40.000
Aus unserem Archiv
Heidesheim

Heidesheim will neben dem reichen Nachbarn aufblühen

Wenn es nach den Heidesheimern geht, sieht es in ein paar Jahren in der klammen Kasse besser aus. Denn viele Bürger wollen gerne, dass ihre Gemeinde zum Stadtteil des reichen Nachbarn Ingelheim wird. Im MRZ-Ortscheck gehen wir in den nächsten Wochen den Problemen und positiven Entwicklungen in der Gemeinde auf den Grund.

Frühlingserwachen in Heidesheim. Rund um die Burg Windeck herrscht ein interessantes Kleinklima, das die Obstbauern mitunter auch nachdenklich stimmt. Denn frühe Blüten sind sehr frostempfindlich.
Archivfoto: Julia Rau
Frühlingserwachen in Heidesheim. Rund um die Burg Windeck herrscht ein interessantes Kleinklima, das die Obstbauern mitunter auch nachdenklich stimmt. Denn frühe Blüten sind sehr frostempfindlich. Archiv
Foto: Julia Rau

Heidesheim – Wenn es nach den Heidesheimern geht, sieht es in ein paar Jahren in der klammen Kasse besser aus. Denn viele Bürger wollen gerne, dass ihre Gemeinde zum Stadtteil des reichen Nachbarn Ingelheim wird.

Das Problem an der Sache: Ingelheim will das gar nicht. Die Rotweinstädter haben genug mit sich selbst zu tun, sagen sie. Für einen neuen Riesenstadtteil sei da keine Platz. Die Heidesheimer ficht das zunächst nicht an: Am 17. Juni wird es einen Bürgerentscheid geben. "Wir wollen gewappnet sein, wenn uns das Land im Rahmen der Verwaltungsreform nach unserer Meinung fragt", sagt Ortsbürgermeister Jens Lothar (CDU).

Für die Obstbaugemeinde wäre die Fusion eine Zäsur in ihrer jahrhundertelangen Geschichte. Denn Heidesheim ist schon 1250 Jahre alt. Zumindest stammen aus dieser Zeit die ältesten Schenkungsurkunden, die auf eine zusammenhängende Siedlung hinweisen. Gefeiert wird das Jubiläum in diesem Jahr ganz groß – zunächst am 24. März, 17 Uhr, mit einer Feier im Schönborner Hof. Und dann mit dem großen Jubelfest vom 17. bis 19. August.

Schenkung hin, Schenkung her: Schon zur Römerzeit haben in der Ebene am Rhein Menschen gesiedelt – in vielen einzelnen Höfen. "Mit den Jahren sind diese Höfe dann zusammengewachsen", sagt Ortsbürgermeister Jens Lothar Hessel (CDU). Ein Grund dafür, warum der Ort gar keinen richtigen Kern hat.

Aber jung geblieben ist Heidesheim. Und dreigeteilt: Neben dem Hauptort gibt es das ehemalige Eisenbahnerdorf Uhlerborn, in dem lange Jahre gerade mal 100 Einwohner lebten. Erst vor einigen Jahren wurde die ehemaligen Housing Area der US-Armee zum allgemeinen Wohngebiet. Viele junge Familien zogen zu, der Ortsteil zählt jetzt über 1000 Einwohner. Und dann ist da noch Heidenfahrt, das den Zugang zum Rhein ermöglicht. Und zwar früher schon: "Hier war mal die Landestation für eine Fähre nach Hessen", sagt Hessel. Heute gibt es die nicht mehr, dafür ist das Ufer vor einiger Zeit schön gemacht worden. Im Sommer ein herrliches Freizeitareal.

Manchmal geht es hoch her im Ort. Politisch gesehen. Der Gemeinderat ist immerhin mit sieben Parteien und Gruppierungen besetzt. Und außerparlamentarisch sind die Bürger gerne aktiv – in Bürgerinitiativen zum Beispiel, oder im Forum Politik und Umwelt. Das spricht für eine gesunde Streitkultur und ein gesundes Verhältnis zur Demokratie. Auch wenn sich manch ein Politiker zuweilen dadurch gebremst fühlt.

Nach dem Disput ist denn aber auch in Heidesheim oft vor der Feier. Und mitten im Obsthof Rheinhessens hat Heidesheim da eines der größten Feste im Mainzer Umland zu bieten: Das Erntedankfest. Anfang Oktober strömen Zehntausende in das Dorf, huldigen der gerade gewählten Erntekönigin und schauen sich den Festzug durch Straßen und Gassen an, bei dem sich viele der 48 Vereine präsentieren.

Im Mittelpunkt des Festgeschehens steht – standesgemäß – die alte Markthalle. Viele Jahre war hier der Umschlagplatz für Obst und Gemüse, das in der Gemeinde angebaut und dann über die Vereinigten Großmärkte (VOG) in Ingelheim verkauft wurde. Die Obstsammelstellen sind mittlerweile in Ingelheim zentralisiert, aber die historische Markthalle besteht noch. Und ist seit einigen Jahren einer der politischen Zankäpfel. Nicht wenige Heidesheimer wollen nämlich das Gebäude zum zentralen Veranstaltungsort der Gemeinde ausbauen – was der chronisch klammen Kommune aber schwer fällt. Denn um alle Auflagen zu erfüllen für einen dauerhaften Betrieb, müsste viel Geld in Renovierungen gesteckt werden. Ganz zu schweigen vom Kaufpreis, denn noch gehört die Halle der VOG.

Kein Geld ist auch das Problem der Burg Windeck: Erbaut im Jahre 1150, ist sie das zweitälteste Gebäude in der Gemeinde. Vor einigen Jahren wurde sie renoviert, seitdem wird im Burggarten im Sommer kräftig gefeiert. Aber für das gewollte Restaurant sowie Veranstaltungsraum und Trauzimmer fehlt Geld: "Ohne Moos nix los", sagt Hessel. Und Investoren sind auch nicht in Sicht.

Für Familien mit Kindern bietet Heidesheim vier Kitas an. Und eine Grundschule. Dann müssen die meisten Kinder nach Ingelheim in die weiterführende Schule gehen – oder sie wählen den Weg in die Bilinguale Montessori-Schule in Uhlerborn. Dort werden Kinder ab dem 1. Schuljahr altersgemischt unterrichtet. Komplettiert wird das Angebot von einer heilpädagogischen Waldorfschule in den Ex-Räumen der Grundschule. Bardo Faust

MRZ-Orts-Check: Sagen Sie uns Ihre Meinung. Hier geht es zur Umfrage Heidesheim.

Anzeige
epaper-startseite
Anzeige
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
  • Lokalticker
  • Regionalsport
  • Newsticker
Das Wetter in der Region
Montag

5°C - 17°C
Dienstag

4°C - 16°C
Mittwoch

7°C - 19°C
Donnerstag

9°C - 22°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Onliner vom Dienst
Jochen Magnus 
0261/892-330 

Kontakt per Mail 
Fragen zum Abo: 
0261/9836-2000 

Anzeige
Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!