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Rheinland-Pfalz

Land: Geistig Behinderte zum Gymnasium

Lehrer sind beunruhigt, der Philologenverband ist alarmiert: In Rheinland-Pfalz sollen geistig behinderte Kinder künftig in Gymnasien unterrichtet werden. Hintergrund ist eine UN-Konvention, die Deutschland im März 2010 ratifiziert hat.

Inklusion – auch in Gymnasien sollen demnächst geistig behinderte Schüler mit gesunden gemeinsam lernen.
Inklusion – auch in Gymnasien sollen demnächst geistig behinderte Schüler mit gesunden gemeinsam lernen.
Foto: dpa

Rheinland-Pfalz. Lehrer sind beunruhigt, der Philologenverband ist alarmiert: In Rheinland-Pfalz sollen geistig behinderte Kinder künftig in Gymnasien unterrichtet werden. Hintergrund ist eine UN-Konvention, die Deutschland im März 2010 ratifiziert hat.

Sie fordert ein Bildungssystem nach dem Grundsatz der „Inklusion“, dem gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht behinderten Schülern. Diese Leitlinie könnte die gesamte Schullandschaft im Land verändern – auch die Gymnasien. Dort spricht das Bildungsministerium derzeit mit 16 Einrichtungen. Diese Schulen kommen für das neue Modell infrage.

Rheinland-Pfalz bemüht sich seit Jahren, beeinträchtigte Kinder in die allgemeinbildenden Schulen zu integrieren. Das geschieht, indem Schulen zu „Schwerpunktschulen“ werden. Bislang waren vor allem Grundschulen, Integrierte Gesamtschulen und Realschulen plus betroffen, aber keine Gymnasien. Das soll sich ändern – und dagegen regt sich Widerstand.

Junge Philologen: „Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll?“

An der Spitze der Bewegung steht der rheinland-pfälzische Philologenverband. „Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll?“, sagt Ralf Hoffmann, Vorsitzender der Jungen Philologen. „Die Gymnasien sind für diesen Schritt überhaupt nicht gerüstet.“ Damit spricht er öffentlich aus, was viele Lehrer sagen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Die Hauptkritikpunkte: Gymnasiallehrern fehlt die Ausbildung, um diese Form des integrierten Unterrichts zu bewältigen. Es gibt zu wenig Förderlehrer, also Sonderpädagogen, die sich intensiv um die behinderten Kinder kümmern. Und die Klassen sind viel zu groß. Zudem befürchten Lehrer, dass das Unterrichtsniveau sinken könnte.

In den rheinland-pfälzischen Förderschulen (einst Sonderschulen) macht sich ebenfalls Unruhe breit. Sie sehen sich in ihrem Bestand gefährdet. Zudem werden Zweifel laut, ob man geistig beeinträchtigten Kindern wirklich hilft, wenn sie im Gymnasium unterrichtet werden. „Viele Kinder werden bei uns auf das Arbeiten in einer beschützten Werkstatt vorbereitet. Das kann ein Gymnasium so gar nicht leisten“, sagt eine Förderschullehrerin.

GEW: „Wenn man es richtig macht, ist es ein Gewinn für alle.“

Auch die rheinland-pfälzische Lehrergewerkschaft GEW und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verlangt eine erheblich bessere Ausstattung und Vorbereitung der Gymnasien. Grundsätzlich unterstützen beide Landesverbände die Pläne der Mainzer Regierung. GEW-Landesvorsitzender Klaus-Peter Hammer: „Behindert und nicht behinderte Kinder lernen voneinander. Wenn man es richtig macht, ist es ein Gewinn für alle.“

Und VBE-Landeschef Johannes Müller erklärt: „Dieses integrierte Lernen fördert die Sozialkompetenz.“ Der VBE sieht die Politik des Philologenverbandes kritisch. „Von Ausnahmen halte ich nichts“, sagt Johannes Müller, „die Integration beeinträchtigter Schüler ist ein Auftrag für alle Schulformen – auch fürs Gymnasium.“

„Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.“

Ralf Quirbach, stellvertretender Landeselternsprecher, glaubt, dass sich bei den Eltern an den Gymnasien Fürsprecher und Gegner die Waage halten. Quirbach weiter: „Fakt ist, an der UN-Konvention kommt niemand mehr vorbei. Es geht auch bei den Gymnasien nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.“

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

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