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Koblenz

130 Luftminen bei einem Angriff: Der Tag, als Koblenz zerstört wurde

Eine Luftmine bringt Koblenz weltweit ins Gespräch. 130 davon waren am 6. November 1944 auf Koblenz geworfen worden: Es war der Tag des heftigsten Angriffs auf Koblenz, nachdem die Maschinen 130 Luftminen, 153.392 Stabbrandbomben und 456 Flammstrahlbomben über der Stadt entladen hatten, war der Feuerschein bis Brüssel zu sehen. Und die Stadt fast vernichtet.

Koblenz – Eine Luftmine bringt Koblenz weltweit ins Gespräch. 130 davon waren am 6. November 1944 auf Koblenz geworfen worden: Es war der Tag des heftigsten Angriffs auf Koblenz, nachdem die Maschinen 130 Luftminen, 153.392 Stabbrandbomben und 456 Flammstrahlbomben über der Stadt entladen hatten, war der Feuerschein bis Brüssel zu sehen. Und die Stadt fast vernichtet.

Ein sternenklarer Abend. Der britische Luftmarschall Arthur Harris, besser bekannt als "Bomber-Harris", fällte ein für Koblenz verhängnisvolle Entscheidung. Er beauftragte die dritte Gruppe des "Bomber Commands" der "Royal Air Force", Koblenz zu vernichten. Gegen 19.30 Uhr entluden 122 Lancaster- Bomber ihre tödliche Fracht über der Gauhauptstadt. Ihr wichtigstes Ziel: die Wohnungen der Zivilisten.

"Der Himmel leuchtete weiß und orange. Es war taghell. Später sollte ich erfahren, dass die Flugzeubestatzungen den Feuerschein bis Brüssel sehen konnten." Den 6. November 1944 wird Helmut Schnatz nie wieder vergessen. Viele Jahre hat er nachts von diesem Katastrophenabend geträumt. Erst als der Historiker über den Lufkrieg zu schreiben begann, hörten die Träume auf.

Am Abend jenes Novembermontags wurde der Untergang von Koblenz eingeleitet. Allerdings war die Stadt schon in den Monaten zuvor das Ziel amerikanischer Bomber gewesen. Viele Einheimische, aber auch Ausländer waren ums Leben gekommen. Auch die Schäden hatten bereits gewaltige Dimensionen angenommen.

Wilhelmine Schnatz hatte irgendwie geahnt, dass es noch schlimmer kommen würde als bei den Bombardements von April bis Oktober. Am 15. Oktober hatte sie ihre Wohnung in der Hohenzollernstraße verlassen und war zu ihrer Schwester nach Boppard gezogen. Mit dieser Entscheidung entging sie auch einer Evakuierung nach Thüringen. Mit dabei: Ihr damals 11-jähriger Sohn Helmut und die Schwester Gisela. Der Vater Paul war an der Front. "In diesem Alter beginnt man, ein Bewusstsein für diese Dinge zu entwickeln", sagte der Studiendirektor im Ruhestand zum 60. Jahrestag. Die längsten 20 Minuten seines Lebens begannen gegen 19.30 Uhr , als auch die Bopparder zitterten. "Das Dröhnen klang tiefer, bedrohlicher als sonst. Wir hatten alle Angst", sagte Helmut Schnatz. 37 Jahre später sollte er Zahlen nennen: Damals waren 153 392 Stabbrandbomben, 456 Flüssigkeitsbrandbomben, 23 Sprengbomben und 120 Luftminen über Koblenz abgeworfen worden. Ungefähr 100 Menschen kamen bei dem Angriff um.

Wilhelmine Schnatz wollte Gewissheit haben und machte sich noch am Abend auf den Weg nach Koblenz. Mit dem Zug kam sie noch bis nach Kapellen. Anschließend schlug sie sich bis zum total zerstörten Plan durch. Sie wollte ihren Vater Gottfried Hallerbach finden. Der hatte in einem Keller auf der Nordseite des Platzes überlebt – hatte aber einen schweren Schock.

Auch Helmut Jost kannnte solche Situationen. An der Ostfront im Einsatz, erhielt er Heimaturlaub, als er von der völligen Zerstörung seines Hauses Mainzer Straße 1 erfahren hatte. Bereits am 9. Oktober war der Soldat mitten in einen Bombenangriff hineingeraten, als er einen Freund besuchte. "Selbst an der Front hatte ich so etwas noch nicht erlebt. [...] Schwere Bomben, Luftminen und Stabbrandbomben prasselten auf Koblenz. Wir klammerten uns wie die Affen aneinander. Plötzlich ging eine Luftmine ganz in der Nähe herunter. Das kleine Kellerfenster wurde restlos herausgerissen, flog an unseren Köpfen vorbei gegen die die Kellertür [...]", erinnerte sich Helmut Jost. Dessen Ehefrau war mit dem erst wenige Wochen alten Sohn Rainer am 6. November aus der brennenden Stadt geflüchtet. "Auf der Lahnstrecke wurde unser Zug von Tieffliegern angegriffen und die Lok zerstört. [...] In Thüringen bettelte ich bei den Bauern um Milch für den Sohn. Vergebens. Eine Flüchtlingsfrau aus dem Rheinland mit sechs Kindern [...] gab uns Milch", so Margot Jost.

Auch wenn am 6. November weite Teile der Innenstadt in Schutt und Asche gelegt wurden, hätte es noch schlimmer kommen können. So überlebten wie durch ein Wunder 500 Menschen in einem abfahrbereiten Evakurierungszug. Die Tatsache, dass die Gesamtzahl der Todesopfer in Koblenz im Vergleich zu anderen Städten erheblich geringer ist, hat mehrere Gründe: Da die Stadt erst relativ spät ins Zentrum der Angriffe rückte, hatten die Behörden noch mehr Zeit, die Evakuierung vorzubereiten.

Auch profitierten die Koblenzer vom ländlichen Umfeld. Viele zogen um. Im März 1945 lebten von den 94 000 Koblenzern nur 10 000 in der Stadt. Reinhard Kallenbach

Mehr zu den Forschungsergebnissen von Helmut Schnatz gibt es hier.


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