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    "Für 'ne Moment" mit Niedecken: In BAP steckt ein gutes Stück Unkel

    Unkel / Köln. Wolfgang Niedecken blickt in seiner Autobiografie Autobiografie „Für 'ne Moment“ anekdotenreich aufs Leben zurück – und auf seine Wurzeln in der Rotweinstadt

    BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken ist in Unkel aufgewachsen.
    BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken ist in Unkel aufgewachsen.
    Foto: ZDF/KI.KA/Melanie Grande

     

    Unkel/Köln. Schallendes Gelächter oder im schlimmsten Fall den berühmten Scheibenwischer vor entglittenen Gesichtszügen bekäme heute wohl derjenige zur Antwort, der Kaufmann Josef Niedecken den Vorschlag unterbreitet, ein Konsumentengutachten in Auftrag zu geben. Der Kölschrocker Wolfgang Niedecken, Sohn des im September 1904 in Unkel geborenen Josef Niedecken, weiß, wie sich sein sparsamer Vater die Entscheidung zur Eröffnung eines Lebensmittelgeschäfts an der Severinstorburg in der Kölner Südstadt erleichtert hat: Bei seiner Marktanalyse vertraut der Familienvater auf seinen gesunden Menschenverstand: „Mein Papp hat sich hingestellt und geguckt, ob die Leute mehr rechts oder links an der Torburg vorbei gingen. Die meisten gingen links vorbei.“
    Ein Füllhorn an Anekdoten, Geschichtchen und Begegnungen schüttet Wolfgang Niedecken mit seiner zweiten Autobiografie „Für 'ne Moment“ über die Leserschaft aus. Dank seines Vaters, der in der Rotweinstadt das Licht der Welt erblickte, nimmt uns der Musiker nicht nur ins New York der 70er-Jahre mit, wo er als Maler Fuß fassen will und sich mit Gelegenheitsjobs in Kunstkreisen finanziell über Wasser hält, sondern auf manche Tournee, in seine Heimatstadt Köln und in die Vaterstadt Unkel.
    Selbst im Namen der Band steckt ein gehöriges Stück Unkel: „Mit Bapp redeten in Unkel die Kinder ihre Väter an“, erinnert er sich. Und weil Wolfgang im Kreise seiner Bandkollegen gern Geschichte von der Sparsamkeit seines Vaters zum Besten gibt, handelt er sich selbst diesen Spitznamen ein. Als ein Veranstalter fragt, welchen Namen er aufs Plakat schreiben soll, um die Gruppe, die kölsche Texte singt, anzukündigen, meint ein Badmitglied trocken: „Schriev do ,Bapp' drop. Ävver loss das zweite ,P' fott, dat sieht scheiße uss!“
    In Köln sei sein Vater nie angekommen, resümiert der BAP-Gründer. Seine „Sehnsucht aufs Land“ habe den peniblen Ladenbesitzer nie losgelassen. Als Niedeckens Halbbruder 1979 das Geschäft übernimmt, ziehen Josef und seine in Köln geborne Frau Tinny im gleichen Jahr nach Bad Hönningen. Nur ein Jahr später stirbt er.
    Ebenso anekdotenreich und ironisch wie die Begegnungen mit Heinrich Böll, Bob Dylan oder Bruce Springsteen, die Afrikareisen mit Bundespräsident Horst Köhler oder die Internatszeit in Rheinbach beschreibt der Kölschrocker seine kindlichen Ferienzeiten in Unkel. Das ganze Leben der Großeltern Lisbeth und Albert Niedecken, die als Bauern und Winzer am Grünen Weg leben, richte sich nach Erntezeiten, dem Kirchenkalender und ihrem Wertegerüst aus. Gleichwohl berichtet der für seine poetischen Texte verehrte Sänger vom besonderen Wohlfühlgefühl, wenn er bei den Großeltern zu Gast ist. Hier darf er im Rhein schwimmen, mit dem quirligen Familienhund Wotan herumtollen oder zeichnen, ein Talent, das ihm seine Mutter in die Wiege legt. Sein Vater ist von derart sparsamer Natur, dass er nachts heimlich das Ewige Licht der Familie löschte.
    Doch Niedecken wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch wortreich die Bilder seines Lebens zeichnet, in denen nicht eitel Sonnenschein herrscht. So verschweigt er nicht die Vorwürfe, die er seinem „Bapp“ wegen dessen NSDAP-Mitgliedschaft macht. Es ist, als schämt er sich dafür, den Vater derart rhetorisch in die Ecke gedrängt zu haben, der nie ein Gymnasium besuchte wie er.
    „Für 'ne Moment“ nimmt seine Leser von der ersten Anekdote an gefangen. Der frühere Messdiener versucht sich gar nicht erst in der Kunst der Selbstbeweihräucherung. Wie in seinen Liedtexten erzählt er Geschichten – aufrüttelnd, bildreich und niemals banal. (Mario Quadt)

    Wolfgang Niedeckens Autobiografie „Für 'ne Moment“ ist 528 Seiten stark, reich bebildert und bei Hoffmann und Campe erschienen. Es kostet 24 Euro.

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