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    Rückpass: Von blutigen Anfängern

    Die Nachricht für sich betrachtet konnte glatt den Eindruck erwecken, da arbeite gerade jemand mit Verve an einem Heldenepos. Am Donnerstag kam die Verbandszentrale des Deutschen Fußball-Bundes mit folgender Meldung heraus: DFB will Bemühungen im Kampf gegen Doping verstärken. Zusätzlich zu den Urinuntersuchungen sollen demnächst Bluttests auch nach Spielen vorgenommen werden. DFB-Vize Rainer Koch geht von 120 zusätzlichen Blutproben aus.

    RZ-Sportredakteur Klaus Reimann.
    RZ-Sportredakteur Klaus Reimann.

    Klaus Reimann blickt auf die Sportwoche zurück

    So weit die frohe Botschaft, die so viel Anlass zum Frohlocken bei näherem Hinsehen freilich gar nicht gibt. Was wie ein engagierter und selbstbestimmter Kampf gegen die Geißel des Sports rüberkommen soll, ist nichts anderes als die längst fällige Reaktion auf den sich verstärkenden öffentlichen Druck. Und mit Druck kennen sie sich aus beim DFB – sieht zumindest der Historiker Erik Eggers so. Eggers, im vergangenen Jahr Mitwirkender an der viel diskutierten Studie zum Thema Doping in Deutschland, hält fest: „Wer sich mit der Dopinggeschichte in Deutschland beschäftigt, wird sehen, dass der DFB immer einer der letzten Verbände war, die in die Füße kamen, wenn es um die Dopingbekämpfung geht.“

    Dieses Trägheitsgesetz findet nun auch bei den Bluttests Anwendung. Bis dato hatten sich die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada und der DFB darauf geeinigt, dass von 500 Trainingskontrollen 75 Bluttests sein sollen. Wobei sich die Blutkontrollen auf alle Mannschaften der Ersten und Zweiten Liga sowie die A-Nationalmannschaft und sämtliche Juniorenteams des DFB verteilen. Mit anderen Worten: Da fließt viel Schweiß, aber wenig Blut. Im Schnitt muss jeder der 36 Profiklubs im Laufe einer Saison mit weniger als zwei Blutuntersuchungen rechnen. Was der Pharmakologe und Dopingjäger Fritz Sörgl als „große Farce“ bezeichnet und mutmaßt, der Verband wolle nicht, „dass etwas Unangenehmes ans Tageslicht kommt“.

    Für den medizinischen Leiter des Fußball-Weltverbandes Fifa, Jiri Dvorak, wäre es die beste Lösung, zu Beginn einer Saison das Blut aller Spieler der Bundesliga testen zu lassen. „Dann hätte man eine Basis und könnte weitere Kontrollen folgen lassen“, so Dvorak. Doch das ist dem DFB wohl zu teuer. Der Verband ist es, der den finanziellen Betrag bestimmt, der für die Tests zur Verfügung steht. Die Nada muss sehen, was sie damit anstellt. Da Bluttests wesentlich teurer sind als Urinuntersuchungen, sind bis heute lediglich 15 Prozent der Trainingskontrollen Blutkontrollen.

    Was sich jetzt ja ändern soll. Künftig sind also 120 zusätzliche Blutproben geplant. Klingt nach viel, doch viel ist bekanntlich relativ. Zum Vergleich: Bei der Leichtathletik-WM in Moskau 2013 wurden rund 1900 Bluttests bei den Athleten vorgenommen. Alle diese Athleten haben selbstverständlich einen Blutpass. Wer jetzt meint, Doping im Fußball bringt doch eh nichts, den belehrt die Historie eines Besseren. Sogar Diego Armando Maradona hat es getan. Er wurde bei der WM 1994 positiv auf Ephedrin getestet. Bei Juventus Turin praktizierten sie in den 90er-Jahren flächendeckendes Doping. Auf der Kundenliste des spanischen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes sollen beileibe nicht nur Radfahrer gestanden haben. Und der österreichische Ex-Sportmanager Stefan Matschiner will mehrere Fußballer mit Testosteron und Epo versorgt haben. Auf Geständnisse eines betrügenden Kickers freilich wartet die Sportwelt bis dato vergebens. „Es ist einfacher, einen geständigen Mafioso zu finden als einen geständigen Fußballer“, sagt der italienische Staatsanwalt Raffaele Guariniello. Er muss es wissen, er deckte den Dopingmissbrauch bei Juve auf.

    Dass aber auch die Fifa ihr ganz eigenes Verständnis von effektiver Anti-Doping-Arbeit hat, kam diese Woche ans Tageslicht. Bei der anstehenden WM in Brasilien hat der Weltverband kein funktionstüchtiges Dopinglabor vor Ort. Kontrolliert wird in der 9000 Kilometer (!) entfernten Schweiz. Da funktioniert hoffentlich der Kurierdienst reibungslos. Wie wir Fifa-Boss Sepp Blatter kennen, wird der sich persönlich dafür einsetzen. Nicht ohne sich anschließend als einer der größten Kämpfer gegen Doping überhaupt feiern zu lassen. Noch so ein Held, noch so ein Epos ...

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