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Die rasante Variante des Federballspiels

Wer hat's erfunden? Die Schweizer waren es diesmal nicht, sondern ein Berliner Seemann. Der ärgerte sich, dass man bei starkem Wind kein Badminton spielen konnte, und dachte sich kurzerhand einen neuen Federball aus – schwerer, schneller und sogar mit Beleuchtung.

Hümmerich – Wer hat's erfunden? Die Schweizer waren es diesmal nicht, sondern ein Berliner Seemann namens Bill Brandes. Der ärgerte sich, dass man bei starkem Wind im Freien nicht anständig Badminton spielen konnte, und dachte sich kurzerhand einen neuen Federball aus – schwerer, schneller und sogar mit Beleuchtung.

Das geschah vor zwölf Jahren, wenig später gab es eine Firma, die die neuen Sportgeräte fabrizierte, und im Juni steigt in Berlin schon die zweite Weltmeisterschaft im Speed Badminton.

In rund 50 Vereinen bundesweit kann man den "schnellsten Racket-Sport" (so Vizeweltmeister Daniel Gossen) inzwischen betreiben, so auch in Hümmerich. In der 800-Seelen-Gemeinde im Kreis Neuwied reichten die sportlichen Kapazitäten nicht mehr aus für ein eigenes Fußballteam, und weil Vorstandsmitglied Jens Dreydoppel Spaß gefunden hatte an der neuen Variante des Federballspiels, gründete er kurzerhand eine Speed-Badminton-Abteilung beim SC Hümmerich.

Der spielt mit in der viergeteilten Ersten Liga und hat in der vergangenen Saison unter sieben Teams den vorletzten Platz belegt. "So wird es wohl in der neuen Saison wieder ausgehen", mutmaßt Dreydoppel, der nicht nur Abteilungsleiter ist beim SC Hümmerich, sondern auch Spitzenspieler.

Speed Badminton wird auf einem Feld von der Größe eines Tennisplatzes gespielt, aber ohne Netz. Die Spieler im Einzel und Doppel stehen in den Vierecken hinter den Aufschlagfeldern, dorthin muss der Ball geschlagen werden. Dazwischen liegen 12,8 Meter Niemandsland. Wer den Ball richtig trifft, kann ihn angeblich auf 300 Kilometer pro Stunde beschleunigen, was bei den Spitzenspielern rasante Ballwechsel garantiert.

Vielbeschäftigter Spitzenspieler

Daniel Gossen ist so ein Spitzenspieler. Bei der ersten WM 2011 in Berlin verlor der gebürtige Oberstdorfer erst im Finale gegen den Schweden Per Hjalmarson und sicherte sich im Doppel mit Rene Lewicki den Titel. Er wird bei der WM in diesem Jahr nur im Doppel antreten. Fürs Einzel werden Zeit, Kraft und Konzentration nicht reichen, denn der 30-Jährige fungiert gleichzeitig als einer der Organisatoren des Turniers. In der Ost-Liga spielt Gossen für die Speedminton Gekkos Berlin, beschäftigt ist er als Beauftragter für Jugendarbeit und Professionalisierung bei der Firma Speedminton. Und seit knapp zwei Wochen ist er auch Präsident des Deutschen Speed Badminton-Verbands (DSBV).

In seiner Allgäuer Heimat hat Gossen im Winter auf fast 2000 Meter Höhe die "KAS-Speedminton-Nebelhorn-Oberstdorf-Snowminton-Open 2013" veranstaltet und damit einen Eintrag ins Guiness-Rekordbuch verdient – höher hat noch kein Speed-Badminton-Turnier stattgefunden.

Das ist der Reiz des jungen Sports: Man kann ihn praktisch überall betreiben. Auf der Wiese, am Strand, auf Hausdächern oder eben auf schneebedeckten Bergen. Es geht sogar im Dunkeln, wenn man die "Speeder" genannten Spezial-Federbälle mit einem Leuchtstift versieht. Erhältlich selbstredend bei der Firma "Speedminton", die laut Eigenwerbung "den Trendsport gestartet hat" und das Geschäft ungern anderen überlassen will. Bisweilen dient der Name der Firma gar als Synonym für die ganze Sportart.

Die Firma "Speedminton" tritt als Sponsor bei allen größeren Turnieren auf und hat sich vom DSBV garantieren lassen, dass nur die eigenen Federbälle für offizielle Spiele zugelassen sind. Schläger und Ausrüstung sind inzwischen aber – zu etwas geringeren Preisen – auch beim Konkurrenzunternehmen Victor erhältlich, das ansonsten den Badminton-Markt beackert. Da blüht der Wettbewerb.

Sponsor mit großem Einfluss

Die enge Verbindung zwischen Ausrüster/Sponsor und Verband liegt für Daniel Gossen in der "einmaligen Konstellation" dieser Sportart begründet: "Die Firma hat diese Sportart ja entwickelt", sagt er, "deswegen gibt es da keine Interessenkonflikte." Christoph Schmidt, Spieler in Vollmerhausen und Betreiber der Speed-Badminton-Website anywhere-anytime.de, räumt ein: "Natürlich wird es bei Speedminton nicht gern gesehen, wenn ein Funktionsträger des Verbands mit einem Schläger der Konkurrenz spielt." Doch er stellt auch fest: "Wir sind natürlich froh, dass wir diesen Förderer haben, denn die Turniere kosten Geld."

Auch der SC Hümmerich hat sein erstes Turnier hinter sich. Die Rheinland-Pfalz-Open im Sommer 2012 waren allerdings nicht der gewünschte Renner, denn kurzfristig war zeitgleich die EM in Kroatien angesetzt worden. "So hatten wir statt erhoffter 80 nur 28 Teilnehmer", erinnert sich Jens Dreydoppel, der im Sommer 2014 den nächsten Versuch starten will. Zu viel Werbung für den Trendsport will Dreydoppel nicht machen. "Wir stoßen in unserem kleinen Verein an die Grenzen", sagt er, "wenn wir im Winter in der Turnhalle trainieren, ist es jetzt schon zu eng."

Von unserem Redakteur Stefan Kieffer

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