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Kommentar: Politik stiehlt sich mit ihrem Lamento aus der Verantwortung

Immer wenn sich Politik in Zaudern und Zögern ergeht, entdecken die Damen und Herren in Berlin den Sport als Zielscheibe ihrer Empörung. So ist sich die Bundesregierung im Widerstreit um Wirtschaftssanktionen gegen Russland im Zuge der Krim-Krise und den Ereignissen in der Ost-Ukraine allein darin einig, sich nicht einig zu sein.

RZ-Sportredakteur Klaus Reimann.
RZ-Sportredakteur Klaus Reimann.

Dem aus regierungs-politischer Sicht notwendigen Schritt stehen die Interessen deutscher Unternehmen entgegen. Wie schön, in einer solchen Situation einen Nebenkriegsschauplatz zur Hand zu haben. Wenn schon nicht politisch, möchte man zumindest moralisch punkten.

Womöglich war CDU-Generalsekretär Peter Tauber derart motiviert, als er jetzt Clemens Tönnies, den Vorstandschef des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 dafür geißelte, eine Einladung nach Moskau annehmen zu wollen und sich somit von Kreml-Chef Wladimir Putin instrumentalisieren zu lassen. Mal davon abgesehen, dass diese Einladung bereits seit vier Wochen im Raume steht, kommt der Furor aus Berlin ohnehin reichlich spät.

Besteht doch die Kooperation zwischen Schalke und dem staatlichen Unternehmen Gazprom bereits seit 2007. Tönnies und Putin verbindet eine Männerfreundschaft, die sich für beide Seiten auch ökonomisch als überaus gewinnbringend erweist. Tönnies stampft eine Fleischfabrik nach der anderen aus der russischen Erde, Gazprom liefert pro Jahr rund 17 Millionen Euro Sponsorengeld an den FC Schalke.

Dass Russland seinen Gaslieferanten Gazprom in politischen Krisen dazu nutzt, um andere Länder zu erpressen, ist nicht neu. Das alles war der Politik bis dato ziemlich Wurst. Doch jetzt, wo die Ukraine Tag für Tag die Schlagzeilen beherrscht, sehen Tauber und Co. den Moment gekommen, sich mit wohlfeilen Äußerungen endlich mal ins politische Rampenlicht rücken zu können.

Dabei gibt es Gründe genug für die Politik, Worten auch Taten folgen zu lassen. Wenn beispielsweise der FC Schalke, aber auch der FC Bayern München eine strategische Partnerschaft mit dem Katar eingehen. Wenn sich diese Klubs von den Scheichs im Winter-Trainingslager hofieren lassen. Von einem Land, dass die Menschenrechte noch weniger achtet als Russland.

Wenn Gazprom nicht nur mit dem FC Schalke 04, sondern seit 2012 auch als offizieller Partner der Europäischen Fußball Union den Fußball als Plattform dazu benutzt, sein Image mit Millionenzahlungen rein zu waschen. Wenn korrupte Sportfunktionäre bei der Vergabe von Olympischen Spielen und einer Fußball-WM freie Fahrt haben. Hier würde unsereiner die Politik gern handeln und nicht nur lamentieren sehen. Aber da traut sich keiner ran. Dass Tönnies sich jetzt als ahnungsloser Vertreter des Sports "und nicht der Weltpolitik" geriert, ist nicht gerade eine Ode ans verantwortliche Handeln. Doch steht der Schalke-Boss mit seiner Weltfremdheit nicht allein da. Mit derselben Distanz zum realen Leben hat IOC-Boss Thomas Bach die Spiele in Sotschi verklärt.

Wie sagte Peter Tauber doch ganz richtig: "Sport kann wegen seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung nie völlig politikfrei sein." Ja, und Politik kann sehr wohl sinnfrei sein, wenn sie sich allein in symbolischen Akten erschöpft.

E-Mail: klaus.reimann@rhein-zeitung.net

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