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Simmern

Absage: Warum der Hunsrück-Marathon ausfällt

Mirko Bernd

Seit 2001 gehört das letzte Augustwochenende dem Hunsrück-Marathon. Der Schinderhannes-Radweg zwischen Emmelshausen, Kastellaun und Simmern wurde seitdem von vielen Tausend Läufern, Skatern und Walkern unter die Füße genommen. Der Slogan „Im Schinder-hannesland, wo einst die Dampflok schnaufte“ wurde weit über die Grenzen des Hunsrücks bekannt, ein besonderer Landschaftslauf war geboren. 2018 wird alles anders sein, denn die größte Sportveranstaltung im Rhein-Hunsrück-Kreis wird nicht stattfinden (wir berichteten). Das hat vor allem einen Grund, wie der Laubacher „Macher“ Ottmar Berg vom Hunsrück-Marathon-Verein sagt: „Unser Verein ist einfach momentan nicht in der Lage, das zu schultern. Qualität und Niveau hätten wir nicht halten können – und gerade das war unser Anspruch. Getreu eines japanischen Sprichworts, das ich mir eingeprägt habe: Was nicht besser wird, bleibt nicht gut.“

Nur einmal musste Seriensieger Marco Diehl beim Hunsrück-Marathon aufgeben, im Jahr 2014 war das. Der Butzbacher gewann neunmal. Ob es ein zehntes Mal gibt?  Foto: hjs-Foto
Nur einmal musste Seriensieger Marco Diehl beim Hunsrück-Marathon aufgeben, im Jahr 2014 war das. Der Butzbacher gewann neunmal. Ob es ein zehntes Mal gibt?
Foto: hjs-Foto

Wie schwer diese Worte Berg über die Lippen kommen, kann man sich vorstellen. Ihm, der mit seinem Namen wie kein anderer für diese Veranstaltung steht. „Wir bekommen es als Verein einfach organisatorisch nicht mehr hin. Wir haben bis zur letzten Sekunde daran festgehalten und verschiedene Leute noch einmal gefragt. Es gibt im Verein nicht genug, die Verantwortung übernehmen“, sagt Berg. Gewünscht hätte er sich, dass Schlüsselpositionen nicht nur einfach besetzt sind, sondern alles auf mehrere Schultern verteilt wird.

Dass er zu viel an sich gerissen habe, sieht Berg nicht so. „Ich wollte ja Sachen abgeben, aber es hat sich niemand gefunden. Wie zum Beispiel in Kastellaun, wo der Halbmarathon startet. Dort hätte man jemand gebraucht, der sich um alles kümmert und guckt, ob alles läuft. Ich habe das dort aber auch 16 Jahre lang gemacht. Man kann nicht alles selbst machen, und ich will das auch gar nicht. Aber so geht es an die Substanz und da zerbricht man auch dran, wenn die Notwendigkeit nicht erkannt wird. Wir haben eine kritische Nachlese betrieben aus dem Vorjahr. Das kommt nicht überall gut an, aber es geht darum, Verantwortung zu übernehmen oder ein Amt. Ich muss dann deutlich sagen, was da hinten dran steckt. Und das ist schon schwierig.“ Und führte letztlich zur Absage. „Wir haben das im Vorstand dann schweren Herzens so entschieden“, berichtet Berg. Rund 100 Mitglieder hat der Hunsrück-Marathon-Verein, 2015 wechselten einige den Klub und schlossen sich der neu gegründeten LLG Hunsrück an. Das ging hinter den Kulissen nicht geräuschlos über die Bühne. Wie auch der eine oder andere Zwist im Laufe der Jahre schwelte, zum Beispiel beim Marathontor in Emmelshausen. Aber laut Berg sind das alles ebenso wenig Gründe für die nun getroffene Entscheidung wie die Konkurrenz durch den Koblenz-Marathon, der heuer wie bei seiner Premiere 2017 nur eine Woche nach dem Hunsrück-Marathon terminiert ist. „Dass wir am Sonntag beim Marathon einen ganzen Haufen Läufer weniger hatten, liegt natürlich an Koblenz, aber wir hatten trotzdem 2017 insgesamt mehr Teilnehmer als 2016. Dass es in Koblenz aber nur an diesem Wochenende gehen soll, darüber muss ich trotzdem lachen. Es ist kein Problem, wenn dort Sponsoren dahinter stehen, das ist alles okay. Aber von den Institutionen hätte ich mir schon gewünscht, dass sie den Zeitpunkt mehr hinterfragen“, erklärt Berg, betont aber nochmals: „Mit der Entscheidung hat es absolut nichts zu tun, die Gründe liegen bei uns.“

Es gibt viele andere Punkte, die Berg kritisch hinterfragt hat zuletzt, auch zum Thema Sicherheit. „Es hat immer alles geklappt, aber wir müssen uns 'von' schreiben, dass nie etwas passiert ist. Die Leute sehen immer nur, dass am Ende alles toll funktioniert hat. Und das ist ja auch gut so und soll so sein. Aber wir können nicht immer sagen: Auf ein Neues, es war doch alles gut. Das geht nicht mehr.“ Dass die Anforderungen umfangreich waren, ist keine Frage, allerdings konnte das trotzdem geschultert werden. „Die Zusammenarbeit mit Kreisverwaltung und Polizei war immer hervorragend“, unterstreicht Berg.

Dennoch gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Überlegungen, ob und wie es weitergeht. Sei es, als Berg gesundheitlich angeschlagen war. Oder nach der zehnten Auflage. „Wir haben uns jedes Jahr frisch hinterfragt. Wir hatten immer gesagt, die zehnte Auflage machen wir noch und dann schauen wir mal. Aber wir hatten Verträge bereits für die elfte und zwölfte Auflage, und die Unterstützung war auch immer da. Wir haben dann immer weitergemacht“, sagt Berg und schließt beim „wir“ seine Frau Rosi ausdrücklich mit ein, denn sie ist genauso ein wesentlicher Bestandteil der Erfolgsgeschichte Hunsrück-Marathon wie ihr Gatte.

2013 bekamen beide vom im Oktober 2017 viel zu früh verstorbenen Bucher Landtagspräsidenten Joachim Mertes, der 2001 bei der ersten Auflage selbst mitlief, die Landesverdienstmedaille überreicht. Auch das war für die Bergs Ansporn, weiter zu machen. Klaus Lotz, Präsident des Leichtathletik-Verbandes Rheinland, sagte damals: „Es sind die Ehrenamtlichen wie Roswitha und Ottmar Berg, die uns ermöglichen, im Rheinlandverband so erfolgreiche Veranstaltungen wie den Hunsrück-Marathon

durchzuführen.“ Natürlich ehrt einen das. Berg weiß aber sehr genau, dass der Hunsrück-Marathon von weitaus mehr Personen getragen wurde in all' den Jahren: „Die ganze Veranstaltung wurde ehrenamtlich organisiert. Aber jeder Ehrenamtler hat seine persönliche Grenze, die man akzeptieren muss. Ich bin wirklich jedem dankbar, der den Marathon viele Jahre oder auch nur in einem Jahr unterstützt hat. Auch unseren Sponsoren, die uns weiter unterstützen würden. Es war auch kein finanzielles Problem, wir können die Vorgaben erfüllen. Und wir hatten viele Helfer an der Strecke. Dörfer haben geholfen, die gar keinen Verein haben. Ich denke da zum Beispiel an Dudenroth, wo der jeweilige Bürgermeister das immer in die Hand genommen hat. Oder Hollnich, wo sich Feuerwehr und Sportverein immer abgewechselt haben. Es gibt so viele, viele gute Beispiele.“

Und es gibt sie natürlich, die vielen großen und kleinen Geschichten des Hunsrück-Marathons zwischen 2001 und 2017. Die von den ersten Siegern im Marathon, Ralf Klesius und Iris Walter. Die gebürtige Bucherin war insgesamt fünfmal erfolgreich, die Neuerkircherin Sabine Rech viermal. Oder die der letzten Sieger Thomas Wendling und Margit Klockner, die zum ersten Mal den Triumph in Simmern auf dem Schlossplatz feierten. Oder die von Rekordsieger Marco Diehl, der neunmal Schnellster über die 42,195 Kilometer war. Diehls zehnter Sieg wäre auch eine Geschichte gewesen, die Berg gerne erlebt hätte, weil zum Läufer aus dem hessischen Butzbach eine besondere Beziehung im Laufe der Jahre entstanden ist. Und es gab die unzähligen Geschichten vom Rand des Geschehens. Viele bunte Typen, sogar Pfarrer oder Frauen mit Kinderwagen liefen mit. Oder der „Running Gag“, dass das Sevenicher Lauf-Ass Christian Rötsch nach dem Halbmarathon immer noch Horn spielte mit dem Beltheimer Musikverein.

All' das war der Hunsrück-Marathon. Aber war es das auch mit dem Hunsrück-Marathon? Das ist die große Frage, die sich nun jeder stellt. Berg hofft, dass ein Ruck auch durch seinen Verein geht. „Ich habe zwar immer gesagt, dass ich danach nicht mehr zur Verfügung stehe, wenn der Marathon einmal ausfällt. Aber es hat immer die ganze Region hinten dran gestanden und unterm Strich alles gepasst. Man könnte das Ganze sicher noch einmal überdenken“, lässt er durchblicken, dass die Absage 2018 nicht das endgültige Aus bedeuten muss.

Von unserem Redakteur
Mirko Bernd

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