihren Worten im Lärm untergegangen sein dürfte: Man könne nach der Arbeit mal auf eine Demonstration gehen. „Aber reich wird eine Stadt nicht dadurch, dass nur demonstriert wird.“

CDU, FDP und Freie Wähler unterstützen den Werbeprofi. Beim ersten Wahlgang am Sonntag war Turner mit 34,5 Prozent der Stimmen zwei Prozentpunkte hinter dem Grünen-Politiker Fritz Kuhn auf Platz zwei gelandet. Keiner der Kandidaten erreichte die absolute Mehrheit der Stimmen. Deshalb muss am 21. Oktober ein zweites Mal gewählt werden.