Archivierter Artikel vom 28.11.2012, 10:48 Uhr

Man kommt immer gerade so über die Runden

Koblenz – Michaela E. freut sich: Vergangene Woche war sie gemeinsam mit dem AWO-Vertreter Harald Gittler „mal so richtig shoppen“. Schreibtische gab es, einen Schrank, ein paar Kleidungsstücke – alles für ihre Kinder. Denn irgendwie kommt die Mutter mit Hartz IV zwar über die Runden, aber Extras sind keine drin.

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Koblenz. Michaela E. freut sich: Vergangene Woche war sie gemeinsam mit dem AWO-Vertreter Harald Gittler „mal so richtig shoppen“. Schreibtische gab es, einen Schrank, ein paar Kleidungsstücke – alles für ihre Kinder.

Denn irgendwie kommt die Mutter mit Hartz IV zwar über die Runden, aber Extras sind keine drin. „Das ist vielleicht das Schwierigste: Immer Nein sagen zu müssen.“ Dass die Familie von Hartz IV lebt, das wissen die beiden Kinder im Grundschulalter nicht, dem sieben Monate alten Baby ist es sowieso egal. „Aber ich schäme mich. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder als ,Hartz-Assis‘ beschimpft werden.“ Das ist auch der Grund, warum Michaela E. weder ihren richtigen Namen in der Zeitung lesen will noch möchte, dass ein Foto von ihr oder den Kindern erscheint.

Denn Armut grenzt aus, das weiß auch Harald Gittler vom AWO-Ortsverband Rauental. „In Koblenz geht es im Vergleich zu anderen Städten wahrscheinlich sogar noch, aber das Mobbing an Schulen wird immer stärker. Und durch das Cybermobbing bekommt das gleich eine Größenordnung, die man gar nicht für möglich halten dürfte.“

Deshalb ist für Michaela E. das Wichtigste, dass die Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Die Älteste lernt gerade einen Beruf, die beiden Mittleren gehen in die Grundschule und danach in den Hort, wo sie bei den Hausaufgaben unterstützt werden können.

Seitdem das Baby da ist, kann Michaela E. nicht arbeiten. Vorher hatte sie einen 400-Euro-Job und plante gerade, auf eine Teilzeitstelle auszubauen. Diese Pläne sind im Moment erst einmal auf Eis gelegt. Nicht mehr länger verschieben möchte die 38-Jährige dagegen den lang ersehnten Umzug.

68 Quadratmeter hat die kleine Wohnung der Familie. Ein Zimmer hat die Älteste, eins teilen sich die beiden Mittleren, eins hat die Mutter mit dem Baby. Und dann gibt es noch das kleine Wohnzimmer, in dem sich alles abspielt. Das soll sich jetzt ändern: Die Schreibtische für die Schulkinder stehen in ihrem Zimmer, so haben sie mehr Ruhe zum Lernen. „Ich suche schon seit Jahren eine größere Wohnung“, sagt Michaela E. „Aber, wenn ich sage, dass ich von Hartz IV lebe, legen die meisten schon auf. Und die anderen legen dann auf, wenn ich erzähle, dass ich vier Kinder habe.“

Einer ist letztens sogar so weit gegangen, dass er gesagt hat: „Tiere gehen ja noch, aber keine Kinder“, berichtet Michaela E. bitter. Auch das beobachtet Harald Gittler von der AWO immer häufiger: Die Situation wird immer schwieriger. Auch deshalb stehen alleinerziehende Mütter in diesem Jahr im Mittelpunkt der gemeinsamen Aktion „Nachbar in Not“ von AWO und HELFT UNS LEBEN. „Ich bin richtig dankbar“, sagt Michaela E. Rund 600 Euro hat sie für die ganze Familie für Lebensmittel und Kleidung im Monat übrig, schätzt sie. Das reicht immer gerade fürs Nötigste.

(Wer Manuela E. eine Wohnung vermieten kann, kann über den AWO-Ortsverband Kontakt mit ihr aufnehmen: Harald Gittler, Telefon 0173/673 22 46, E-Mail aworauental@aol.com)