Archivierter Artikel vom 24.09.2015, 15:21 Uhr
Betzdorf

Gospelchor – „Haste Töne“ aus Betzdorf : Wenn die Freude am Lied auf drei Säulen fußt

Im höchsten Maße ungewöhnlich ist der Chor, der sich Montagabend für Montagabend in der katholischen Kirche in Betzdorf trifft. Zum einen weil Haste Töne einen Altersdurchschnitt von nur 26 Jahren besitzt, zum anderen weil die 36 Sänger des Gospelchores jede Menge Technik benötigen, um richtig gut zu klingen.

Flotte Sänger: Der Gospelchor Haste Töne hat nicht nur die Töne, sondern auch den Glauben.  Foto: Schröder
Flotte Sänger: Der Gospelchor Haste Töne hat nicht nur die Töne, sondern auch den Glauben.
Foto: Schröder

Auf 36 Sänger kommen mitunter 36 Mikrofone. Warum das nötig ist? Weil die Gesangsgruppe ihre Auftritte zwar durchaus a-capella bestreitet, wahlweise aber auch mit einer sechsköpfigen Band, einem Streichquartett oder einer Akustikcombo auf der Bühne steht. „Dann müssen die Chorstimmen mit der Lautstärke der instrumentalen Begleitung mithalten können“, erklärt Markus Neuroth, Chorleiter von Haste Töne. Seit der Gründung des Chores im Jahr 1986 ist dem 43-Jährigen die Arbeit mit den jungen Sängern eine Herzenssache.

Poppige Ohrwürmer

Vor 29 Jahren startete das Projekt als „improvisierter Singkreis“, wie Neuroth erzählt, unter der Trägerschaft der Pfarreiengemeinschaft Betzdorf, Bruche und Scheuerfeld. Zur Kirchgemeinde gehört Haste Töne auch heute noch, aber ein klares Profil bildete sich erst mit der Zeit heraus.

Inzwischen wissen die Sänger, wo ihr Herz schlägt: im zeitgenössischen Gospel. Und dieser klingt ziemlich radiotauglich. Zum Repertoire gehören bekannte Ohrwürmer wie „True Colors“ und „Amazing Grace“, aber auch neue geistliche Lieder wie „Du, du bist Gott“. Der christliche Glaube spielt eine wesentliche Rolle im Gospelgesang von Haste Töne. „Um die Lieder mit Leben zu füllen, ist es schon wichtig, dass die Sänger im Text etwas erkennen“, macht Neuroth deutlich. „Der Glaube ist eine Säule unseres Chores“, ergänzt der hauptberufliche Geschäftsführer. Hinzu kämen die Musik und die Gemeinschaft, merkt Neuroth an.

Und zur Gemeinschaft gehört eben auch, das die Beziehungen zwischen den Chormitgliedern nicht vor dem Privatleben haltmachen. Das ist in der ersten Probe nach der Sommerpause deutlich spürbar. Wird nicht gerade gesungen, bleiben die Münder kaum stehen. Viele Neuigkeiten wollen ausgetauscht werden. Groß ist die Anteilnahme am Leben der anderen. Das mag auch daher rühren, dass sich die Sänger teilweise seit Jahren kennen. Einige von ihnen haben bereits im Kinder- oder Jugendchor der Kirchgemeinde erste Gesangserfahrungen gesammelt. „Wenn man bei Kindern die Freude am Singen weckt, kann man später davon profitieren“, erklärt Neuroth. Seine Nachwuchsarbeit trägt Früchte. Sorgen um einen zu hohen Altersdurchschnitt brauchte sich der Gospelchor noch nie zu machen.

Ungezwungene Atmosphäre

Für Judith Greipel, Schwester des Chorleiters, ist Haste Töne „wie eine Familie, mit der man gemeinsam Höhen und Tiefen nimmt“, sagt die Lehrerin. Sie ist seit der Gründung ein festes Mitglied und freut sich, im Singen ihren Glauben noch besser ausdrücken zu können – „man sagt doch so schön ,Singen ist doppelt gebetet’, und das stimmt.“

In einem klassischen Kirchenchor zu singen, könnte sie sich jedoch gar nicht vorstellen: „Nein, nein, hier geht es lebendiger und ungezwungener zu“, erklärt sie. Denn natürlich wird in diesem Chor geklatscht, geschnipst, gewippt – ganz so, wie man sich eine lebensbejahende Gospelgemeinschaft vorstellt. mes