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Montabaur

Hat ein Wäller ersten Weihnachtsmann gemalt? Wie ein Auswanderer Bild von Santa Claus mitprägte

Von Marvin Conradi
Claus Peter Beuttenmüller hat den Werdegang des Künstlers Christian Joseph Leyendeckers recherchiert, der aus Montabaur stammte. Ergebnis: Leyendecker zeichnete den klassischen rot-weißen Weihnachtsmann schon, bevor die Firma Coca-Cola diesen bekannt machte.  Foto: Thorsten Ferdinand
Claus Peter Beuttenmüller hat den Werdegang des Künstlers Christian Joseph Leyendeckers recherchiert, der aus Montabaur stammte. Ergebnis: Leyendecker zeichnete den klassischen rot-weißen Weihnachtsmann schon, bevor die Firma Coca-Cola diesen bekannt machte. Foto: Thorsten Ferdinand

Jeder kennt ihn – den Weihnachtsmann, der mit seine Rentieren durch den Nachthimmel fliegt und die Geschenke verteilt. Aber stammt der Entwurf für die Figur tatsächlich von der Firma Coca-Cola? Oder hat den ersten rot-weißen Weihnachtsmann vielleicht sogar ein Montabaurer gezeichnet, wie der Lehrer Claus Peter Beuttenmüller recherchiert hat? Die Westerwälder Zeitung ist auf Spurensuche gegangen.

Lesezeit: 5 Minuten
Vor fast 90 Jahren soll ein amerikanischer Werbezeichner im Auftrag von Coca- Cola den rot-weißen Weihnachtsmann entworfen haben, den wir bis heute kennen. Rot und Weiß sind bekanntlich auch die Farben des Limonadenherstellers, für Gesicht und Figur soll der Künstler einen behäbigen Auslieferungsfahrer der Firma als Vorbild gehabt haben. Damit ...
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Auch Leyendeckers Brüder hatten künstlerisches Talent

Joseph Christian Leyendecker hatte drei Geschwister. Adam Adolf Leyendecker, Jahrgang 1869, war der älteste von ihnen. Nach dem Umzug nach Amerika änderte er die Reihenfolge seiner Vornamen und passte seinen neuen Rufnamen Adolph der englischen Schreibweise an. Ab Mitte 20 hatte er kaum noch Kontakt zu seinen Familienmitgliedern. Teilweise war dies beruflich bedingt. Es lag aber auch daran, dass er sich durch die künstlerische Förderung seiner Geschwister benachteiligt fühlte. Schon in jungen Jahren hatte man auch bei Adolph Leyendecker das entsprechende Talent erkennen können. Im Jahr 1899 heirate er die Französin Francine de Gironde, mit der er zwei Kinder hatte und nach Kansas City in Missouri zog. Beide Kinder starben früh, was zur Folge hatte, dass der Familienzweig Leyendeckers mit Adolphs Tod am 27. August 1938 erlosch. Auch die anderen Geschwister hatten keine Nachkommen.

Am 1. November 1870 wurde die einzige Tochter der Familie Leyendecker geboren und nach ihrer Patin Augusta Niemaier auf den Namen Augusta Leyendecker getauft. Im Jahr 1900 zog sie zusammen mit ihren Brüdern nach New York, um nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater und ihren Brüdern 1905 in ein gemietetes Haus zu ziehen. In ihrer Rolle, sich als Hausfrau um die Familie zu kümmern, fühlte sie sich stets wohl und hatte somit auch einen gewissen Anteil am Erfolg ihrer Brüder.

Neun Jahre später ließen die Brüder Joseph und Franz ein großes Anwesen bauen, welches in seiner Erscheinungsform – zumindest für die damalige Zeit – extravagant war. Sie nannten es „Mount Tom“, was an ihren Geburtsort Montabaur erinnern sollte. Augusta war nie künstlerisch tätig, sorgte sich aber stets um das Wohl ihrer Brüder. Nachdem sich die Geschwister zerstritten hatten, zog sie im Zorn 1923 aus dem Anwesen aus. Sie starb 1957 im Alter von 86 Jahren.

Am 20. Januar 1876 wurde Franz Leyendecker als viertes und letztes Kind geboren. Das typische Namenswirrwarr bei der Einwanderung gab es auch bei ihm, was zur Folge hatte, dass er ab 1910 urkundlich als „Xavier Frank“ aufgeführt wurde, wobei die Herkunft des Namens Xavier nirgendwo begründet wird. Seine Gemälde signierte er stets mit „F.X. Leyendecker“. Nachdem er als 13-Jähriger zunächst Kirchenfenster gestaltet hatte, widmete er sich wie sein älterer Bruder J.C der Malerei und besuchte zeitweilig mit ihm das „Chicago Arts Institut“. Über viele Jahre arbeiteten die talentierten Brüder zusammen, später hatten beide einen eigenen Flügel in ihrer Villa Mount Tom. In der Fachwelt hieß es, dass „der jüngere Leyendecker“ dasselbe Talent hatte wie sein Bruder Joseph Christian, teilweise sei er sogar kreativer und abwechslungsreicher als er, hieß es.

Frank entwickelte früh Minderwertigkeitsgefühle und verfiel immer wieder in Phasen von Selbstzweifel aufgrund seines erfolgreichen Bruders, sodass er als Folge teilweise nicht arbeitete. Auch dem Nachtleben und den damals legalen Drogen war er nicht abgeneigt. Aufgrund dessen zerstritt er sich im Jahr 1923 mit seinem Bruder und zog aus Mount Tom aus.

Ohne Geld und Perspektive zog er in ein Studio nach New Rochelle, schaffte es aber nicht mehr, auf eigenen Füßen zu stehen, was auch seiner Alkohol- und Drogenproblematik geschuldet war. Am 18. April 1924, einem Karfreitag, starb er im Alter von nur 48 Jahren an einer Gehirnblutung. Es wurde über einen Selbstmord mit einer Überdosis Heroin spekuliert, was damals allerdings noch nicht nachgewiesen werden konnte. con