Nach 45 Jahren
Rodel-Rente für Ikone Hackl: «Der Größte geht»
Rodeln: Weltcup in Altenberg
Georg Hackl, genannt Hackl Schorsch, Technik-Trainer von Österreich, verfolgt den Lauf. Nach dem Weltcup-Finale geht er in die Rodel-Rente.
Robert Michael. DPA

Seine Schulter schmerzt noch, doch den Abschied nach 45 Jahren kostet Rodel-Ikone Hackl voll aus. Kopfschmerzen bekommt er nur, wenn er an die Heimbahn denkt. Und ein Ziel hat er im Winter noch.

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Altenberg (dpa) – Georg Hackl genießt die Sonnenstrahlen, denn so kann er seine Schmerzen etwas verdrängen. Der Sturz aus zwei Metern Höhe kopfüber bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo, bei dem er sich die Schulter ausgekugelt hatte, ist noch nicht auskuriert. «Ich bin noch krankgeschrieben, daher kann ich es hier in vollen Zügen genießen», sagte der 59 Jahre alte Berchtesgadener, der nun in Rodel-Rente geht.

Das Weltcup-Finale im sächsischen Altenberg war seine letzte Rodel-Reise. «Ich bin jetzt über 45 Jahre jeden Winter unterwegs, jedes Wochenende irgendwo an einer Rodelbahn und nie zu Hause. So habe ich einen Großteil meines Lebens verbracht», sagte der von allen nur «Hackl Schorsch» gerufene Bayer: «Jetzt möchte ich noch ein bisschen mehr Zeit für mich haben im Winter.»

Ski statt Schienen

Statt Schienen bei den Schlitten zu schleifen und zu polieren, geht es auf Skiern weiter. «Ein Ziel für mich ist die Jahreskarte in der Skiwelt Amadé, die muss sich für mich lohnen im nächsten Winter. Noch kann ich den Skistock nicht richtig halten», sagte Hackl der Deutschen Presse-Agentur.

Seit 2022 ist er für den österreichischen Verband unterwegs. «Es war eine tolle Erfahrung, weil mich das auch von Anfang an gereizt hat. Es war eine superschöne Zeit, weil die alle an einem Strang ziehen, alle super zusammenarbeiten», meinte der mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen erfolgreichste Einzel-Rodler der olympischen Geschichte und lobte die «gute Stimmung» in der Mannschaft. «Wenn du dich hier so bewegst mit österreichischem Anorak, da ist alles immer so positiv», sagte Hackl.

Die Bahn-Reparatur in Königssee «ist so unfassbar»

Kopfschmerzen bekommt er, wenn er an seine Heimat in Berchtesgaden und die teilweise zerstörte Bahn am Königssee denkt. «Das ist so unfassbar. Die Italiener bauen in einem Jahr eine ganze Bahn. Und Deutschland schafft es nicht, in fünf Jahren zwei Kurven, die da kaputt waren, zu reparieren», sagte Hackl.

Die Olympia-Bahn in Cortina d'Ampezzo war in Rekordzeit komplett neu geplant und errichtet worden. Der Wiederaufbau der Bob- und Rodelbahn am Königssee, die im Juli 2021 durch Überschwemmungen massiv beschädigt wurde, könnte hingegen noch Jahre dauern.

Rückblickend auf seine Rodel-Karriere habe er so viele Höhen und Tiefen erlebt, dass er keine Besonderheiten hervorheben möchte. «Nur mit der Trainingsgruppe Sonnenschein gab es Riesen-Erfolge. Das kann man überhaupt nicht toppen», meinte er mit Blick auf die Erfolge von den Rekord-Olympiasiegern Tobias Wendl und Tobias Arlt sowie Natalie Geisenberger und Felix Loch. «Und jetzt die Zeit in Österreich, das war nochmal ein wirklich schöner Abschluss. Alles super für mich, bis auf meine Schulterverletzung», sagte Hackl, der zu seinem Abschiedsabend in Altenberg auch den deutschen Bundestrainer Patric Leitner eingeladen hatte.

Schwab: «Eine der Größten, wenn nicht sogar der Größte»

Für den Vorstandsvorsitzenden des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), Thomas Schwab, wird Hackl eine große Lücke im Rodelsport hinterlassen. «Er wird dem Rodelsport fehlen. Es geht der einer der Größten, wenn nicht sogar der Größte», sagte Schwab und schob leise nach: «Uns hat es ja schon vor vier Jahren verlassen.»

Doch Schwab, der selbst mit Hackl noch zusammen gerodelt ist und jahrelang sein Cheftrainer war, glaubt noch an eine Mini-Rückkehr. «Ich hab' schon mit ihm gesprochen, wenn die Bahn wieder steht bei uns, dann wird er sicher seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben», sagte er.

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