Archivierter Artikel vom 03.08.2021, 22:27 Uhr
Tokio

Weil sie konnte, was sie wusste: Klaus Reimann zur Goldmedaille von Malaika Mihambo

Am Ende des Tages beschreibt es genau die herausragende Qualität jener Sportler, die den Dienstag aus deutscher Sicht so gülden hatten schimmern lassen: Es ist die zur Extraklasse gereifte Eigenschaft, auf den Punkt da zu sein. Das hat Malaika Mihambo im Weitsprung in einem epischen Wettkampf auf bewundernswerte Weise geschafft. Und das hat der Bahnrad-Vierer der Frauen ebenso anerkennenswert vollbracht.

Von Klaus Reimann
Klaus Reimann.
Klaus Reimann.
Foto: RZ

Natürlich, sportlich Großes leisten zu können, setzt unermüdliches Training, setzt die Beharrlichkeit, es noch besser machen zu wollen, voraus. Was dann aber im entscheidenden Moment im Wettkampf passiert, steuert der Kopf, das ist mithin nur begrenzt trainierbar. Umso erstaunlicher, wie geradlinig und dem Anschein nach unbeirrt – so empfindet es jedenfalls der Außenstehende – Mihambo auf ihre Goldmedaille zugesteuert ist. Nach einer Saison, die ihr auch anderes hätte suggerieren können als ein mantrahaftes „Ich schaff das!“. Langer Anlauf, kurzer Anlauf, langer Anlauf – über den Weg zum Sprung war sich die 27-Jährige lange selbst nicht einig. Es fehlte an Stabilität, es fehlte vor allem an Weite. Ein Sieben-Meter-Satz wollte ihr im Vorfeld von Olympia einfach nicht gelingen.

Und doch war der Glaube ans eigene Können stets größer als der Zweifel am Erfolg. In Tokio packte Mihambo im letzten Versuch dann alles aus. Wo andere die Hände vors Gesicht geschlagen und gebibbert hätten – oje, nur noch ein Versuch –, legte Mihambo den Fokus darauf, diese eine Chance zu nutzen. Sie, die Sieben-Meter-Sprünge schon zuhauf in die Grube gesetzt, die schon einen WM-Titel gewonnen hatte, wusste genau, was sie kann. Und sie konnte, was sie wusste: sieben Meter. Gold!

Gefragt, was sie sich sportlich gar nicht vorstellen könne, antwortete Mihambo einmal: Triathlon. Viel zu viel Ausdauer, meinte sie. Und: „Dazu fehlt mir die mentale Stärke.“ Lustig, oder? Als ob sie davon nicht im Überfluss hätte ...

E-Mail an den Autor: klaus.reimann@rhein-zeitung.net