Atlanta (dpa) – Nach einem Ruhetag geht die wilde WM-Fahrt am Donnerstag mit dem Viertelfinale weiter. Trotz deutscher Abwesenheit läuft der Fernseher weiterhin auf Hochtouren und so ganz neutral kann niemand Fußball schauen. Wem man jetzt und warum die Daumen drücken könnte:
Frankreich
Das Team der Emotionen! Die Mama des Trainers stirbt, Gegner Paraguay versucht es im Achtelfinale sogar mit Faustschlägen, Superstar Kylian Mbappé wird aufs Übelste rassistisch beleidigt – und dennoch spielen sie den bisher besten Fußball dieser WM. Mon dieu! Wird Frankreich Weltmeister, werden wohl selbst bei General Deschamps Tränen fließen. Es wird sein letztes Spiel als Nationaltrainer.
Marokko
Waka Waka, this time for Africa! Was Shakira vor 16 Jahren schon leidenschaftlich aus Stimmbändern und Hüften schüttelte, soll endlich Wirklichkeit werden. Der erste Weltmeister aus Afrika! Unmöglich? In Marokko glauben sie fest an den Titel, schließlich war man vor vier Jahren als Halbfinalist nicht weit weg. Und wenn Sie ebenfalls ein Freund von (Fußball)-Wundern sind, sind die Nordafrikaner Ihre Mannschaft.
Spanien
Ein Glas L'Ermita aus dem Jahr 2011, ein wenig Queso Manchego und dazu der Fußball von Luis de la Fuente. Die Spanier, ja, das ist was für Feinschmecker. Unbezwungen in der mühelos agierenden Abwehr, elegant und passscharf im Mittelfeld, aufregend wie das ganz, ganz sicher auf jeden Fall im November erscheinende GTA VI im Angriff. Spanien ist nicht mehr La furia roja, die rote Furie. Spanien ist El placer rojo, der rote Genuss.
Belgien
Für alle, die sich gern über «die da oben» aufregen, ist Belgien genau die richtige Mannschaft. Schließlich haben sie für Gerechtigkeit gesorgt! Als es recht zeitnah, aber natürlich völlig zusammenhangslos nach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino keine Rot-Sperre für US-Stürmer Balogun gab, ballerte Belgien die Amis mit 4:1 aus dem Turnier und sorgte für Ruhe.
Norwegen
Erling Haaland und Co. haben nicht nur die schönsten Trikots. Nein, auch der Ruder-Jubel ist eine virale Sensation. Da macht sogar der Kronprinz mit. Haakon saß inmitten von Tausenden Landsleuten, die in der Karl Johans Gate praktisch vor seiner Haustür Platz nahmen und ru-ru-ruderten. Für den nächsten Teil der Kahnfahrt reist Haakon sogar höchstselbst über den großen Teich. Vermutlich per Flugzeug.
England
Ihre erste Platte war «Definitely Maybe»? Liverpool hat Sie schon immer mehr begeistert als Leverkusen? Dann ist England Ihr Team. Wer bei der Wonderwall-Show zwischen den englischen Fans und ihrer Mannschaft nach den Spielen keine Gänsehaut bekommt, hat den Fußball ohnehin nie geliebt – oder wurde in diesem Jahrtausend geboren. Egal, denn it's coming home.
Argentinien
Der Titelverteidiger ist die Mannschaft für alle Hobby-Kicker. Denn Lionel Messi schafft es tatsächlich, mit seiner Laufleistung eine Art Kreisliga-Niveau in diese WM zu bringen. Wenn auf dem Sportplatz anerkennend «der hat mal höher gespielt» getuschelt wird und der Altmeister trotz arg begrenztem Bewegungsradius mal wieder drei Buden macht – dann kommt das Messi-Feeling auf. Vamos!
Schweiz
DIE logische Alternative für alle Deutschland-Fans. Die Sprache ist halbwegs zu verstehen und mehr als die halbe Mannschaft kennt man aus der Bundesliga. Und sie können, verdammt nochmal, sogar Elfmeterschießen! Die Schweiz ist mehr als Super-G und Curling, mehr als DJ Bobo und Wilhelm Tell. Diese Schweiz ist Fußball!
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