Birmingham (dpa) – Sprinter Owen Ansah hat seinen fulminanten Gold-Coup über 200 Meter bei der Leichtathletik-EM in Birmingham auch seinem dreijährigen Sohn gewidmet. «Er feiert's einfach, dass ich schnell bin», sagte Ansah stolz und mit leuchtenden Augen im Interview-Zelt direkt neben dem Alexander Stadium.
«Nur einer darf schneller sein»
Der Nachwuchs ist sein wohl größter Fan – und hat zumindest den unterlegenen Sprintern vom EM-Finale etwas voraus. «Der will immer mit mir rennen. Natürlich lasse ich ihn da auch gewinnen. Nur einer darf schneller als ich sein – und das ist mein kleiner Sohn», sagte Ansah, der das Porträt seines Sohnes auf dem rechten Oberarm hat tätowieren lassen.
Nach einer atemberaubenden Zielgeraden lief Ansah eine Zeit von 19,95 Sekunden, die normalerweise deutscher Rekord gewesen wäre. Allerdings war der Rückenwind mit 2,5 Metern pro Sekunde so stark, dass die Zeit nicht als Bestzeit gelten kann.
Und auch, ob Ansah Gold behält, ist nicht sicher. Wenn sich der Vorwurf eines verweigerten Dopingtests bestätigt, droht ihm eine lange Sperre. Die Nationale Anti Doping Agentur hat eine vierjährige Sperre gegen ihn vorgeschlagen. Ansah lehnt das ab und ist derzeit nicht suspendiert. Ihm könnte der Titel über 200 Meter genauso wie die am Dienstag gewonnene Bronzemedaille über 100 Meter noch nachträglich aberkannt werden.
Noch lässt Ansah seinem Sohn den Vortritt
Womöglich hat Ansah also bald mehr Zeit für Wettrennen mit seinem Sohn, als ihm lieb ist. Seinen Filius werde er nicht ewig gewinnen lassen. «Wenn er älter wird, wenn er versteht, dass nicht er der Schnellere ist, sondern Papa. Das wird er auch noch früh genug merken und lernen. Aber jetzt lasse ich ihm auch den Vortritt, dass er auch Spaß an der ganzen Sache.»
Ansah ist der erste deutsche Europameister über 200 Meter seit 44 Jahren. Damals bejubelte Olaf Prenzler in Athen Gold für die DDR. Die bislang letzte EM-Medaille hatte Jürgen Evers 1986 in Stuttgart mit Silber geholt.
Ansah widmet EM-Gold auch seinem Trainer
Außer seinem Sohn widmete Ansah die Goldmedaille noch seinem Trainer und dem früheren Weltklasse-Weitspringer Sebastian Bayer. «Er spielt eine sehr, sehr große Rolle in meinem Leben. Ich bin 2021 mit ihm nach Mannheim gegangen nach meiner Ausbildung. Ich war da 20, habe ihm vertraut. Er hat gesagt: Hey Jungs, ich habe was mit euch vor in Mannheim. Lasst uns arbeiten, lasst uns hart arbeiten. Ich sehe was in euch», sagte Ansah, der für den Hamburger SV startet.
Bayer hielt sein Wort. Fünf Jahre später ist Ansah Europameister. «Das ist einfach schön», betonte der Sprinter. Er habe Bayer das nötige Vertrauen gegeben, «dass er an mir arbeiten konnte, dass wir als Team enger geworden sind, um solche Leistungen zu bringen».
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