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    Köln/Koblenz

    Peter Schönberger – vom IT-Manager zum Eishockey-Geschäftsführer: Die Haie-Krise wird aufhören

    Anfang September war's, da gab Peter Schönberger seinen Posten als Justiziar bei dem florierenden Koblenzer Unternehmen CompuGroup Medical AG auf, um fortan die wirtschaftliche und sportliche Entwicklung des Eishockey-Traditionsklub Kölner Haie als Geschäftsführer maßgeblich mit zu gestalten. Was ihn antreibt, erklärt er im Interview mit unserer Zeitung.

    Sieht viel Potenzial bei den Haien: Peter Schönberger.  Foto: Ditscher
    Sieht viel Potenzial bei den Haien: Peter Schönberger.
    Foto: Ditscher

    Zwei Jahre in Folge standen die Haie in der Finalserie der Deutschen Eishockey Liga, zweimal wurden sie Vizemeister. Auch wenn es mit dem Meistertitel nichts wurde, drei Jahre nach der Fast-Insolvenz, stimmte die Richtung. Sportlich wie wirtschaftlich. Bis zum Beginn dieser Spielzeit. Nach kapitalem Fehlstart sind die Kölner nur Vorletzter in der Vorrundentabelle, Trainer und Klub-Ikone Uwe Krupp musste gehen, die Zuschauer bleiben auf einmal weg.

    Die Kölner Haie – dunkle Trikots, hier gegen Meister Ingolstadt – unter Dauerbeschuss. Das ist in dieser Spielzeit bis jetzt eher die Regel.  Foto: Imago
    Die Kölner Haie – dunkle Trikots, hier gegen Meister Ingolstadt – unter Dauerbeschuss. Das ist in dieser Spielzeit bis jetzt eher die Regel.
    Foto: Imago

    Schönberger hat sich offensichtlich auf dünnes Eis begeben. Auf zu dünnes? Nein, hält der 48-jährige Jurist fest, der seinerzeit mit seinen CompuGroup-Mitstreitern Frank Gotthardt, Jan Broer und Uwe Eibich die Haie vor dem finanziellen Ruin rettete. Schönberger ist davon überzeugt, dass die Haie das Tal der Tränen wieder verlassen. Warum, erläutert er im Interview mit unserer Zeitung.

    Vor vielen Jahren als Retter der Kölner Haie gefeiert, kürzlich als "Königsmörder" von Uwe Krupp ausgepfiffen – Sie machen gerade Bekanntschaft mit den unschönen Seiten des Profisports. Sportlich läuft es alles andere als gut. Wie viel Spaß macht der Job als Geschäftsführer der Haie Tagen?

    Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass der Start meiner Tätigkeit bei den Haien etwas ruhiger verläuft. Das war nicht der Fall. Gleichwohl war mir klar: Im Sportmanagement gibt es immer gute und schlechte Zeiten. Trotzdem macht mir die Arbeit Spaß, weil es viele Dinge gibt, die bewegt werden müssen. Und weil die Kölner Haie eine starke Marke sind – auch wenn wir derzeit nur 13. in der Tabelle sind. Das Potenzial, das wir haben, noch auszuschöpfen, darin liegt der Reiz.

    Dieser Schritt raus der freien Wirtschaft rein in den Profisport zu einem Traditionsklub – wie haben Sie sich darauf eingestellt und wovon wurden Sie trotzdem überrascht?

    Nun, der Wechsel ging sanft vonstatten. Ich war seit 2010 ins operative Geschäft des Klubs involviert, ich war Geschäftsführer der Holding, die über den Haien steht. Das hat dazu geführt, dass ich mich im Büro des Haie-Geschäftsführers sofort wie zu Hause gefühlt habe. Klar, ich musste mich erst darauf einstellen, stärker als bisher in der Öffentlichkeit zu stehen. Alles, was du machst, wird kommentiert. Was ja auch richtig ist. Wir brauchen nun mal diese Öffentlichkeit. Wichtig ist: Du darfst dich von den Entschlüssen, die du gefällt hast und die du auch für richtig hältst, nicht abbringen lassen.

    Ein Ausspruch von Ihnen vor der Finalserie 2013 gegen die Eisbären Berlin ist verbrieft. Sie haben damals gesagt, das sei der Beginn einer neuen Ära. Jetzt aber stockt diese Weiterentwicklung. Ist das der Moment, in dem Sie sich zum Handeln gezwungen sahen?

    Dass es nicht nur nach oben geht, war mir, wie schon gesagt, klar. Ich würde aber nicht sagen, dass unsere Weiterentwicklung stockt. Es gibt immer zwei Komponenten der Entwicklung eines Vereins. Da ist zum einen die rein sportliche. Da ist das Team sehr solide besetzt, wobei wir immer wieder mal kleine Korrekturen vornehmen, um noch besser zu werden. Da sind wir seit 2011 und zwei Vizemeisterschaften auf einem guten Weg. Wir haben auch dieses Jahr das Potenzial, da oben mitzuspielen. Das ist eben nur im Moment nicht so. Wir haben eine Krise. Aber die wird auch aufhören.

    Mit dem Krupp-Rauswurf haben Sie sich maximal unbeliebt gemacht. Viele sagen, das sei ohne Not geschehen, es sei unüberlegt gehandelt worden. Warum haben Sie es trotzdem gemacht?

    Unüberlegt war diese Entscheidung natürlich nicht. Sie basierte vielmehr auf vielen Sitzungen. Letztlich passte es nicht mehr. Wir haben keine Entwicklung mehr gesehen im Team. Ein Spieler hat kürzlich in einem Interview erklärt, die Mannschaft sei unter Krupp mental am Boden gewesen. In dem Moment, in dem wir gesehen haben, dass unsere Ziele nicht mehr erreichbar sind, nämlich um die Meisterschaft mitzuspielen, mussten wir handeln, neue Impulse setzen. Auch gegen Widerstände in der Öffentlichkeit.

    Gleichwohl hat der neue Trainer Niklas Sundblad noch nicht den gewünschten Erfolg ...

    Wir hätten gern den einen oder andere Erfolg mitgenommen, allein schon um unser Punktekonto aufzufüllen. Für uns ist aber wichtiger zu merken, dass es nach oben geht. Wir haben uns in die Deutschland-Cup-Pause gerettet. Jetzt kehren die Spieler hoffentlich mit frischen Kräften wieder zurück ins Training. Dann sind wir optimistisch, dass es nach oben geht. Weil das Team einfach zu stark ist, auch vom Willen her, um auf Dauer dort unten zu bleiben.

    Sie haben kein Problem damit, kein ausgewiesener Eishockey-Experte zu sein. Reichen in einer so schwierigen Phase aber Engagement und die Vorliebe für eine Sportart aus, den Klub aus der Krise zu manövrieren? Oder wird die Unwissenheit dann zum Problem?

    Ich bin insofern kein Eishockey-Experte, als dass ich selbst nie hochklassig gespielt habe. Ich bin aber seit 30 Jahren dem Eishockey verbunden. Mein Stiefvater war Torwart beim EV Füssen. Ich habe sogar einen Spielerpass. Es ist also nicht so, dass ich von Eishockey überhaupt keine Ahnung habe. Klar, ich bin nicht als Profi mit dem Sport groß geworden. Das ist aber auch nicht meine Aufgabe. Ich bin zu den Kölner Haien gekommen, um die Themen Finanzen, Vertrieb, Marketing und Kommunikation zu steuern. Jetzt ist es so, dass ich auch mehr im sportlichen Bereich drin bin, so lange wir keinen Sportmanager haben. Aber da geht es vornehmlich um den Sportverwaltungsbereich, um Verhandlungen mit Beratern, um neue Spielerverträge. Was immer schon mein Kerngeschäft war. Die rein sportlichen Entscheidungen treffen wir in enger Absprache mit dem Trainerstab. Will heißen: Ich mache in diesem Klub keine Dinge, mit denen ich mich nicht auskenne.

    Will Sundblad den Sportdirektor nicht haben, weil er lieber allein entscheidet? Oder wollen Sie ihn nicht, weil er zu teuer ist?

    Nein, nein. Wir wollen einen Sportdirektor. Aber ich möchte diese Personalie ganz in Ruhe klären. Wir haben im Moment keine Not. Wir sind handlungsfähig – auch ohne Sportdirektor. Wenn dann der richtige Mann kommt, werden wir diese Position auch neu besetzen. Wir haben ein paar Kandidaten im Auge. Was im Laufe einer Saison bekanntlich nicht so einfach ist.

    Sie sind vor Jahren gemeinsam mit ihren Mitstreitern von der CompuGroup eingestieen, um den Verein vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Sie haben aber auch damals schon gkein Hehl daraus gemachteines Tages schwarze Zahlen schreiben zu wollen. Wie weit sind Sie da gediehen?

    Wirtschaftlich geht es uns schon sehr viel besser. Natürlich ist die Ausgabenseite erhöht worden, weil das Team seit der Saison 2011/2012 teurer geworden ist. Eine Mannschaft, die um die Meisterschaft mitspielen möchte, muss eine gewisse Qualität haben. Und das kostet. Gleichzeitig konnten wir aber auch die Einnahmen erhöhen. Der Zuschauerschnitt ist stetig in die Höhe gegangen, das Merchandising läuft immer besser. Was das Sponsoring angeht, könnte es noch besser werden. Daran arbeiten wir. Wir nähern uns immer mehr dem Ziel, dass sich der Verein selbst trägt. Das ist kein einfacher Weg.

    Sie haben einen sicheren Job bei einem boomenden Unternehmen aufgegeben, um den Unwägbarkeiten des Profisports zu begegnen. Haben Sie den Schritt schon bereut?

    Keine Sekunde. Auch nicht in diesen schweren Zeiten, in denen wir wegen der Entlassung der sportlichen Leitung im Fokus standen. Ich hatte bei der CompuGroup eine tolle Zeit, war Personalleiter. Wir haben viel bewegt. Das ist jetzt für mich ein neuer Schritt ins operative Geschäft. Der Job ist hoch zeitintensiv. Und du kannst diesen Job nur machen, wenn du für die Haie brennst. Es steckt viel Potenzial im Verein, das noch nicht ausgeschöpft haben. Deshalb habe ich eine schöne Aufgabe übernommen.

    Die Frage muss gestellt werden: Sie und ihre einstigen Partner von der CompuGroup, sie wurden seinerzeit als Unternehmer aus Koblenz immer wieder mit TuS Koblenz in Verbindung gebracht. Können Sie – oder ihre Partner – sich ein finanzielles Engagement dort vorstellen?

    Ich muss vorausschicken: Es gab 2010 keine Entscheidung für die Haie und gegen TuS Koblenz. Die Frage, zur TuS Koblenz zu gehen, stellte sich damals nicht. Die Kölner Haie waren insolvent. Da bestand Handlungsbedarf. Hinzu kommt, dass der Fußball das 50+1-Problem hat. Geldgeber aber, die langfristig investieren wollen, wollen irgendwann auch das Sagen haben. Eine saubere Lösung liegt für mich so bei 75 Prozent. Dann kannst du die Entscheidungen auch durchsetzen. Das geht im Fußball nicht. Hinzu kommt: Unser Engagement bei den Kölner Haien ist ein privates Engagement. Die CompuGroup ist zwar auch Sponsor, aber in einem sehr geringen Rahmen. Ob der eine oder andere jetzt künftig bereit ist, sich bei der TuS zu engagieren, das kann ich nicht sagen. Mein privates Investment als Gesellschafter der Haie ist im Übrigen verschwindend klein. Für mich persönlich kommt ein Engagement bei der TuS nicht in Betracht. Ob das für Herrn Gotthardt oder irgendjemand sonst ein Thema ist, da müsste man den- oder diejenigen fragen.

    Abschließend die Frage: Was muss passieren, damit die Haie aus ihrem sportlichen Tief herauskommen? Denn es ist an den zuletzt sinkenden Zuschauerzahlen abzulesen, dass jede sportliche Krise auch ihre wirtschaftlichen Auswirkungen hat.

    Das ist richtig. Es gibt in der Tat einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen sportlichem Misserfolg und den Zuschauerzahlen. . Es gab früher mal einen Spruch: Willst du mit einer Mannschaft leiden, geh' zum FC, willst du ein Team siegen sehen, dann geh' zum KEC. Wenn wir jetzt weiter verlieren, verlieren wir auch dieses Alleinstellungsmerkmal in der Stadt. Deshalb müssen wir schnell wieder in die Spur kommen. Und da haben wir einiges unternommen. Wir haben den Spielern klar aufgezeigt, dass jeder einhundert Prozent Einsatz bringen muss. Passiert das nicht, muss man sich auch mal von einem Spieler trennen. Das haben wir mit Marcel Müller demonstriert. Zudem sind wir auf der Suche nach einem Top-Stürmer. Wir haben noch drei Ausländerlizenzen frei. Das ist allerdings nicht einfach, halb Europa sucht einen solchen Mann. Aber wir haben den einen oder anderen Akteur im Auge. Die Ziele, die wir seit Jahren haben, gelten auch für diese Saison. Am Beispiel Ingolstadt hat man vergangene Saison gesehen, wie schnell es nach oben gehen kann. Bis hin zum Titel. Der ist für uns derzeit kein Thema, die Play-off-Spiele schon. Dort wollen wir hin.

    Das Gespräch führten unsere Redakteure Klaus Reimann und Sven Sabock

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