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    Schneller Neuwieder: Max Walscheid wird in China zum "Giganten von Giant"

    Zum Ende des Radsportjahres, als die Helden von Tour, Giro und Vuelta die Beine hochlegten, feierte Max Walscheid doch noch seinen großen Triumph. Bei der Hainan-Rundfahrt auf der Urlaubsinsel im südchinesischen Meer gewann der 23-jährige Profi aus Neuwied fünf von neun Etappen, fuhr drei Tage lang im Gelben Trikot des Spitzenreiters und brachte als bester Sprinter das Grüne Trikot mit nach Hause.

    Etappensieg im Gelben Trikot: Bei der Tour of Hainan auf der chinesischen Urlaubsinsel feierte der Neuwieder Sprinter die bisher größten Erfolge seiner Profilaufbahn. Fünf Mal war der 23-Jährige Tagesschnellster.
    Etappensieg im Gelben Trikot: Bei der Tour of Hainan auf der chinesischen Urlaubsinsel feierte der Neuwieder Sprinter die bisher größten Erfolge seiner Profilaufbahn. Fünf Mal war der 23-Jährige Tagesschnellster.

    Von unserem Redakteur Stefan Kieffer

    Mit einem solchen Erfolg hatte Medizinstudent Walscheid nicht rechnen können, trotz seines außerordentlichen Talents, das den renommierten Rennstall Giant-Alpecin vor der Saison bewog, den schnellen Mann vom Rhein zu verpflichten. Im Januar war Walscheid mit fünf weitere Teamkollegen im spanischen Trainingslager von einer desorientierten Autofahrerin über den Haufen gefahren worden, verbrachte mit gebrochenem Schienbein und gebrochener Hand Wochen im Krankenhaus und Monate in der Reha. Walscheid erinnert sich: "Da ist mir bewusst geworden, wie schnell es vorbei sein kann mit der Karriere." War es aber nicht.

    Lungenentzündung im August

    Im Juni war der Neuwieder bereits so weit hergestellt, dass er bei der Deutschen Meisterschaft zwischen den Sprinter-Assen André Greipel und Marcel Kittel auf den zweiten Rang raste. Doch der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten: Im August lag Max Walscheid mit einer Lungenentzündung flach.

    Umso bemerkenswerter sein chinesisches Comeback im Oktober, auf den ersten beiden Etappen musste Walscheid noch seiner mangelnden Erfahrung Tribut zollen. Am ersten Tag hatte er die Hand zum Jubeln schon erhoben, als ihn quasi auf der Ziellinie noch der Brasilianer Rafel Andriato abfing. "Das war extrem ärgerlich", findet er noch heute, "da habe ich den Unterschied der U 23 zu den Profirennen erstmals am eigenen Leib gespürt." Und tags darauf ließ sich sein Team von den Kasachen der Astana-Mannschaft übertölpeln, Walscheid wurde "nur" Vierter. Doch dann lief es besser. Walscheid gewann die dritte, vierte und fünfte Etappe im Sprint, sein Ansehen stieg bei Zuschauern, Teamkollegen und Konkurrenten.

    "Nach meinem zweiten Etappensieg wollte kein Team mehr mit uns zusammenarbeiten", berichtet er, "da haben meine fünf Teamkollegen allein eine Fluchtgruppe gejagt und eingefangen. So viel Unterstützung wollte ich zurückgeben." So wurde sein dritter Triumph in China zum "schönsten Sieg", obwohl Walscheid an diesem Tag im Zielsprint auf sich allein gestellt war. "Sonst hat mich mein Team ja quasi im Lehnstuhl transportiert, ich musste erst 200 Meter vor dem Ziel in den Wind."

    Der "Fünferpack" von Hainan hat nicht nur Max Walscheids Namen in Expertenkreisen bekannt gemacht, sondern auch seinen Stellenwert im eigenen Team deutlich verbessert. "Im Flugzeug nach China habe ich mir gesagt, ein Etappensieg muss mindestens her sonst kannst du deine Ambitionen ad acta legen", erinnert er sich. Hinterher gab es viele Glückwünsche aus der Mannschaft, bis hinauf zum niederländischen Teamchef Iwan Spekenbrink.

    Zu schwer für diesen Job?

    Sogar Sprinterlegende Mario Cipollini hat sich Gedanken gemacht über den neuen Stern am Sprinterhimmel. In einem Artikel der "Gazzetta dello Sport" befand der Weltmeister von 2002 den Deutschen zwar eigentlich als zu groß und zu schwer für diesen Job, räumte dann aber lobend ein: Die Ergebnisse sprächen eben doch für Walscheid, der vielleicht eine neue Generation von Profis ankündige. Mit 1,99 Metern Körperlänge und rund 90 Kilo Gewicht fällt Walscheid in der Tat auf unter den leichtgewichtigen Bergflöhen.

    In China ganz besonders. "Vor allem nach meinen Etappensiegen wollte jeder Fotos mit mir machen, manchmal noch nach der Startaufstellung", erinnert er sich lächelnd, "das war schon ein bisschen anstrengend." Vom Organisationstalent der Chinesen zeigte sich der Deutsche ebenso angetan wie von ihrer Begeisterungsfähigkeit: "So eine Stimmung rund um die Rennen habe ich noch nie erlebt."

    Nun muss der "Gigant von Giant", wie er in einem Radsport-Blog betitelt wurde, weiter hart daran arbeiten, sich einen Platz unter den schnellsten Männern im Peloton zu erkämpfen."Der Rennkalender für 2017 bietet mir viele Chancen", blickt Walscheid ins nächste Jahr voraus, "mein Ziel ist es, der Sprinter Nummer eins in unserem Team zu werden." Bei Rundfahrten in Katar und Oman im Februar und beim prestigereichen Scheldeprijs in Belgien im April rechnet sich der Neuwieder einiges aus.

    Daneben geht er aber auch beim berüchtigten Kopfsteinpflaster-Rennen Paris - Roubaix (8. April) und bei der bergigen Catalunya-Rundfahrt im Mai an den Start: "Da habe ich keine Ambitionen, will aber für schwere Zeitfahren und große Rundfahrten testen." Und er präzisiert: "Auf dem Sprint liegt das Hauptaugenmerk, das ist sozusagen mein Alleinstellungsmerkmal. Aber wenn ich bei großen Rundfahrten dabei sein will, muss ich auch über die Berge kommen."

    Nach der Kalifornien-Rundfahrt (15. bis 22. Mai) ist es Zeit für ein erstes Fazit: "Dann wird sich entscheiden, wie das Jahr weitergeht", sagt Walscheid. Aber zunächst geht es für den jungen Profi darum, verletzungsfrei durchs Frühjahr zu kommen. "In diesem Jahr war ich ja schon froh, wenn ich schmerzfrei trainieren konnte und wenn beim Nachhausekommen der Hunger mein größtes Problem war."

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