Archivierter Artikel vom 30.07.2021, 22:11 Uhr
Tokio

Zwischen zäh und ganz nett: Sven Sabock zieht eine Zwischenbilanz zu Olympia

Seit einer Woche brennt nun das olympische Feuer, wetteifert die Jugend der Welt im Zeichen der Ringe – aber die Spiele in Tokio tun sich noch schwer damit, die Menschen für sich zu begeistern. Natürlich, die Zeitverschiebung mag ein Faktor sein, längst nicht jeder stellt sich den Wecker, um ab 2 Uhr nachts jeden Wettkampf live zu verfolgen. Aber es sind wohl vor allem die fehlenden Emotionen von den Rängen in den Stadien, weshalb der Funke aus dem fernen Japan hinüber ins heimische Wohnzimmer nicht recht überspringen will. Und so variiert die atmosphärische olympische Zwischenbilanz irgendwo zwischen zäh und ganz nett.

Von Sven Sabock
Sportredakteur Sven Sabock.
Sportredakteur Sven Sabock.
Foto: Rhein-Zeitung

Was durchaus erwartbar war bei Spielen, die im Zeichen von Corona ausgetragen werden. Es geht distanziert zu, die streng gefassten Regeln lassen wenig Raum für Spontanität, die ja gerade das Wesen des Sports ausmacht. Die besonderen Momente, sie sind (noch) rar, gleichwohl es sie natürlich auch in Tokio gibt. Allen voran hat Slalomkanutin Ricarda Funk mit ihrem furiosen Ritt durch Wellen und Stangen zum Olympia-Sieg für die große Überraschung der ersten Woche gesorgt – und zudem mit dem Mitgefühl für die leidgeplagten Menschen in ihrer Heimat an der Ahr Größe bewiesen. Und klar, da sind die Dressurreiterinnen, deren Abonnement auf Gold nur erahnen lässt, wie viel Arbeit für Mensch und Tier dahintersteckt.

Die etwas sterilen Spiele in Japan bringen es indes auch mit sich, dass der bei Großereignissen mitunter inflationär verwendete Begriff des großen Helden bislang kaum zu vernehmen ist. Und das ist gut so. Denn Helden sind in diesen Tagen vor allem abseits des Sports auszumachen.

E-Mail an den Autor: sven.sabock@rhein-zeitung.net