Archivierter Artikel vom 02.08.2021, 19:10 Uhr
Tokio

Leichtathletik: Für die Zehnkämpfer Niklas Kaul und Kai Kazmirek geht es endlich los

Um 2 Uhr unserer Zeit ertönt in der Nacht zum Mittwoch der erste Startschuss zum 100-Meter-Lauf der Zehnkämpfer. Dann endet auch für das deutsche Duo Niklas Kaul (23) und Kai Kazmirek (30) das lange Warten. Während Weltmeister Kaul in Tokio sein olympisches Debüt gibt, sind es für den Neuwieder Kazmirek die zweiten Olympischen Spiele. 2016 in Rio de Janeiro landete der Polizeikommissar von der LG Rhein-Wied mit 8580 Punkten auf Platz vier, zur Medaille fehlten 86 Zähler.

Von Stefan Kieffer
Ein rheinland-pfälzisches Duo startet guter Dinge in den Zehnkampf: Niklas Kaul aus Mainz (links) und Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied.
Ein rheinland-pfälzisches Duo startet guter Dinge in den Zehnkampf: Niklas Kaul aus Mainz (links) und Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied.
Foto: picture alliance/dpa/AP

Eine Woche lang haben sich die beiden Dekathleten im Trainingslager des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in einem Urlauberhotel mit vielen japanischen Touristen im Ferienort Miyazaki auf ihren Wettkampf vorbereitet, unter strengen Hygienebedingungen, versteht sich. „Der DLV hatte zwei Etagen für sich, wir waren total abgeschottet“, berichtet Kazmirek am Telefon, „wir haben die Lieferantenaufzüge benutzt und durften nur morgens zwischen 6 und 8 Uhr raus und an den Strand.“ Beim Training im Stadion waren die deutschen Leichtathleten unter sich, ansonsten blieben sie meist in ihren „großen und geräumigen“ Zimmern, wenn sie sich nicht zum Tischtennis oder Kartenspielen verabredeten.

So hatte Kazmirek viel Zeit, die Ereignisse der ersten olympischen Woche am Fernseher zu verfolgen: „Über die Goldmedaille von Ricarda Funk habe ich mich riesig gefreut“, berichtet er im Hinblick auf die Slalomkanutin aus Bad Breisig, „das ist eine tolle Story, wie sie 2016 Olympia verpasst und jetzt Gold geholt hat“. Auch mit Leichtgewichtsruderer Jason Osborne aus Mainz, der Silber gewann, hat der Zehnkämpfer mitgefiebert: „Jetzt bin ich gespannt, ob er wirklich aufs Rennrad umsteigt.“

Der beständigste deutsche Zehnkämpfer der vergangenen Jahre steht immer ein wenig im Schatten der nationalen Konkurrenz, einst gehörten Rico Freimuth und Arthur Abele die Schlagzeilen, jetzt fragen alle nach Jungstar Kaul. Doch Kazmirek stört es nicht, dass er meistens unter dem Radar bleibt. Umso geringer ist der Druck, der auf ihm lastet. „Ich fühle mich frisch und ausgeruht und habe dank der Arbeit der Physiotherapeuten relativ wenig Schmerzen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Eines hat er bei den ersten Auftritten der Leichtathleten im Olympia-Stadion von Tokio bereits festgestellt: „Die Bahn scheint schnell zu sein.“ Schneller als bei seinen bisherigen Auftritten in diesem Jahr will auch Kazmirek laufen, sonst kann er sich wohl seine Medaillenträume früh abschminken.

Mit seinen knapp 8200 Punkten in Götzis und Ratingen empfahl sich der Neuwieder nicht eben machtvoll für eine Top-Platzierung. Doch dass zahlreiche Konkurrenten bessere Vorleistungen mitbringen, schreckt ihn nicht. „Ich kann nur meine eigene Leistung beeinflussen“, sagt er und verweist auf seine Erfahrung bei internationalen Wettkämpfen: „Es wird megaheiß sein und stressig wie bei allen Spielen. Der olympische Wettkampf ist ja nicht für die Athleten ausgelegt, da regieren stramme Zeitpläne und überkorrekte Ordner, die wenig Rücksicht auf das Befinden der Athleten nehmen.“ Wichtig ist, sich darüber nicht aufzuregen: „Ich kenne das ja, das wird nicht so schlimm. Ich freue mich drauf.“ Außerdem: „Bei Olympia und WM scheiden immer relativ viele Athleten aus. Mal sehen, wer am Ende übrig bleibt.“

Kai Kazmirek will auf jeden Fall durchhalten. Und dann, nach dem abschließenden 1500-Meter-Lauf am Donnerstag (gegen 15 Uhr unserer Zeit), wird man sehen, auf welchen Platz ihn Nervenstärke und Beständigkeit gebracht haben.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Kieffer