Leichtathletik
Deutsches EM-Laufteam: Was Du kannst, kann ich schon lange
Robert Farken
Robert Farken (M) rechnet sich über 1.500 Meter bei der EM etwas aus. (Archivbild)
Oliver Weiken. DPA

Die schwierigsten Hindernisse stehen nicht immer auf der Bahn, sondern befinden sich im Kopf. Das deutsche Laufteam geht mit Selbstvertrauen in die EM. Die interne Konkurrenz beflügelt.

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Birmingham (dpa) – Die älteren Leichtathletik-Fans erinnern sich an jenen Tag 1983 in Helsinki. Über 3.000 Meter Hindernis krönte sich der damalige Europameister Patriz Ilg im bundesdeutschen Trikot zum ersten Weltmeister in dieser Disziplin. 43 Jahre später gehören Europarekordler Frederik Ruppert und sein Kumpel Karl Bebendorf zum Favoritenkreis bei den am Montag beginnenden Europameisterschaften in Birmingham.

Und obwohl dort im mehrfachen deutschen Rekordler Mohamed Abdilaahi ein Hoffnungsträger auf den langen Strecken verletzt fehlt, sind Medaillen drin, vielleicht auch Titel. Denn so stark und selbstbewusst war das Laufteam des DLV lange nicht. «Das ist kein Zufall», sagte 1.500-Meter-Ass Robert Farken.

Abdilaahi galt als Titelanwärter für die 5.000 Meter am Montagabend, doch Fußprobleme haben ihn gestoppt. Zum Auftakt wird Ex-Europameisterin Gesa Krause ein deutsches Trio in den Vorläufen über 3.000 Meter Hindernis anführen. Eine Medaille ist das Ziel der 34 Jahre alten Mutter, vielleicht auch der dritte EM-Titel nach 2016 und 2018? «Klingt traumhaft, aber das wird schwer. Aber diese Träume muss man weiter haben», sagte Krause.

Niemand setzt sich Grenzen

Von Großem träumen, das trauen sich inzwischen viel mehr deutsche Läuferinnen und Läufer. Nicht denken, dass etwas gar nicht möglich ist. «Man sieht, dass die limitierende Denkweise verschwunden ist. Niemand setzt sich mehr von vornherein Grenzen. Das ist unglaublich wichtig», betonte Frederik Ruppert im Magazin «Leichtathletik».

Der 29-Jährige stellte in 7:57,80 Minuten Ende Mai in Rabat einen Europarekord über die Hindernisse auf und ist aktuell die Nummer zwei der Welt. Bei den deutschen Meisterschaften stürmte er über 5.000 Meter zum Titel vor Spezialist Florian Bremm, der über diese Strecke Anfang Juni seine Bestleistung um zwölf Sekunden steigerte. Bremm ist mit 12:56,80 Minuten der schnellste Deutsche in diesem Jahr und die Nummer drei in Europa.

Im Training wird alles kontrolliert

Den deutschen Hindernis-Titel holte sich Karl Bebendorf, vor zwei Jahren in Rom EM-Dritter. Duelle unter Freunden mögen weder Ruppert noch Bebendorf. Der Dresdner gehört einer professionellen Trainingsgruppe an und hat in diesem Jahr noch einmal ein paar Kilogramm abgenommen.

Bundestrainerin Isabelle Baumann ist einerseits beeindruckt und gleichzeitig überzeugt, dass ihre Schützlinge noch schneller laufen können. «Dies zeigt, dass man durch jahrelanges, systematisches Training in diese Weltklassebereiche vordringen kann – auch als deutscher Athlet», sagte sie. Einige Rekorde von Ehemann und Olympiasieger Dieter Baumann hat Abdilaahi mittlerweile geknackt.

Bei «Leichtathletik» erklärte sie, es werde im Training mit hohen Umfängen, aber niedrigen Intensitäten gearbeitet. Sich dabei gut zu fühlen, ist schön, aber Kontrolle ist besser. Also wird alles genau überwacht und sofort die Geschwindigkeit reduziert, sollte die Belastung für den Körper zu hoch werden.

Erfolge der anderen als Vorbild

Und das kann schnell passieren: Ruppert war nach zwei starken Rennen binnen weniger Tage sowie den Reisen dazu krank, Abdilaahi plagt sich jetzt mit Fußproblemen herum. Insgesamt gebe es aber weniger Verletzungen, weil sich viele nun cleverer steuern würden, findet Ruppert.

Dass es auch weiterhin diverse Chancen auf Podestplätze gibt, ist Beleg für die gewachsene Breite in der deutschen Spitze. Starke Auftritte des einen ermutigen den anderen. «Wenn jemand gute Leistungen vorlegt, denken alle anderen: Hey, das kann ich auch. Mo Abdilaahi ist grandios in die Saison gestartet, und alle haben nachgezogen», sagte Ruppert in einer Medienrunde vor der EM.

Er könnte am Sonntagabend kommender Woche im Alexander Stadium von Birmingham den grandiosen Schlusspunkt aus deutscher Sicht setzen. Schon am Morgen des 16. August könnten die Marathonläufer vorlegen: Richard Ringer war vor vier Jahren in München bereits Europameister, Amanal Petros holte im Vorjahr WM-Silber. Es sind gute, neue Zeiten für das deutsche Laufteam.

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