Archivierter Artikel vom 16.05.2016, 15:47 Uhr

Hausgemachte Abstürze

Diese Abstiege kommen mit Ansage: Der VfB Stuttgart und Hannover 96 stehen in der Zweiten Liga vor einem Neuaufbau.

Sportredakteur Sven Sabock.
Sportredakteur Sven Sabock.
Foto: Rhein-Zeitung

Sven Sabock zu den Absteigern aus der Bundesliga

Tradition allein verspricht noch keinen Erfolg. Und sich darauf zu verlassen, dass die namenlosen Aufsteiger als Punktelieferant herhalten, ist erst recht fahrlässig. Ein Blick auf das Tabellenende der Bundesliga genügt, um diese Thesen zu stützen. Die Erkenntnis ist nicht neu, wobei für den Absturz von Hannover 96, des VfB Stuttgart oder der nach wie vor prekären Lage der Frankfurter Eintracht weder die Schiedsrichter noch irgendwelche neureichen Emporkömmlinge haftbar gemacht werden können. Nun folgt der Fußball selten einer Logik, aber gerade im Fall der Absteiger sind die jüngsten Chaostage und -wochen lediglich der Höhepunkt hausgemachter Krisen. Der wiederholte Griff zum falschen Trainer, eine verfehlte Transferpolitik, fehlende sportliche Kompetenz in der oberen Etage – dies sind nur einige Gründe für die Totalschäden in Hannover und Stuttgart.

Gerade der VfB dient als Paradebeispiel dafür, wohin diese unheilvolle Mischung führen kann. Der Meister von 2007 ist letztlich auch dem Irrglauben erlegen, die zwischenzeitliche Aufholjagd und die Güte des Kaders würden genügen, um das Klassenziel zu erreichen. Umso tiefer ist nun der Fall, der Austausch der handelnden Personen folgerichtig. Die 96er sind da immerhin schon einen Schritt weiter. Die Depression ist mittlerweile gewichen, durch Trotz und einen Trainerwechsel hin zu Daniel Stendel ist es zumindest gelungen, sich mit Anstand aus der Liga zu verabschieden. Und eine positive Stimmung kann bei dem erforderlichen Neuanfang nur von Vorteil sein. Allein, sich auf die Tradition zu berufen, um daraus die Berechtigung für den Wiederaufstieg abzuleiten, wird in beiden Fällen nicht ausreichen. Ein Blick nach Kaiserslautern oder Düsseldorf genügt.

E-Mail an den Autor: sven. sabock@rhein-zeitung.net