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Ein halbes Jahr vor Olympia ist Nikolai Evseev als Trainer arbeitslos

Mainzer Schwimmverein – Nikolai Evseev lehnt das neue Angebot ab – Nachfolger aus Ungarn.

Trainer Nikolai Evseev (links) wird seine Ehefrau, die mehrfache Langstrecken-Weltmeisterin Angela Maurer, als Arbeitsloser auf die Olympischen Spielen 2012 in London vorbereiten.
Foto: dpa
Trainer Nikolai Evseev (links) wird seine Ehefrau, die mehrfache Langstrecken-Weltmeisterin Angela Maurer, als Arbeitsloser auf die Olympischen Spielen 2012 in London vorbereiten.
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Erfolgstrainer Nikolai Evseev wird im kommenden Jahr nicht mehr für den Mainzer Schwimmverein 01 am Beckenrand stehen. "Wir haben ihm einen Vertrag mit den gleichen Konditionen wie bisher vorgelegt, mit gleichem Gehalt, gleichem Urlaub und so weiter, und den wollte er nicht unterschreiben", sagte MSV-Chef Torsten Traxel im Gespräch mit der MRZ. "In den vier Tagen, bis wir uns wieder getroffen haben, hat er uns auch keinen Gegenvorschlag gemacht."

"Man kann niemanden zwingen"

Der Verein will von Evseevs Entscheidung überrascht worden sein. "Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass es 2012 so weiterläuft wie bisher", behauptet Klubboss Torsten Traxel. "Aber man kann niemanden zwingen, zu unterschreiben. Wir müssen das nun so akzeptieren." Umgehend machten sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einem Nachfolger. Über den ungarischen Partnerverein in Budapest wurde dann schnell eine Lösung gefunden. Ein junger Diplomsportlehrer, Absolvent der renommierten Trainerschule in Budapest, wird schon ab dem 1. Januar die 13- bis 15-jährigen MSV-Talente anleiten.

"Die Kinder haben den neuen Trainer am vergangenen Wochenende schon kennengelernt", sagt Traxel. "Sie müssen die Situation so annehmen, wie sie ist. Als Verein muss man immer nach vorne blicken. Wir sind froh, dass es uns so schnell gelungen ist, einen neuen Trainer zu finden."

Mit dem Abgang von Evseev als Cheftrainer des MSV endet auch die Trainingskooperation mit dem SSV Undine Mainz. Für diesen Klub startet Evseevs Lebensgefährtin, die mehrfache Langstrecken-Weltmeistern Angela Maurer. "Die Olympiavorbereitung soll natürlich nicht durch so etwas gestört werden, im Schwimmbad ist genug Platz für Angela", erklärt Traxel, der für das Bad "Am Großen Sand" in Mombach und damit auch für die Bahnenbelegung der Vereine zuständig ist. "Wir haben ein Interesse daran, dass alles ruhig und ohne Stress abläuft."

Nikolai Evseev war seit 2010 beim Mainzer Schwimmverein tätig. In dieser Zeit schafften zahlreiche junge Schwimmer die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften. Angela Maurer wurde Weltcup-Gesamtsiegerin, die 36-jährige Polizistin ist bereits für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifiziert.

Unbefristeten Vertrag erwartet

Auch Nikolai Evseev will keine Schärfe in die Trennung bringen. Der Trainer legt aber Wert auf die Feststellung, dass er Vorstandsmitglied Günther Schmah bereits zwei Stunden nach Vorlage des neuen Angebots davon informiert habe, dass er diesen Vertrag nicht akzeptieren werde. Der Russe hatte "endlich mal" einen unbefristeten Vertrag erwartet. "Diese Kettenjahresverträge sind für meine privaten Planungen inakzeptabel", erklärte Evseev auf MRZ-Anfrage. Im neuen Angebot sei sogar der Passus aus dem bisherigen Kontrakt gestrichen worden, wonach sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr verlängert, wenn keine der Parteien fristgerecht kündigt. Im aktuellen Fall habe der Klub fristgerecht gekündigt.

Zudem sei nicht gesichert gewesen, dass er in der Olympiavorbereitung seiner Athletin und Ehefrau Angela Maurer freigestellt werde für die anfallenden Trainingslager. "Das hat der Klub abgelehnt. Obwohl ein Lohnausgleichsangebot, das in Aussicht gestellt worden ist von Sporthilfe, LSB und Schwimmverband, auf dem Tisch lag", sagt Evseev. "Bislang habe ich für die Trainings- und Wettkampfbetreuung meiner Frau immer den kompletten Jahresurlaub aufgebraucht, aber der hätte jetzt vor London definitiv nicht mehr ausgereicht. So viel Urlaub bekomme ich gar nicht."

Trainer ab 1. Januar arbeitslos

Evseev wird sich nun am 1. Januar für ein Jahr arbeitslos melden, um den entsprechenden Freiraum für die Olympiavorbereitung schaffen zu können. Angelas Maurers Klubs, der SV Undine, habe auf keinen Fall die finanziellen Mittel, einen Trainer bezahlen zu können. "Wir werden dem Verein aber die Stange halten", sagt Evseev. "Undine hat uns immer sehr geholfen und unterstützt." Jörg Weiß, Koordinator Spitzensport beim LSB, habe Maurer aber in einem Gespräch bei der Sportlerehrung in Mainz schon signalisiert, dass eventuell Trainermittel fließen könnten bis London 2012.

Die Bahnzeiten im Mombacher Bad werde Angela Maurer weiter selbst bezahlen. "Diese Gelder erarbeiten wir uns durch Leistung", erklärt Evseev. Sprich: Ein Teil der von Sporthilfe/LSB gezahlten Erfolgsprämien fließe immer auch in die Eigenfinanzierung der Trainingszeiten in Mombach. Der Trainer hofft jetzt auf Ruhe und Frieden. "Das ist mein Wunsch." Paula Widmer und Reinhard Rehberg

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