Claire Schönborn im Interview
„Kämpfe dafür, dass die unglaubliche Reise weitergeht“
Die Rallye-Pilotin Claire Schönborn (rechts) aus Löffelscheid freut sich auf die kommenden Herausforderungen an der Seite von Co-Pilot Michael Wenzel.
Björn-Lars Blank

Die Rallye-Pilotin Claire Schönborn aus Löffelscheid hat ein tolles Jahr hinter und noch eine große Herausforderung vor sich in 2025. 

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Seit ziemlich genau einem Jahr sitzt Claire Schönborn aus Löffelscheid nun hinter dem Rallye-Steuer und nimmt als offizielle Fahrerin des WRC Young Driver Teams an der Junior-WM 2025 (JWRC) teil. In einem Interview spricht die 26-jährige Ingenieurin über ihren kometenhaften Aufstieg in die Rallye-Weltmeisterschaft, die besonderen Herausforderungen in den vergangenen Monaten und ihre Ziele.

Frau Schönborn, wo stören wir Sie gerade?

Nach der Arbeit war ich noch kurz joggen und werde mir jetzt gleich noch eine Stunde einige Strecken der Central European Rallye (CER), dem finalen Lauf vom 16. bis 19. Oktober zur Junior-WM rund um Passau auf meinem Laptop anschauen, bevor ich ins Bett gehe. Ich bin kein Profi, es gilt also meinen Beruf und meine Berufung unter einen Hut zu bringen.

Wie groß ist diese Herausforderung?

Um ehrlich zu sein, brutal. Ich bin als Gewinnerin des weltweiten Förderprogramms des WRC-Promoters „Beyond Rally Women’s Driver Development“ von Schweden nach Hause geflogen, alle haben sich für mich gefreut und am nächsten Tag war ich wieder arbeiten. Rallye-Fahren, gerade auf diesem Level, ist eigentlich ein Vollzeitjob. Es ist unglaublich, welche Vielseitigkeit in der Rallye-WM gefragt ist. So bin erst im Mai, zwei Wochen vor der Rallye Portugal erstmals auf Schotter gefahren. Ich bringe mich voll ein, versuche möglichst schnell möglichst viel zu lernen und kämpfe um jede Gelegenheit hinter einem Rallye-Steuer zu sitzen. Alle meine Konkurrenten haben deutlich mehr Erfahrungen und Rallyes bestritten. Aber das schreckt mich nicht ab. Mir fehlt die Erfahrung, Erfahrung und noch mehr Erfahrung. In der Rallye-WM ist nichts so wichtig wie das.

Wie schwierig ist es, mehr Erfahrung zu sammeln, und wie versuchen Sie sich zu verbessern?

Ich denke, dass ich schon wegen meines Berufs als Ingenieurin im Fahrversuch, ein gutes Grundgefühl für das Auto- und auch das Rallye-Fahren habe. Aber drumherum ist nahezu alles neu für mich, angefangen von der Zusammenarbeit mit einem Co-Piloten, dem Erstellen der Streckennotizen, bis hin zu den Details bei der Fahrwerksabstimmung, der optimalen Reifenwahl und so weiter. Ich bin vor ziemlich genau einem Jahr meine allererste Rallye gefahren und vor meinem ersten WM-Lauf bei der Central European Rallye nur zwei kleineren Rallyes und das mit unterschiedlichen Beifahrerinnen auf völlig verschiedenen Autos. Dass ich bei meinem WM-Debüt zeigen konnte, was in mir steckt und mich gegen zwei Fahrerinnen mit deutlich mehr Rallye-Erfahrung behaupten konnte, war schon ein kleiner Traum. Seither habe ich sehr viel dazugelernt und werde weiter alles dafür tun, dass ich besser und schneller werde.

Wie wird man besser?

Das geht bei der Ernährung und der Fitness los. Bei Letzterem habe ich in den vergangenen Monaten sowohl bei der Ausdauer, der Kraft und auch der Koordination ordentlich zugelegt. Des Weiteren habe meine Augen messen lassen und trage, vor allem beim Fahren, wie übrigens viele Top-Piloten, eine Brille. Hinzu kommt spezielles Seh- und kognitives Reaktionstraining. Es gibt viele Bereiche, in denen man sich verbessern kann, aber ganz oben steht natürlich die speziellen Anforderungen eines Rallyefahrers. Oft sitze ich zu Hause an meinem Simulator oder arbeite an meinen Streckennotizen. Noch sind wir keine Profis, es ist also noch nicht so, dass ich mich einfach in ein Rallye-Auto setzen und trainieren kann.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihrem Co-Piloten Michael Wenzel?

Mit Michael habe ich einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Seine Erfahrung ist Gold wert. Klar, er sitzt nicht am Steuer, in dieser Hinsicht will und muss ich mich selbst weiterentwickeln. Aber seine enorme Erfahrung als Beifahrer angefangen bei den Streckennotizen, über die ganzen organisatorischen Dingen vor und während einer Rallye, sein Input bei den Themen Ernährung und Fitness und dazu, wie man eine Rallye taktisch angeht – das sind alles Aspekte, die mich mit seiner Erfahrung wesentlich nach vorne gebracht haben.

Für den finalen Lauf in der Junior-WM kehren Sie zur Central European Rallye (CER) vom 16. bis 19. Oktober zurück. Was haben Sie sich rund um Passau vorgenommen?

Ich verspüre einen positiven Druck. Auch weil es die erste Asphalt-Rallye seit der Central European Rallye im vergangenen Jahr ist. Aber als Bergrennfahrerin und Fahrinstruktorin auf der Nürburgring-Nordschleife taugen mir Asphaltpisten, da komme ich her und das kommt mir hoffentlich auch entgegen. Auf der anderen Seite haben meine direkten Konkurrenten einen enormen Erfahrungsvorsprung – deshalb wäre ein Platz im vorderen Mittelfeld ein großer Erfolg. Bei der CER will ich zeigen, dass so jemand wie ich das kann. Ich will einfach begeistern, die Fans an der Strecke, meine Unterstützer, Familie und mich selbst. Ja, ich liebe das Rallye-Fahren, will weitermachen und es auch weit bringen. Ich hatte bisher nur einen Plan A und dabei bleibt es. Ich kämpfe dafür, dass diese unglaubliche Reise weitergeht.

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