Archivierter Artikel vom 28.01.2022, 19:00 Uhr

Kommentar zum Rücktritt von Gladbachs Manager Max Eberl: Wenn aus Spaß Leere wird

Max Eberl hat an seinem letzten Arbeitstag tiefe Einblicke in sein Seelenleben gegeben. Eigentlich würde er gerade jetzt, zum Ende der Transferfrist, zweimal am Tag sein Handy-Akku leer telefonieren, um diverse Akteure des ins Straucheln geratenen Bundesligisten anderen Klubs anzubieten – und im Gegenzug der Mannschaft mit neuen Spielern die dringend benötigten Impulse zu verleihen.

Von Sven Sabock
Sportredakteur Sven Sabock.
Sportredakteur Sven Sabock.
Foto: Rhein-Zeitung

Die Mängelliste bei der Borussia ist schließlich lang. Aber wie soll ein Sportdirektor einen Klub aus der Krise führen, wenn er den Fußball als Last und nicht als Lust empfindet? Wenn ihm die Kraftlosigkeit und die Leere förmlich anzusehen sind. Der Macher in Mönchengladbach steht nicht allein mit der Erkenntnis, dass ihn der Beruf mit all seinen Anforderungen zunehmend überrollt, ehe nun ein Maß erreicht ist, das die Gesundheit akut gefährdet. Sich diese Schwäche einzugestehen und die Öffentlichkeit an seinen Emotionen teilhaben zu lassen, ist ein Zeichen von Stärke.

Das prominente Beispiel Eberls zeigt wie unter dem Brennglas die Verdichtung in der Arbeitswelt, die manch einen auffrisst. Da hilft am Ende auch das Adrenalin nicht, das beim Fußball an jedem Wochenende ausgeschüttet wird und süchtig machen kann. Omnipräsent zu sein, quasi rund um die Uhr große Entscheidungen treffen zu müssen, ist dabei Antrieb und Teil des Geschäfts. Allein, irgendwann dreht sich das Rad zu schnell, um Schritt halten zu können.

Der Fußball, so heißt es, ist die schönste Nebensache der Welt. Für Eberl, so hat er es selbst gesagt, ist Fußball alles. Doch der Fußball, der eigentlich ein Spiel sein soll, macht ihm keinen Spaß mehr. Zum Glück hat er es rechtzeitig erkannt.