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Caro Hingst zieht den Hut vor sich selbst

Stabhochsprung: Respektable Leistung nach langer Verletzung reicht zu Rang vier, Bauer wird Sechste.

Da mochte Carolin Hingst gar nicht hinsehen: Nach drei Fehlversuchen über 4,45 Meter war für die Mainzerin Schluss. Später sagte sie: "Wenn man in den letzten drei Wochen lang gar nichts machen konnte, sind 4,40 und Platz vier gar nicht so übel." 
Foto: Eva Willwacher
Da mochte Carolin Hingst gar nicht hinsehen: Nach drei Fehlversuchen über 4,45 Meter war für die Mainzerin Schluss. Später sagte sie: "Wenn man in den letzten drei Wochen lang gar nichts machen konnte, sind 4,40 und Platz vier gar nicht so übel."
Foto: Eva Willwacher

Am Morgen danach sah alles viel freundlicher aus. "Mir ist eben aufgegangen, dass ich die Ersatzfrau für Helsinki bin", sagte Carolin Hingst im Frühstücksraum des Gelsenkirchener Ibis-Hotels und strahlte über das ganze Gesicht. Von wegen Trainingspause oder Saisonende. "Ich habe noch im Bett mit Stretching angefangen."

Wenig später, nach einem Gespräch mit Bundestrainer Andrej Tiwontschik, hatte sich die Hoffnung der USC-Stabhochspringerin verflüchtigt. Aus einer Reservistenrolle bei den Leichtathletik-Europameisterschaften wird nichts, weil Hingst in dieser Saison zwar mit 4,52 Meter zwar höher als die vorgesehene Norm gesprungen war, allerdings bei einem Wettkampf, der mangels ausreichender Konkurrenz nicht als Nominierungswettkampf zugelassen war.

Was für die 31-Jährige bleibt, ist ein vierter Platz bei den Deutschen Meisterschaften mit übersprungenen 4,40 Meter. Für den Fall, dass niemand anderes sie dafür loben würden, nahm Hingst die Sache selbst in die Hand. "Hut ab vor mir, wie ich das alles hingekriegt habe."

Sicher: Höhe und Platzierung in Wattenscheid sind nicht das, was sich eine Athletin wünscht, die zweimal Deutsche Meisterin war, deren Bestleistung bei 4,72 Meter liegt und die um die Olympiaqualifikation kämpft. Angesichts der Vorgeschichte jedoch, der monatelangen Achillessehnen-und-dann-auch-noch-Sprunggelenk-Außenbandriss-Geschichte, die so gut wie kein vernünftiges Training und zuletzt nicht einmal mehr einen Absprung ermöglicht hatte, war Hingsts Leistung ausgesprochen respektabel. 4,20 und 4,30 Meter übersprang sie im ersten Versuch, 4,35 riss sei einmal, ging direkt und erfolgreich auf 4,40 Meter. Fünf Zentimeter weiter oben war dann allerdings Schluss – ansonsten hätte es hinter Silke Spiegelburg (4,70) und Lisa Ryzih (4,65) sogar für Bronze gereicht.

"Als ich nach dem letzten Versuch auf der Matte lag, kamen schon die Tränen", sagte Hingst später. Aber nicht hektoliterweise. Die Mainzerin war schließlich in dem Wissen nach Wattenscheid gereist, allenfalls eine Außenseiterchance auf eine Medaille und London-Ticket zu haben. Und auch wenn sie letztlich nicht stärker davon profitieren konnte, dass die Normerfüllerinnen Martina Strutz bei 4,45 Meter hängenblieb und Kristina Gadschiew nur auf 4,30 kam: Ihren Ruf als unverdrossene Kämpferin hat Carolin Hingst jedenfalls untermauert.

Bauer konzentriert sich auf U23-DM

Katharina Bauer scheiterte bei 4,30 Meter an Material und Wetter. Für ihre deutlich verbesserte Technik waren die Stäbe zu weich. Ihren letzten Versuch bestritt die 22-Jährige mit jenem Stab, mit dem sie zuletzt nur knapp an 4,55 gescheitert war – wirkte allerdings auf der Suche nach dem Einstichkasten etwas orientierungslos. "Ich hatte eine Windböe erwischt und Regen ins Auge bekomme", erklärte sie nachher den unrunden Anlauf. "Aber um den Versuch abzubrechen und neu anzufangen, war es schon zu spät."

Als Trost blieb Bauer mit 4,20 der sechste Rang, ihre bislang beste DM-Platzierung. "Na ja", sagte die USC-Springerin, "ein bisschen mehr hätte es nach den jüngsten Leistungen schon sein dürfen. Aber mein wichtigster Wettkampf dieser Saison findet erst Ende Juli statt." In Kandel will Bauer Deutsche Juniorenmeisterin werden.

Carolin Hingst hingegen wird sich in nächster Zeit der vollständigen Genesung widmen und die Saison beenden. "Solange die Chance da ist, wollte ich weitermachen", sagte sie am Samstagabend. "Jetzt ist die Chance nicht mehr da, jetzt höre ich auf."

Peter H. Eisenhuth

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