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    Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen

    Weit mehr als 40 Filme hat Regisseur Werner Herzog gedreht, in all den Jahren seiner langen Karriere jedoch noch keinen mit dem US-Star Nicolas Cage. Diese Lücke wollten beide schließen - also arbeiteten sie gemeinsam an dem gut zweistündigen amerikanischen Thriller "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen" (im Originaltitel: Port of Call New Orleans), der in Venedig 2009 um den Goldenen Löwen konkurrierte, dann aber doch leer ausging.

    Herzog stellt Cage in seinem turbulenten Action-Krimi als ehrgeizigen Polizisten ins grelle Licht, als einen, der so kriminell ist wie all jene Gangster, die er wie besessen jagt. Eine klassische Rolle für Cage als "schlimmen Finger", der die Drogenbosse im Visier hat. "New Orleans nach dem Hurrikan Katrina schien für uns der richtige Platz für diesen "film noir"", sagt der 67-jähriger Münchner Herzog, der nach etlichen anderen Filmen jetzt auch "Bad Lieutenant" auf Englisch gedreht hat. Zum ebenso turbulenten wie düsteren Treiben um Sex, Heroin und Kokain mit Cage (46) und Eva Mendes (35) meinte der Regisseur: "Ich persönlich liebe die Kultur der Drogen nicht".

    Cage, der in diesem Film auch Drogen klaut und brutal erpresst, spricht da schon vager von "Erinnerungen" an Drogen aus einer vergangener Zeit. Herzog dementiert immer wieder, dass sein "Bad Lieutenant" nicht das Remake eines ähnlichen Films des New Yorkers Abdel Ferrara sei: "Den Film hab ich nicht gesehen", beteuert er, was ihm jedoch kaum einer abnimmt. Vielleicht ist auch das sein schwarzer Humor, von dem Herzog meint, dieser werde jetzt erst in seinen Filmen entdeckt (auch weil die Welt einem Deutschen eigentlich nicht so richtig zutraut, Humor zu haben).

    Der Mitbegründer des deutschen Autorenfilms, in früheren Jahren auf Klaus Kinski als Star in seinen Werken geeicht ("Fitzcarraldo", "Aguirre, der Zorn Gottes") kam mit "Bad Lieutenant" in Venedig gut an, aber nicht sehr gut. Nicolas Cage agiert zu sehr in der Maske des Nicolas Cage, während der Kosmopolit Herzog aus der Isar-Metropole einmal mehr der Tierwelt besondere Rollen in einem seiner Werke gibt: Leguane bevölkern den Film, ein riesiges Krokodil, exotische Fische, eine Wasserschlange. Die tummeln sich alle in einem New Orleans, das natürlich nicht das der Postkarten ist - es liegt eine Atmosphäre der Zerstörung über der Stadt. Das Verbrechen bringt den Niedergang.

    Für die Produzenten des Herzog-Films bestach noch dies: Nach "Katrina" gab es massive Steueranreize, wenn man New Orleans zur Kulisse erhob. Terence (Cage), wird in "Bad Lieutenant" gleich zweimal befördert. Ganz am Anfang, als er in der von "Katrina" verwüsteten Stadt einen Mann vor dem Ertrinken rettet, widerwillig, aber immerhin. Und am Ende, weil er die mordende Drogenbande zur Strecke gebracht hat. In der langen Zeit dazwischen ist Terence ständig auf der Suche nach Drogen und verbotenen Medikamenten.

    Brillant als Cop, korrupt bis ins Mark, drogenabhängig und sexbesessen - allein seine Freundin Frankie (Mendes), die ebenfalls auf Kokain stehende Edelnutte, bringt etwas Linderung. Cage hat es ganz offensichtlich doch Spaß gemacht, diese Rolle zu spielen: Er gerät in eine Schießerei zwischen zwei Banden - mit beiden ist er im Geschäft, er braucht Geld. Doch ganz so wie im Märchen lösen sich alle seine Probleme zuletzt in Wohlgefallen auf.

    Von Hanns-Jochen Kaffsack

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