Birmingham (dpa) - Der Glaube an die eigene Stärke soll der einzigen deutschen Leichtathletik-Olympiasiegerin von Paris auch bei den Europameisterschaften in Birmingham zu einem großen Moment verhelfen. Kugelstoßerin Yemisi Mabry trägt in England am Montag die Hoffnungen auf einen gelungenen Start für das deutsche Team. «Das Ziel ist definitiv, um die Medaillen mitzukämpfen», sagte die 27-jährige Mannheimerin.
Zuletzt hatte die mehr als 100-köpfige DLV-Auswahl durch den Wirbel um die drohende Sperre für Sprinter Owen Ansah und prominente Ausfälle einige Stimmungsdämpfer hinnehmen müssen. So fehlen aufgrund von Verletzungen bei den siebentägigen Wettkämpfen mit 50 Entscheidungen Mohamed Abdilaahi, der am Montagabend im Alexander Stadium über 5.000 Meter Medaillenchancen gehabt hätte, und Hochspringer Tobias Potye. Der Münchner war 2022 daheim EM-Zweiter.
Mabry im Normalfall gleich zweimal gefordert
In der Ruhe und Abgeschiedenheit des Trainingslagers von Kienbaum bei Berlin arbeitete die seit dem Frühjahr verheiratete Mabry - früher Ogunleye - am Feinschliff. Und stellte sich dort auf die besonderen Bedingungen ein, denn Qualifikation (11.35 Uhr/ARD und Eurosport) und Finale (20.03 Uhr/sportschau.de/ARD ab 20.15 Uhr und Eurosport) finden am selben Tag statt.
Einen Nervenkitzel möchte sich Mabry ersparen. «Ich schätze mal, dass die Norm bei 18,50 Meter, 18,60 Meter liegt», erklärte sie. «Da habe ich natürlich den Ansporn an mich selbst, dass ich direkt im ersten Versuch über die Qualifikation drüber stoße, damit ich so schnell wie möglich ins Hotel kann, mich ausruhen kann. Und mich auf das Finale als den Hauptwettkampf vorbereiten kann.»
Die Favoritin kommt aus den Niederlanden
In Paris schafften es vor zwei Jahren nicht alle Favoritinnen ins Finale, das nutzte Mabry aus und sicherte sich mit 20,00 Metern im letzten Versuch sensationell Gold. In diesem Jahr wuchtete Mabry die Kugel im Freien bis auf 19,93 Meter. Klare Favoritin auf den Titel ist die Niederländerin Jessica Schilder, mit 21,09 Metern die Beste in diesem Jahr. Über Rivalin Mabry scherzte sie: «Ich habe Bilder von ihrer Hochzeit gesehen. Ich bin sehr eifersüchtig.»
Große Wettkämpfe sind auch Kopfsache. «Natürlich spielt die Birne immer am meisten mit. Da kann man so gut drauf sein, wie man will, man muss vom Kopf einfach frisch sein.» Vor zwei Jahren sicherte sich Mabry Bronze, diesmal kündigte sie an: «Ich bin gut vorbereitet und werde um die Medaillen mitkämpfen und sie mir nicht einfach so entgehen lassen.»
2024 in Rom, als die EM zwei Monate vor Olympia ausgetragen wurde, sprang Malaika Mihambo erst am letzten Abend zum einzigen deutschen Titel. Elf Medaillen waren fünf weniger als bei der Heim-EM zuvor in München, wo es siebenmal Gold für das deutsche Team gab.
Ungewissheit für Lückenkemper
Gina Lückenkemper geht vier Jahre nach Doppel-Gold in München nicht als Titelanwärterin in die 100-Meter-Konkurrenz. Ein Zeckenbiss im Hinterkopf Ende Juni hatte die 29-Jährige weit zurückgeworfen, bei den deutschen Meisterschaften reichte es zuletzt in 11,29 Sekunden nur zu Rang drei.
«Ich kann dankbar sein, dass ich noch Wettkämpfe bestreiten kann diese Saison», sagte Lückenkemper. Die Olympia-Dritte mit der Staffel weiß selbst nicht genau, wohin die Reise in Birmingham geht. Immerhin: Dank ihrer Ranglisten-Platzierung vor der EM steht sie direkt im Halbfinale, der Vorlauf bleibt ihr erspart.
Weitere deutsche Asse in der Qualifikation
«Meine Einzelzeit, die ich jetzt stehen habe durch die ganzen Umstände, ist nicht der große Hit», sagte Lückenkemper. Sie reiste zwar mit einem besseren Gefühl nach England, die größeren Chancen auf eine gute Platzierung dürfte sie aber mit der Sprint-Staffel der Frauen und der Mixed-Staffel haben.
Für den WM-Zweiten Merlin Hummel geht es am ersten Tag im Hammerwurf erst einmal darum, die Qualifikation zu meistern. Die 34 Jahre alte zweimalige Europameisterin Gesa-Felicitas Krause führt ein deutsches Trio an, das über 3.000 Meter Hindernis ins Finale laufen will. In Abwesenheit von Mohamed Abdilaahi hofft Florian Bremm im Finale über 5.000 Meter auf eine Überraschung.
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