Spanien-Rundfahrt
Nächste deutsche Rad-Hoffnung? – Brenner feiert Vuelta-Coup
Marco Brenner
Marco Brenner gewinnt erstmals eine Etappe bei der Vuelta. (Archivbild)
Bernd Weißbrod. DPA

Schon mit 18 Jahren kam er in die World Tour und galt als deutsches Supertalent. Doch die Karriere stockte. Mit etwas Verspätung startet der gebürtige Augsburger jetzt durch.

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Sierra de la Pandera (dpa) – Routiniert stand Marco Brenner mit einer Flasche Sekt beim Abendessen und hielt eine Rede an das gesamte Team. Auch diesen Part meisterte der deutsche Youngster mit Bravour, dabei hat er darin noch gar keine große Erfahrung. Schließlich hatte er wenige Stunden zuvor gerade seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour geholt. Der 24-Jährige gewann bei der Vuelta die Bergankunft in Sierra de la Pandera – und sorgte für den ersten deutschen Sieg seit Lennard Kämna vor drei Jahren.

«Man lebt für Tage wie diesen. Es gibt nicht viele Radsportler, die bei einer großen Rundfahrt eine Etappe gewinnen», sagte Brenner und betonte: «Ich habe immer gewusst, dass, wenn alle Dinge gut zusammenkommen, ich auch gute Resultate erzielen kann.»

Auf der 14. Etappe fügte sich für den gebürtigen Augsburger endlich alles zusammen. In einer großen Ausreißergruppe war er unterwegs, am Schlussanstieg spielte er dann seine Kletterqualitäten aus und gewann schließlich den Bergaufsprint gegen den Kolumbianer Santiago Buitrago.

Supertalent mit Anlaufschwierigkeiten

Ein Sieg, der ihm schon vor Jahren von den Experten prophezeit worden war. Mit 18 kam er in die World Tour und unterschrieb seinen ersten Profivertrag bei DSM. Er galt als das neue Supertalent, der neue Jan Ullrich. Mit einer Größe von 1,81 Metern und einem Gewicht von 59 Kilogramm brachte er beste Maße mit. Im Nachwuchsbereich hatte er schon zahlreiche Meistertitel im Zeitfahren und auf der Straße geholt. Womöglich kam der Sprung zu den Profis aber etwas zu früh.

Erst mit seinem Wechsel 2024 zum Tudor-Team unter der Regie des früheren Klassiker-Königs Fabian Cancellara nahm seine Karriere Fahrt auf. Im selben Jahr gewann er in Bad Dürrheim die deutsche Meisterschaft, als er am letzten Anstieg einem gewissen Florian Lipowitz davonfuhr.

Schwerer Sturz beim Giro 2025

Doch der inzwischen in Salzburg lebende Brenner wurde immer wieder zurückgeworfen. 2025 stürzte er beim Giro d'Italia schwer, als er über die Leitplanke ging, eine Schulterverletzung und eine tiefe Schürfwunde erlitt. Der Sturz hatte Spuren hinterlassen, auch mental.

Ähnlich glich seine bisherige Vuelta einer Achterbahnfahrt. Mit großen Ambitionen nach seinem Gesamtsieg bei der Polen-Rundfahrt angereist, lief erst einmal alles schief. «Ich hatte gesundheitliche Probleme in der ersten Woche, und dann kam auch noch der Sturz», sagte Brenner der Deutschen Presse-Agentur. Auf der 12. Etappe versuchte er es bereits in einer Ausreißergruppe. Allerdings ohne Erfolg. «Ich war einfach nicht gut genug», meinte er selbstkritisch.

Tour-Debüt im nächsten Jahr?

Nun also der große Durchbruch? «Ich bin keiner, der sagt, ich werde jetzt dieses und jenes Rennen gewinnen. Ich bin einfach glücklich, wie es gerade läuft. Und jetzt wissen die Leute auch, dass ich, wenn die Dinge passen, auch große Rennen gewinnen kann», so Brenner. Zumindest sorgte er für den ersten Etappensieg in der Geschichte des noch jungen Schweizer Rennstalls. Dieser Part war eigentlich dem zweimaligen Weltmeister Julian Alaphilippe vorbehalten, doch der Franzose beendete jüngst nach einer ernüchternden Tour seine Karriere.

Die Hoffnungen ruhen auf Brenner, der seinen Vertrag bis 2030 verlängert hat. Im nächsten Jahr könnte er endlich bei der Tour de France sein Debüt geben. «Marco ist ein hervorragendes Beispiel für die harte Arbeit, das Vertrauen in die Menschen und das Engagement, die wir in alles stecken, was wir tun. Dieses Jahr lief nicht immer nach unseren Vorstellungen. (...) An einem Tag verliert man, am nächsten gewinnt man», sagte Cancellara.

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