Archivierter Artikel vom 05.02.2011, 19:30 Uhr
Mainz

Mainz 05 kassiert in letzter Sekunde das 1:1 gegen Werder

Es war haarscharf. Aber kurz vor Schluss haben die Mainzer im Heimspiel gegen Werder Bremen den Ausgleich durch Pizarro hinnehmen müssen. Schürrle hatte 05 in der 19. Minute in Führung geschossen.

André Schürrle.
André Schürrle.
Foto: Bernd Eßling

Mainz – Mainz 05, hieß es vor ein paar Tagen, sei die letzte europäische Topmannschaft, die in der laufenden Saison noch ohne Unentschieden sei.

Das klingt auch jetzt noch gut, nur stimmt es nicht mehr. Nach dem 1:1 (1:0) gegen Werder Bremen (Tore: André Schürrle nach 19 Minuten und Claudio Pizarro in der Nachspielzeit) ist diese Null weg. Die Sache mit der „Topmannschaft“ stimmt hingegen immer noch.

Fast zwei Drittel der Saison sind gespielt und die 05er stehen schon wieder auf einem Platz der Tabelle, der im Mai den europäischen Wettbewerb garantieren und Hoffnung auf die Champions League erlauben wird. Man mag sich aber kaum ausmalen, wo diese Mannschaft stehen könnte, wenn sie nicht ständig Punkte liegen lassen würde. Der 14-Punkte-Vorsprung der Dortmunder müsste nicht so komfortabel sein.

Eigentlich machten die 05er gegen Werder Bremen 90 Minuten lang nahezu alles richtig. Defensiv sowieso. Nikolce Noveski hatte ohne sichtbaren Aufwand den Laden absolut im Griff. Was Radoslav Zabavník mit dem zur Halbzeit eingewechselten Marko Arnautovic anstellte, war überragend. Im Aufbau, in der Offensive: Acht dicke Chancen hatten die 05er, ehe die Bremer in der 74. Minute zum ersten Mal aufs Tor schossen.

Eine davon nutzte André Schürrle zum herrlichen Führungstor: Einwurf von Christian Fuchs, verlängert von Lewis Holtby, weitergeleitet von Sami Allagui, Schürrle war frei vorm Tor und traf. Andreas Ivanschitz hätte nach Holtbys Traumpass erhöhen können. Sein Kunstschuss, der oben im langen Eck landen sollte, war etwas zu hoch angesetzt. 11:3 lautete das Chancenverhältnis am Ende, 1:1 aber das Ergebnis.

„Das ist offensichtlich“, haderte 05-Trainer Thomas Tuchel. „Mit viel Aufwand haben wir viele Möglichkeiten geschaffen. Was wir beeinflussen konnten, haben wir beeinflusst. Umso bitterer fühlt sich unser erstes Unentschieden an.“

Völlig unverdient ist das Ergebnis für die Bremer nicht, auch wenn sie teils erschütternd derangiert aufgetreten waren. Nach 13 Minuten hätte Marko Marin gern einen Elfmeter bekommen, der nicht ganz unberechtigt gewesen wäre. In den letzten 25, 30 Minuten rafften die Gäste sich noch einmal zu einer bissigen Schlussoffensive auf. Damit provozierten sie den klassischen Mainzer Fehler, sich zu sehr in die Abwehr drängen zu lassen.

Entlastungsangriffe gab es. Bremens Ersatztorwart Sebastian Mielitz hielt einen Flatterball von Marco Caligiuri (56.), einen Freistoß von Christian Fuchs (76.) und einen gefährlich abgefälschten Schürrle-Aufsetzer (78.), warf sich dann Schürrle im entscheidenden Moment vor die Füße (82.) und ermöglichte so erst den Ausgleich.

An jenem sind die Mainzer nicht unschuldig. Locker hätten sie den Sieg nach Hause bringen können. Zweimal gaben sie in der zwei Minuten kurzen Nachspielzeit den Ball zu leicht her; einmal an der Bremer Eckfahne, einmal durch einen langen Ball in die Bremer Hälfte, der weder zu einem Mitspieler noch ins Leere ging.

Gegen die etwas unsortierte Abwehr flog nach 91 Minuten und 40 Sekunden ein letzter Ball in den 05-Strafraum. Per Mertesacker war irgendwie dran, Pizarro war irgendwie dran. Jener hatte im Mittelfeld einige Arbeit erledigt, war vor dem Tor aber noch überhaupt nicht aufgetaucht. Aber er zeigte doch, dass er ein Stürmer von gehobenem Niveau ist. Pizarros Abschluss war sehenswert: 1:1. Und Schiedsrichter Markus Schmidt pfiff das Spiel nicht mehr an.

„Bis zur letzten Sekunde sind wir ruhig geblieben“, lobte Bremens Trainer Thomas Schaaf sein Team. Hätten die Bremer verloren, stünden sie jetzt auf einem Relegationsplatz. Christian Karn