East Rutherford (dpa) - Erling Haaland gab beim längst zum WM-Kult gewordenen Ruder-Jubel-Ritual in New Jersey den Takt vor, in der Heimat nahm selbst Kronprinz Haakon diesen auf und ruderte in Oslo mit tausenden feiernden Landsleuten mit. Nach dem 2:1 (0:0) im Achtelfinale gegen den fünfmaligen Fußball-Weltmeister Brasilien gab es bei den Norwegern kein Halten mehr. In der Kabine fielen Haakons Kinder Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus dem halbnackten Matchwinner Haaland überglücklich in die Arme.
Der kantige Stürmerstar wurde nach dem historischen WM-Coup der Skandinavier von seinen Gefühlen regelrecht übermannt. «Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas erleben würde. Es ist surreal, bei einer Weltmeisterschaft gegen die besten Spieler der Welt anzutreten», sagte Haaland nach dem ersten Viertelfinal-Einzug Norwegens bei einer Fußball-WM überhaupt. Mit seinem Doppelpack war er mal wieder der Matchwinner.
Haaland: «28 Jahre zu warten, waren es wert»
«28 Jahre zu warten, waren es wert», postete Haaland später bei X und spielte damit auf die zuvor letzte WM-Teilnahme seines Landes 1998 in Frankreich an. Damals war Haaland noch gar nicht geboren.
«Haalelujaaaaaaaaaa!!! Wir schlagen Brasilien!», titelte die norwegische Zeitung «Aftenposten» und für «VG» war es schlicht «ein Wunder». Europaweit wurde insbesondere dem «Wikinger der Superlative» («Mundo Deportivo») Haaland gehuldigt. «Haaland ist größer als Brasilien!», urteilte die italienische «Gazzetta dello Sport», Spaniens Sportzeitung «AS» schrieb «Haaland verschlingt Brasilien» und «Marca» meinte: «Ein Cyborg vernichtet Brasilien».
Der Superstürmer blieb nach seinen WM-Toren sechs und sieben aber ganz demütig. «Schon die Teilnahme ist etwas Besonderes. Aber für Norwegen bei einer Weltmeisterschaft sieben Tore zu erzielen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Es fühlt sich unwirklich an», meinte Haaland. «Ich finde keine Worte für meine Gefühle. Manchmal muss ich mich kneifen, wie groß das alles wirklich ist.»
Brasiliens Vinícius Júnior gratuliert fair
62 Tore in 54 Länderspielen hat der frühere Bundesliga-Profi von Borussia Dortmund inzwischen schon erzielt. Allein sieben davon bei dieser WM. Für Manchester City trifft Haaland bereits seit Jahren wie am Fließband. Doch so eine Topform hatte der 25-Jährige von sich und seinem Team beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko offensichtlich nicht erwartet.
Er sei nie davon ausgegangen, Brasilien bei einer WM bezwingen zu können, erklärte Haaland. «Seien wir ehrlich. Ich dachte lange, so etwas sei unmöglich. Aber offenbar habe ich mich geirrt.» Er sei so stolz, sagte Haaland. Die Mannschaft verändere gerade das Bild des Landes, meinte der Angreifer. Man spiele immer mutiger und besser. Die Leistung gegen den Rekordweltmeister in East Rutherford habe gezeigt, dass Norwegen ein fantastisches Team habe.
Das musste auch Vinícius Júnior anerkennen. Brasiliens Topstürmer reichte Haaland fair die Hand und umarmte ihn, als er nach dem Spiel durch die Interview-Zone Richtung Bus lief. Raus aus dem Stadion, in dem am 19. Juli das Finale stattfindet. Womöglich mit Norwegen? «Das ist vielleicht ein Stück norwegische Geschichte», sagte Haaland. «Aber ich hoffe, dass es weitergeht.» Mindestens ein Kapitel gibt es noch: Am Samstag in Miami gegen England im Viertelfinale.
© dpa-infocom, dpa:260706-930-339168/2
