Archivierter Artikel vom 29.07.2021, 19:31 Uhr
Tokio

Neuwieder machen Tokio gemütlich: Firma APA hat die deutsche Unterkunft eingerichtet

Als Kim Gehrmann an seinem Einsatzort im olympischen Dorf eintraf, sah er sich vielen Rigipsplatten und unverputzten Wänden gegenüber. Eine nicht zu leugnende emotionale Kälte, die acht Tage später einem charmanten Flair gewichen war. Gehrmann und seine Mitarbeiter haben gut eine Woche lang olympische Luft geatmet und in gründlicher Arbeit ihren Teil zum Wohlfühlambiente der deutschen Athleten und Verantwortlichen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Tokio beigetragen.

Von René Weiss
Ein Koblenzer im olympischen Dorf: Kim Gehrmann, Projektmanager der Neuwieder Firma APA, vor den fünf Ringen in Tokio.
Ein Koblenzer im olympischen Dorf: Kim Gehrmann, Projektmanager der Neuwieder Firma APA, vor den fünf Ringen in Tokio.
Foto: Sven Füllenbach

Der Koblenzer arbeitet seit gut acht Jahren für den Neuwieder Veranstaltungsausstatter APA, der im Bereich des nationalen wie internationalen Sports unzählige Wettkampfstätten in ein optisch stimmiges Gewand hüllt. In Tokio befindet sich APA als DOSB-Partner zum zweiten Mal nach Peking 2008 bei Olympia mit im Boot. „Es war eine großartige Erfahrung, vor Ort arbeiten zu dürfen. Besonders, weil sich unsere Einsatzzeit und die Ankunft einiger Athleten überschnitten haben“, schildert Gehrmann. Als Projektmanager steht der 35-Jährige im engen Austausch mit den Verbänden und koordiniert die Einsätze der Mitarbeiter, aber in Tokio packte Gehrmann selbst fleißig mit an: „Wir haben einige Tage mit 14 Arbeitsstunden bei 35 Grad Außentemperatur aneinandergereiht. Der Einsatz direkt im Geschehen erinnerte mich etwas an meine Zeit als Auszubildender zum Veranstaltungskaufmann. Aber so dicht dran zu sein, macht enorm Spaß.“ Zu dem hohen Pensum trug ein akuter Personalmangel bei. Durch das Einreiseverbot wegen der Corona-Pandemie für freiwillige Helfer aus anderen Ländern stand weniger Unterstützung als ursprünglich geplant und benötigt zur Verfügung.

Rechtzeitig fertig wurden Gehrmann und sein Team trotzdem. Sie richteten Interviewräume für Medienvertreter, Büros und Athleten-Appartements ein, brachten Orientierungshilfen an. Überall auf den neun Stockwerken, die der DOSB in diesen beiden Wochen in Beschlag nimmt, legte das Neuwieder Unternehmen Hand an und hinterließ Spuren. „Einige Athleten haben uns gesagt: ,Mensch, das sieht hier aber richtig cool aus.‘ Solche Würdigungen sind für uns das größte Lob und kommen im Alltag nicht häufig vor, weil wir uns in aller Regel im Hintergrund bewegen. Es geht uns ähnlich wie zahlreichen Olympioniken, die nur bei den Spielen in den Fokus geraten“, erklärt Gehrmann.

Auch wenn die Abbauarbeiten nach der Abschlussfeier durch Helfer erledigt werden, ist das Olympia-Kapitel für die Neuwieder Firma noch nicht beendet. Die Kooperation mit dem DOSB umfasst neben dem Höhepunkt in Fernost und der Athleten-Einkleidung im Vorfeld unter anderem auch Einsätze bei der Willkommensfeier für die Sportler am 9. August am Frankfurter Römer sowie der Ehrung zum Sportler des Jahres im Herbst. Hinzu kommen die Paralympics (24. August bis 5. September), für die unter der Woche eine große Materiallieferung aus Neuwied nach Asien ging.

Die Medaillenentscheidungen schaut sich Gehrmann nach seiner Rückkehr in die Heimat ausgiebig an, aber mit einem anderen Auge als der „normale“ Olympia-Fan: „Es ist eine Art Berufskrankheit, wenn man den Blick nicht nur auf die Spielfelder und Laufbahnen wirft, sondern besonders auf das Drumherum. Auch Reportagen über die deutsche Unterkunft verfolge ich intensiv – um zu schauen, ob alles noch so ist, wie wir es vor den Spielen angebracht haben.“

Von unserem Mitarbeiter René Weiss