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Stadecken-Elsheim

Irland liegt bei Stadecker Grand Prix klar vorn

Das Publikum leistet seinen Beitrag zum Erfolg des Stadecker Grand Prix. Dazu gibt es viel gute Musik und beeindruckende Stimmen. und einen klaren Sieger.

Gewonnen: Irland.
Gewonnen: Irland.
Foto: Rüdiger Mosler

Stadecken-Elsheim – Die Nationen strömen nach Stadecken. Elegante spanische Damen lassen ihre Fächer flattern. Schotten im karierten Kilt stapfen heran. Schweden mit Wikingerhelmen begleiten ihre Damen, die sich aus hauchdünnen Nationalflaggen blau-gelbe Kleidchen geschneidert haben. Eine Rotte österreichischer Sissis tänzelt am Konsortium der Luxemburger vorbei, das unverblümt dem schnöden Mammon huldigt: Auf den Jacketts kleben fette Euroscheine.

Bunt ist die Schar, die sich alljährlich im August einfindet, um im Wambolder Hof einen Grand Prix Eurovision der ganz eigenen Art zu feiern. Zum 22. Mal schon laden der rheinhessische Blues-Barde Billy Crash und seine Mitstreiter zu diesem Contest, der längst Kult ist. Hier Karten zu bekommen, ist beinahe unmöglich. Und selbst wenn Schweden, Schweizer oder Schotten nicht ganz echt sind: Aus ganz Deutschland reisen die Fans mindestens an.

An 17 Tischen sitzen eng an eng die 17 Nationen, wobei der Begriff Nation eher frei interpretiert wird. Das ungeliebte „Gastland Hessen" etwa findet sich ganz hinten in der Halle, zudem existiert eine Ostzone, schließlich spielt der Grand Prix im Jahr 1980.
Entsprechend klingt auch die Musik: Gut zwei Dutzend Musiker servieren die Hits der Epoche. „Sie werden staunen, was die auf die Bühne bringen", meint ein Grand-Prix-Veteran – und Recht hat er.

Titel und Interpreten klingen zwar nach Klamauk: Da fragt Ole Ohnedotter für Schweden „How Long", und im deutschen Beitrag besingt Katja von der Kasse das „Theater". Doch dahinter stecken Nummer für Nummer große Stimmen. Eine achtköpfige Band glänzt, dazu gibt es immer mal wieder ein feines Solo, ob vom Saxofon, dem Bass oder der E-Gitarre.
Natürlich jubelt eine jede Nation überschwänglich, wenn ihr Beitrag läuft. Schon nach wenigen Hits allerdings verschwimmen die Grenzen. Die Schweizer bleiben jubelnd auf ihren Bierbänken stehen, und die Spanier entwickeln ein Faible für die Irin Mary Christmas, die „Ain't Nobody" in die Menge röhrt.

Tatsächlich steht hier übrigens Anja Harth im Rampenlicht, Teil einer Stadecker Metzger-Dynastie. „Wie Joy Fleming, oder?", fragt der Veteran – und wieder liegt er richtig. Auch Jenny und Reni Harth werden noch die Bühne entern. „Und der Andi spielt Schlagzeug", ergänzt Billy Crash später. Musikalisch arbeitet der Blues-Man schon lange mit ihnen zusammen, auch bei anderen Projekten. Überhaupt scheint hier eine großer Musiker-Clan auf der Bühne zu stehen.

So beeindruckend der aber auch sein mag: Das Publikum in seinen Kostümen spielt eine mindestens ebenso große Rolle. Mit überbordender Begeisterung und dem unverwüstlichen Hang zur Blödelei würzt es den Abend gewaltig.

Nach rund drei Stunden geben die Nationentische ihre Wertung ab. Ein schöne Spanierin verkündet zehn Punkte für Irland. Der Luxemburger wirft Schwarzgeld ins Publikum, bevor auch er schmettert: „Zehn Punkte für Irland!" Eine Sissi in weißem Brokat verteilt huldvoll zehn Punkte an die Monotone Dotzheimer aus Hessen, und Irland bekommt von Seiner Hoheit acht Punkte. Vier gibt's für Deutschland. Das ist die höchste Wertung für Katja von der Kasse. Jahre der Grand-Prix-Schlappen spiegeln sich. Am Ende siegt Irland mit 146 Punkten, Zweite werden die Hessen und Dritter der Schotte Glenn Feddich alias Billy Crash.

Aber so wichtig ist das nicht. Es gab großartige Musik, Albernheiten satt, und manch einer rieb sich an den engen Tischen mit Genuss an einer schönen Schwedin. Was zählt der Eurovision Song Contest, wenn der Stadecker Schlagerkessel so herrlich bunt brodelt?

Gerd Blase

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