Olympische Winterspiele
Lochner siegt auch im Viererbob - «Moment für die Ewigkeit»
Olympische Winterspiele 2026
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Robert Michael. DPA

Johannes Lochners letzter Tanz endet wie im Traum. Der ewige Zweite ist plötzlich der Gold-Hansi. Mehr geht nicht für den kommenden Bob-Pensionär. Hört auch sein Dauerrivale Friedrich auf?

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Cortina d'Ampezzo (dpa) - Fast märchenhafter Abschluss im Eiskanal: Mit Doppel-Olympiasieger Johannes Lochner als großem Triumphator haben die deutschen Viererbobs am Finaltag der Olympischen Winterspiele in Cortina d'Ampezzo einen Doppelerfolg gefeiert. Der 35 Jahre alte Berchtesgadener verwies mit seiner Crew Thorsten Margis, Jörn Wenzel und Georg Fleischhauer den viermaligen Olympiasieger Francesco Friedrich aus Pirna mit 0,57 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei. Im Ziel umarmten sich die beiden Dauerrivalen herzlich.

Adam Ammour von Eintracht Frankfurt verlor im vierten Lauf noch Bronze an den Schweizer Michael Vogt. Mit 0,04 Sekunden Rückstand belegte er Platz vier und wurde von seinem Bruder Issam in den Arm genommen und getröstet.

Jubel mit deutschen Fahnenträgern

So einen letzten Tanz hatte sich Lochner nur in seinen kühnsten Träumen ausgemalt. «Unglaublich, dass ein Plan nochmal so aufgeht bei meiner letzten Fuhre. Das kann ich jetzt überhaupt noch nicht glauben und es wird ewig dauern, bis ich das realisiere. Es ist einfach so ein Traum, der sich seit zwei Jahren in meinem Kopf abgespielt hat. Dass er jetzt wahr ist - unbeschreiblich. Das ist ein Moment für die Ewigkeit», sagte Lochner, der seine Karriere beendet. «Das ist der perfekteste Abschluss überhaupt.»

Der bei EM, WM und Olympia bislang 16 Mal als Zweiter angekommene Bayer hat zum Ende seiner 15-jährigen Karriere einen goldenen Schlusspunkt gesetzt. «Gold-Hansi» konnte sein Glück nicht fassen, flippte mit seinen Anschiebern vor Freunde aus. Mit dabei waren auch die erfolgreichsten Rodler Tobias Wendl und Tobias Arlt, die am Abend bei der Abschlussfeier in Verona die deutsche Fahne tragen sollten.

Traumbilanz von Peking noch übertroffen

Laura Nolte und Deborah Levi hatten am Abend zuvor mit dem Sieg im Zweierbob wieder die Goldspur gelegt. Mit dem Silber von Lisa Buckwitz und Neele Schuten hatte der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) die Medaillen 16 und 17 geholt. Damit wurde die Traumbilanz von Peking 2022 mit 16 Medaillen schon vor dem Viererbob-Rennen mit zwei weiteren Plaketten übertroffen.

«Wir hatten ja gesagt, es sei vermessen, diese Bilanz noch zu überbieten. Nun haben wir es doch geschafft. Es ist unglaublich, was unsere Sportlerinnen und Sportler hier geleistet haben», sagte BSD-Vorstandschef Thomas Schwab, der Sportarten übergreifend vom Rodeln über Skeleton bis hin zu Bob in jedem Rennen mindestens eine Medaille feiern konnte.

Auch Startrekord reicht Friedrich nicht

Lochner zauberte mit Startnummer eins gleich Start- und Bahnrekord ins Eis. Friedrich war zwar im zweiten Durchgang am Start noch schneller, verlor dennoch insgesamt weitere vier Hundertstelsekunden. «Wir haben zu viele Fehler im ersten Lauf gemacht», sagte Friedrich. Im zweiten Lauf war sogar Ammour, der die vergangenen zwei Rennen im Weltcup gewann, eine Hundertstelsekunde schneller als er.

Im dritten Lauf fuhr auch Lochner nicht fehlerfrei und öffnete nochmal die Tür. Friedrich war erneut am Start besser, aber nicht mit seiner Fahrlinie im Cortina Sliding Centre. So vergrößerte Lochner mit einem «Sicherheitslauf», so Bundestrainer René Spies, den Vorsprung sogar noch und machte im letzten Lauf den Sieg perfekt.

Lochner und Margis schreiben Bob-Geschichte

Mit dem Double im Zweier- und Viererbob hat Lochner ein kleines Kapitel in der 94-jährigen Bob-Historie geschrieben. Denn er ist weltweit der siebte Bobpilot, der das schaffte. Das Kunststück gelang zuvor auch Andreas Ostler (1952), Eugenio Monti (1968), Meinhard Nehmer (1976), Wolfgang Hoppe (1984), André Lange (2006) und Francesco Friedrich (2018 und 2022). «Damit ist er zum Abschluss seiner Karriere in der Gilde der ganz Großen in diesem Sport angekommen», sagte Cheftrainer Spies. 

Zugleich hat Lochner seinen neuen Anschieber Margis zum erfolgreichsten Bobfahrer bei Olympia gemacht. Denn fünf Olympiasiege hat noch kein Athlet im Boblager geschafft. Damit überholte Margis, der allein vier Goldmedaillen mit seinem ehemaligen Piloten Friedrich eingefahren hat, sogar seinen Ex-Chef. Dieser hat nun mit zweimal Silber und seinen zuvor vier Siegen mit Ex-Anschieber Kevin Kuske gleichgezogen. 

Vor zwei Jahren hatte Margis seine Karriere eigentlich schon beendet. Dann gab er sein Comeback bei Lochner - ganz zum Unmut seinen langjährigen Chefs Friedrich. Dieser grübelt nun selbst über seine Zukunft. Der Familienrat tagt in Kürze im sächsischen Pirna. Es wird nach dpa-Informationen erwartet, dass er mindestens noch ein Jahr weitermacht - bis zur WM im Februar in Lillehammer. 

Gold-Hansi will endlich feiern: «Das deutsche Haus brennt» 

Nach dem Sieg im kleinen Schlitten war der Ur-Bayer Lochner schon grantig, weil der Zeitplan keine Gold-Feiern zugelassen hatte. Das will er jetzt mit rund 50 Freunden nachholen. «Das deutsche Haus brennt», kündigte er an. «Es sind so viele Leute da. In Korea und China haben wir das Vergnügen ja nicht gehabt. Jetzt ist es quasi vor der Haustür», meinte «Gold-Hansi», dessen Frau Hannah die Triumphfahrt an der Bahn verpasste, weil sie sich um Söhnchen Jonas kümmern musste.

© dpa-infocom, dpa:260222-930-719563/4

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