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    Bendorf

    Am Beginn einer neuen Phase: Werkstattbesuch bei Jan Schröder

    Die großen Leinwände sind zur Seite gestellt. Vorerst wird Jan Schröder keine Bilder von schwerer See und tosendem Meer mehr malen oder sein Ich-Bewusstsein malerisch-expressiv übersetzen. Vielmehr ist Reduktion angesagt bei dem Maler und Bildhauer aus Bendorf.

    Dramatisch-expressive Bilder wie das große Gemälde in seinem Atelier möchte Jan Schröder vorerst nicht mehr malen. Seit einigen Wochen befasst er sich mit reduzierten, in ihrer Bildwirkung ruhigeren Holzschnitten, in denen er die Strukturen von Zweigen aufgreift.
    Dramatisch-expressive Bilder wie das große Gemälde in seinem Atelier möchte Jan Schröder vorerst nicht mehr malen. Seit einigen Wochen befasst er sich mit reduzierten, in ihrer Bildwirkung ruhigeren Holzschnitten, in denen er die Strukturen von Zweigen aufgreift.
    Foto: Anke Mersmann

     

     

    Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

     

    Der Künstler Jan Schröder übt sich künftig im Verzicht: von wandfüllenden Formaten und kräftige Farben will wie er Abstand nehmen, wie er bei einem Besuch in seinem Atelier in der Concordiastraße erzählt.Die Wände des Werkraums sind ringsum mit seinen Arbeiten behängt, die belegen, wie intensiv Schröder bislang mit Farbe arbeitete – die drei Holzschnitte in Schwarz, Weiß und Grautönen stechen aus der farbigen Bilderfülle hervor. Es sind grafisch spannungsreiche und doch Ruhe ausstrahlende, abstrakte Motive, deren dunkle Formen nicht von ungefähr an Natürliches erinnern, an Zweige und Knospen, wie in einem Schattenriss gezeigt.

    Langsamer Prozess

    Es sind die neuesten Arbeiten Schröders, die ersten einer noch wachsenden Serie. Die Bilder – von jedem Motiv sind drei Exemplare gedruckt – stehen für einen Umbruch, eine neue Werkphase, die vor einigen Wochen für den Künstler anbrach, nicht als bewusste Entscheidung, sondern vielmehr als langsamer Prozess, wie der 68-Jährige erzählt. „Ich merke zunehmend, dass ich das Expressive, das Drama, auf der Leinwand weglassen möchte.“ Wirklich ergründen und komplett für sich erfassen kann Jan Schröder diese Wandlung noch nicht. Sie ist mehr ein Empfinden, das er zwar schon in seiner künstlerischen Arbeit ausdrücken kann, für das er aber noch nicht die richtigen Worte findet: ein Hinterfragen von Vergänglichkeit? Ein Zurücknehmen eigener Bedürfnisse angesichts von sozialen Nöten, Krisen und politisch beängstigenden Entwicklungen auf der Welt? Vielleicht, womöglich sogar. Zu letzterem Gedanken, zum Zurücknehmen der eigenen Bedürfnisse angesichts des Zustands der Welt, fallen Jan Schröder Verse aus einem Gedicht Bertolt Brechts ein: „Was sind das für Zeiten, wo / Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist / Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

    An diesem fast fertigen Druckstock bessert Jan Schröder mit dem Messer noch Details aus.
    An diesem fast fertigen Druckstock bessert Jan Schröder mit dem Messer noch Details aus.
    Foto: Anke Mersmann

    Diesen veränderten inneren Anspruch bemerkte der Maler erstmals mit aller Deutlichkeit, als er Ende des vergangenen Jahres vor einer großen, noch völlig weißen Leinwand stand und mit einem neuen Bild beginnen wollte. Er ist ein intuitiver Maler, einer, der in der Arbeit zur Farben und dem Motiv findet. Dieses Mal allerdings nicht. Schröder fand keinen Anfang, keinen Impuls in sich – und stellte die Leinwand irgendwann beiseite, ratlos, verunsichert. „Ein schreckliches Gefühl“, erinnert sich der Künstler. Er zwang sich allerdings nicht zur künstlerischen Arbeit, sondern ließ sich selbst Raum, bis ein neuer Funken in ihm glomm – der Anfangspunkt für die neuen Holzschnitte. Mit dieser Technik arbeitet Schröder ohnehin seit Jahren gern. Und weil er, der für seine bildhauerischen Werke wuchtige Holzstücke mit der Säge bearbeitet, den Anblick von Zweigen liebt, wollte sich Schröder motivisch mit ihnen befassen, sozusagen als eine andere Form der Holzbearbeitung.

    Fotos als Vorlage

    So fanden die Strukturen der zarten Äste auf die Druckstöcke. Schröder zeichnet sie anhand von Fotos aufs Holz, die er vor Monaten von Zweigen geschossen hatte, noch nicht ahnend, dass er diese Fotografien künstlerisch weiternutzen würde. Für die Holzschnitte wählt er enge Ausschnitte, definiert dann mit dem Messer die Form im Druckstoff. Diese hebt sich nach dem Druck dunkel von dem zuvor geschwärzten Büttenpapier zwischen den aufgedruckten Weiß- und Grautönen ab. Jan Schröder verzichtet auf eine Presse, nutzt zum Druck lieber die Kraft seiner Hände.

    Es ist ein ruhiges, feinfertiges Arbeiten, zwei, drei Tage bearbeitet Schröder mit seinen Messern allein die Holzplatte bis zum fertigen Druckstock. Er genießt dieses Tun. Und auch dem Schaffen im deutlichen kleineren Format als sonst in seinen Gemälden üblich gewinnt der Künstler einiges ab. Kurzum: Die farbreduzierten Holzschnitte und die Zweige nehmen Jan Schröder für sich ein und markieren einen neuen Punkt in seinem künstlerischen Schaffen – weniger Dramatik, mehr Form und Struktur. Aktuell zumindest.

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