Archivierter Artikel vom 04.08.2021, 20:34 Uhr

Bitte mit Sinn modernisieren: Lukas Erbelding über den Wert der neuen Sportarten

Medaillengewinner im Alter von 12 oder 13 Jahren, keine feste Kleiderordnung, dazu eine ganze Menge englischer Fachbegriffe: Wer die Zeit hatte, sich bei den Spielen in Tokio etwas genauer den Skateboard-Wettbewerben zu widmen, wird festgestellt haben, dass das Treiben auf dem Rollbrett im ersten Moment nicht allzu viel mit dem herkömmlichen Olympia-Erlebnis zu tun hat. In Japan ist Skateboard zum ersten Mal Teil des Programms, was auch damit zu tun hat, dass die IOC-Macher um ihren Boss Thomas Bach alles daran setzen, in Zukunft ein jüngeres Publikum anzusprechen.

Von Lukas Erbelding
Lukas Erbelding
Lukas Erbelding
Foto: Jens Weber

Grundsätzlich ist es begrüßenswert, den Spielen mit der Aufnahme neuer Sportarten einen moderneren Anstrich zu verpassen. In einer von Dynamik und Schnelllebigkeit geprägten (Sport-)Welt ist Stillstand wahrlich kein guter Ratgeber, um die „Jugend der Welt“ für die eigene Sache zu begeistern. Ob es nun um Skateboard geht oder um andere Neuzugänge wie Sportklettern oder Surfen: Frische Ideen können helfen, die Olympia-Lust auch bei denjenigen zu wecken, die abseits von Leichtathletik und Reiten ihre sportliche Heimat gefunden haben.

Bei allen verheißungsvollen Öffnungsszenarien kommt es jedoch auf zwei Aspekte an: Gleichgewicht und Nachhaltigkeit. Auch die sogenannten traditionellen Sportarten sollten keineswegs in den Hintergrund geraten. Man erinnere sich nur an die Debatte im Jahr 2013, als plötzlich die Ringer um ihren olympischen Status zittern mussten – ein Umsturz, der (vorerst) abgewendet wurde.

Die Zauberformel lautet also, eine gute Balance zu finden, was unter anderem bedeutet, den Neuankömmlingen eine faire Chance zu geben. Damit tun sich die IOC-Oberen aber offensichtlich schwer. Beispiel gefällig? Base- und Softball gehörten von 1996 bis 2008 zum Programm, sind in diesem Jahr wieder olympisch, um 2024 erneut von der Bildfläche zu verschwinden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Skateboarder, Sportkletterer und Surfer ein wenig mehr Zeit bekommen, um sich in olympischen Gefilden zu etablieren.

E-Mail an den Autor: lukas.erbelding@rhein-zeitung.net