Sofia (dpa) - Tadej Pogacar dürfte mit bangen Blicken zum Giro d'Italia nach Bulgarien geschaut haben. Bei einem Horrorsturz auf der zweiten Etappe landete fast sein gesamtes UAE-Team in Abwesenheit des Rad-Superstars bei hoher Geschwindigkeit im Straßengraben. Entsprechend verheerend las sich am Sonntagmorgen die medizinische Bilanz: Beckenbruch beim Spanier Marc Soler, Ellbogenfraktur beim Australier Jay Vine.
Und Mitfavorit Adam Yates, der blutüberströmt und schwer gezeichnet mit großem Rückstand das Ziel noch erreichte, musste schließlich auch seinen Giro-Traum beenden. Eine große Platzwunde, Abschürfungen und Symptome einer Gehirnerschütterung machten die Weiterfahrt auf der dritten Etappe nicht mehr möglich. «Was für ein Desaster. Ich habe so hart gearbeitet, um für den Giro fit zu werden», sagte Yates, dessen Zwillingsbruder Simon im Vorjahr die Italien-Rundfahrt gewonnen hatte.
Kettenreaktion nach Soler-Sturz
Was war passiert? Auf einer leicht abschüssigen Straße gut 23 Kilometer vor dem Ziel in Weliko Tarnowo - der Giro richtet in diesem Jahr die ersten drei Etappen in Bulgarien aus - rutschte Soler weg und löste eine Kettenreaktion aus. Gut 35 Fahrer gingen zu Boden, manche knallten mit voller Wucht gegen die Leitplanke. Das Rennen musste zwischenzeitlich neutralisiert werden. Krankenwagen waren im Einsatz.
Fünf der acht UAE-Fahrer waren in dem Sturz verwickelt. Auch weitere Radprofis mussten das Rennen aufgeben, noch bevor der Giro überhaupt Italien erreicht. Der Italiener Andrea Vendrame erlitt einen dreifachen Wirbelbruch, auch Santiago Buitrago (Kolumbien), Adne Holter (Norwegen) und Matteo Moschetti (Italien) mussten mit diversen Verletzungen aufgeben.
Bereits zum Auftakt am Freitag hatte es im Sprintfinale einen heftigen Crash gegeben. Rund 650 Meter vor dem Ziel waren mehrere Fahrer zu Fall gekommen, nur eine kleine Gruppe machte den Sieg noch unter sich aus.
Immerhin verlief die dritte Etappe am Sonntag ohne Zwischenfälle. Den Tagessieg holte sich nach 175 Kilometer von Plowdiw nach Sofia der Franzose Paul Magnier im Sprint vor dem Italiener Jonathan Milan und dem Niederländer Dylan Groenewegen. Magnier hatte bereits beim Auftakt in Burgas triumphiert. Das Rosa Trikot trägt weiter der Uruguayer Guillermo Thomas Silva auf seinen Schultern, wenn sich der Tross am Ruhetag am Montag auf den Weg nach Italien macht.
Erst das Känguru, nun der Giro-Sturz
Beim UAE-Team steht dann das Sportliche kaum mehr im Mittelpunkt. Soler und Yates sind eigentlich auch als wichtige Helfer für Pogacar in acht Wochen bei der Tour vorgesehen. «So in den Giro zu starten, ist wirklich entmutigend», sagte UAE-Teamchef Mauro Gianetti: «Es war ein ziemlich hartes Jahr für uns, aber wir werden jetzt nicht untätig herumsitzen und uns selbst bemitleiden.» Die Sturzverletzungen beim Top-Rennstall ziehen sich bereits durch die gesamte Saison. Vine erwischte es bereits zum zweiten Mal. Bei der Tour Down Under wurde er von einem Känguru zu Fall gebracht und brach sich das Handgelenk.
Immerhin ist Weltmeister und Tour-Champion Pogacar bislang von Sturzverletzungen verschont geblieben. Zur Not holt der slowenische Ausnahmekönner seine Siege auch im Alleingang.
© dpa-infocom, dpa:260510-930-59983/2
