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Koblenz

Marathon in Koblenz: Sieger schleppt sich mit Krämpfen ins Ziel

Die Muskeln von Richard Schumacher brennen, seine Beine sind schwer. Immer wieder blickt er auf die Uhr. Dann nimmt er die letzten Meter in Angriff. Das Ziel bereits vor Augen setzt er zum Schlussspurt an. Sein Puls steigt. Noch 300 Meter. 200 Meter. 100 Meter. Geschafft. 42,195 Kilometer in zwei Stunden, 35 Minuten und 51 Sekunden.

Tolles Laufwetter, schöne Strecke, glückliche Gesichter – das alles gab's bei der zweiten Auflage des Koblenzer Marathons.
Tolles Laufwetter, schöne Strecke, glückliche Gesichter – das alles gab's bei der zweiten Auflage des Koblenzer Marathons.
Foto: Jörg Niebergall

Es ist 11.37 Uhr, als Schumacher die Ziellinie im Stadion Oberwerth überquert und damit den 2. Koblenzer Sparkassen-Marathon für sich entscheidet. Völlig erschöpft lässt er sich beglückwünschen, schüttelt Hände, gibt Interviews. „Solche Wadenkrämpfe hatte ich noch nie. Es war zum Schluss eine richtige Quälerei“, sagt Schumacher mit schmerzverzerrtem Gesicht, während nach und nach immer mehr Läufer das Ziel erreichen. Bei den Männern komplettieren Phil Lembach (2:52:07) und Borja Alcazar (2:56:48) das Podium, bei den Frauen siegt Lisa Mehl in 3:08:48 Stunden vor Diana Hellebrand (3:27:16) und Jolanta Drzewinska (3:34:40).

Für Rolf Breitbach aus Boppard geht es an diesem Tag weniger ums Gewinnen. „Hauptsache ankommen“, gibt er kurz vor dem Start zu Protokoll. Eine spezielle Taktik hat er sich nicht zurechtgelegt. „Ich laufe einfach nach Gefühl. In meinem Alter strebt man keine Bestzeit mehr an“, lacht der 62-Jährige. Dann fällt der Startschuss durch den Koblenzer Oberbürgermeister David Langner – und Breitbach bricht gemeinsam mit rund 2500 anderen Läufern auf.

Wie eine Raupe schiebt sich das Feld in rhythmischen Wellenbewegungen nach vorne. Nur 2,5 Kilometer weiter wartet auf die Läufer bereits die erste Verpflegungsstation. Hier am Kaiserin-Augusta-Denkmal werden die Teilnehmer auch auf Gebhard Wollinger treffen. Er gehört zu den insgesamt 300 ehrenamtlichen Helfern von 15 Vereinen, die an diesem Tag im Einsatz sind. Seit den frühen Morgenstunden ist Wollinger schon auf den Beinen. „Gegen sieben Uhr haben wir mit den Vorbereitungen begonnen“, berichtet er. Als das Feld den Stand des TuS Rhens passiert, geht alles ganz schnell. Plastikbecher für Plastikbecher drückt Wollinger den Läufern in die Hand, er reicht ihnen Bananen, feuert sie an. „Früher bin ich selbst Marathons gelaufen. Aber heute muss das nicht mehr sein“, winkt der 66-Jährige ab, während die Menge an ihm vorbeihetzt.

Am Kurfürstlichen Schloss angekommen, drehen die Athleten eine Runde durch den Schlosspark. Vorbei an den Cheerleadern der Coblenzer Turngesellschaft geht es für sie unterhalb der Seilbahn weiter in Richtung Deutsches Eck und anschließend entlang der Uferpromenade um den Moselbogen herum. Nach einem Abstecher am Statt-Strand und der Schleuse kehrt das Feld über die Balduinbrücke zurück in die Innenstadt, ehe es von dort aus wieder ins Stadion Oberwerth geht.

Dort ist Breitbach mittlerweile im Ziel angekommen. Er hat sich für den Halbmarathon entschieden und entsprechend nach der ersten Runde gefinisht. „Das reicht“, lacht Breitbach. Die knapp 21,1 Kilometer lange und vom Deutschen Leichtathletikverband zertifizierte Strecke ist er in 2:18:47 Stunden gelaufen. Halbmarathon-Sieger Semere Fsehatsion hat ungefähr die Hälfte der Zeit gebraucht und sich in 1:10:55 Stunden den Titel gesichert. Für manch anderen Teilnehmer läuft es im wahrsten Sinne des Wortes weniger gut. Blasen an den Füßen und schmerzende Kniegelenke hindern sie am Weiterlaufen. Die Schirmmütze hängt im Gesicht, Tränen fließen die roten Wangen entlang. Von Krämpfen geplagt kehren sie um und müssen den Traum von einer persönlichen Bestzeit begraben.

Ans Aufgeben verschwendet Alexander Laas keinen Gedanken, auch wenn er sich relativ weit hinten befindet. Den durchtrainierten Läufer mit dem gelben Luftballon hat er längst aus den Augen verloren. Die sogenannten Pacemaker, also Tempomacher, dienen all jenen als Orientierung, die zwischen 4:00 und 4:30 Stunden finishen wollen. Von einer solchen Zeit ist Laas weit entfernt. Er hat in diesem Moment nur ein Ziel: irgendwie ankommen. Zu langsam darf er dabei aber auch nicht sein, denn es gilt ein Zeitlimit von sechs Stunden. Braucht er länger, fällt er aus der Wertung und wird vom Besenwagen mitgenommen, der die Läufer am Ende des Feldes einsammelt.

Seit fast fünfeinhalb Stunden quält sich Laas nun schon durch Koblenz. Das Laufshirt durchnässt, der Blick fokussiert, alle paar Schritte ein Atemzug. Mit zusammengebissenen Zähnen nähert er sich allmählich dem Stadion Oberwerth. Dort, wo Marathonsieger Schumacher vor knapp drei Stunden unter lautem Jubel die Ziellinie überquert hat, ist es inzwischen bedeutend ruhiger geworden. Ein paar wenige Familienangehörige und Freunde sind noch da, als sich die letzten Nachzügler völlig entkräftet ins Ziel schleppen. Auch Laas biegt in diesem Augenblick für die Schlussrunde ins Stadion ein. Wie tausendfach zuvor an diesem Tag heißt es nun auch für ihn: Noch 300 Meter. 200 Meter. 100 Meter. Geschafft.

Von unserem Mitarbeiter

Dennis Smandzich

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