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Riad/Istanbul

Bio-Gemüse für Wüstenbewohner – Deutsche beraten saudische Ökobauern

Araber in traditionellen Gewändern, die in klimatisierten Villen wohnen und mit dicken Luxus-Geländewagen durch die Wüste brettern, entsprechen nicht dem Klischee des Bio-Bauern. Doch die ökologische Landwirtschaft fasst langsam auch auf der Arabischen Halbinsel Fuß – nicht zuletzt, weil die konventionelle Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten zu viel Wasser verschwendet hat.

Bewässerung bedeutet in vielen Ländern mühsame Handarbeit, um auch in  Dürrezeiten genügend ernten zu können. Die bewässerte Landwirtschaft ist mit  rund 70 Prozent der weltweit größte Wasserverbraucher.
Bewässerung bedeutet in vielen Ländern mühsame Handarbeit, um auch in Dürrezeiten genügend ernten zu können. Die bewässerte Landwirtschaft ist mit rund 70 Prozent der weltweit größte Wasserverbraucher.
Foto: dpa

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) berät seit mehr als sechs Jahren die Regierung von Saudi-Arabien beim Aufbau eines Bio-Agrarsektors. Die ersten 65 Bauern haben inzwischen auf ökologischen Landbau umgestellt. 200 weitere Bauern wollen demnächst ihrem Beispiel folgen. Mit Hilfe der Deutschen wurde ein saudisches Bio-Siegel entwickelt, das in etwa dem Standard des EU-Biosiegels entspricht. In Riad und einigen anderen Großstädten gibt es mittlerweile sogar eine Bio-Kiste mit Obst und Gemüse im Abonnement. Darin finden sich unter anderem Kartoffeln, Tomaten, Paprika und auch Datteln, die von Palmen ohne Pestizide stammen.

"Der Anstoß kam vom Landwirtschaftsministerium, dem es zunächst vor allem darum ging, dass gesunde Lebensmittel produziert werden, später kam dann auch die Idee der Nachhaltigkeit hinzu", erklärt Marco Hartmann. Der Agrarökonom aus Koblenz ist schon seit mehr als zwei Jahren in Saudi-Arabien. Auch wenn der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen, die nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftet werden, immer noch bei weniger als 0,5 Prozent liegt, hat sich in dieser Zeit viel verändert.

Einige Auswüchse der alten Agrarpolitik wurden gekippt, die einst dazu geführt hatten, dass in einem der wasserärmsten Länder der Welt in großem Stil Weizen angebaut und Gemüse exportiert wurde. Zwar gibt es in Saudi-Arabien immer noch riesige Agrarbetriebe mit tausenden – oft aus Deutschland importierten – Hochleistungskühen für die Milchproduktion. Doch im vergangenen Jahr wurde zumindest die industrielle Produktion von Futtermitteln verboten. Zuvor waren bereits die Subventionen für den Weizenanbau abgeschafft worden. Für Gemüse aus Saudi-Arabien wurde zudem ein Exportstopp verhängt, um den rapiden Schwund der fossilen Grundwasservorkommen zu verlangsamen.

Das Wasser holen die saudischen Landwirte mit eigenen Brunnen aus der Erde. Abgaben müssen sie dafür nicht zahlen, was zur Wasserverschwendung verführt. "In der konventionellen Landwirtschaft in Saudi-Arabien werden meist Beregner eingesetzt, die das Wasser im Kreis auf dem Feld versprühen. Dattelpalmen werden mit der sogenannten Überschwemmungstechnik bewässert. Bei beiden Methoden hat man wegen der großen Hitze einen enormen Verlust, weil ein großer Teil des Wassers verdunstet", erklärt Hartmann. Die saudischen Bio-Bauernhöfe dagegen arbeiteten alle mit der Methode der Tröpfchenbewässerung. "Die Wassereffizienz liegt dann bei 70 bis 80 Prozent im Vergleich zu 50 bis 60 Prozent, die man mit den herkömmlichen Methoden erreicht."

Die Arbeit mit den saudischen Bauern macht Hartmann Spaß, weil sie in der Regel motiviert sind und sich aus Überzeugung für den Bio-Anbau entschieden haben. Staatliche Subventionen für Öko-Betriebe gibt es in Saudi-Arabien noch nicht. Doch vielleicht kommt das demnächst – bis 2017 soll der Bio-Anteil an der saudischen Landwirtschaft fünf Prozent erreichen.

An die extreme Hitze und die Lebensumstände in der Hauptstadt Riad, wo es kaum Ablenkung und Freizeitangebote gibt, hat sich Projektleiter Hartmann inzwischen gewöhnt. Auch daran, dass er sich in einer reinen Männerwelt bewegt. Frauen begegnet er bei seiner Arbeit nie, was an der Geschlechtertrennung liegt, die in dem islamischen Königreich gesetzlich vorgeschrieben ist und die von der Religionspolizei überwacht wird. Sein siebenköpfiges Team hat zwar auch eine Prinzessin beraten, die ihren Bauernhof auf Öko-Landwirtschaft umstellen wollte. Doch die Besitzerin der Ländereien bekamen die Berater nicht zu sehen.

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