Handball
Champions-League-Hoffnung? THW Kiel braucht Derby-Sieg
Trainer Filip Jicha vom THW Kiel
Einen nationalen Titel wird es für Trainer Filip Jicha und den THW Kiel in diesem Jahr wohl nicht geben.
Frank Molter. DPA

Das Derby gegen Flensburg ist für Kiel mehr als Prestige: Ein Sieg erhält die kleine Chance auf die Champions League. Ein nationaler Titel ist für den Rekordmeister in dieser Saison nicht mehr drin.

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Kiel/Flensburg (dpa) – 49 nationale Titel unter dem Hallendach hat der stolze THW Kiel in seiner Vereinshistorie bislang gewonnen. 23-mal holten die «Zebras» die deutsche Handball-Meisterschaft, je 13-mal den DHB-Pokal und den Supercup. Mit einer Jubiläumstrophäe wird es in dieser Saison aber nichts. Im Pokal schieden die Kieler als Titelverteidiger im Viertelfinale bei den Füchsen Berlin aus, in der Meisterschaft beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter SC Magdeburg nach 24 von 34 Spieltagen schon satte zehn Punkte.

So kommt dem Schleswig-Holstein-Derby am Samstag (20.00 Uhr/Dyn) gegen die SG Flensburg-Handewitt eine besondere Rolle zu. Ein Sieg über den großen Nordrivalen tut der «Zebra»-Seele ohnehin immer gut, und er ist die wohl allerletzte Möglichkeit, noch in die Vergabe der Champions-League-Plätze einzugreifen. «Natürlich ist es weiterhin unser Ziel, nächstes Jahr in der Champions League zu spielen. Dafür müssen wir jetzt in die bestmögliche Position kommen, um uns weiterhin alle Möglichkeiten offenzuhalten.», sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi der Deutschen Presse-Agentur.

«Das größte Spiel, das es im Handball gibt»

«Dieses Derby hat eine andere Bedeutung, allein schon wegen der Gesamtkonstellation in der Bundesliga», sagte Szilagyi nach den beiden Kieler Siegen über Flensburg zuvor in der European League: «Es fällt am Wochenende keine endgültige Entscheidung über die Saison, aber um unsere Chancen auf einen Champions-League-Platz aufrechtzuerhalten, wäre ein Sieg natürlich elementar wichtig. Für mich ist es in jedem Fall das größte Spiel, das es im Handball gibt.»

Auch Stefan Kretzschmar misst dem Handball-Klassiker eine besondere Bedeutung bei: «Der THW darf gar nichts mehr verlieren bis zum Ende der Saison, und das ist in dieser Liga eigentlich nicht möglich», sagte der Experte bei Dyn. Der Blick auf die Tabelle und das Restprogramm bestätigen Kretzschmar. Die dicksten Brocken der Kieler sind sicher die Spiele am 10. Mai gegen Titelverteidiger Füchse Berlin und zum Saisonfinale am 7. Juni gegen den TBV Lemgo Lippe. Vorteil für den THW: Beide Partien finden in der heimischen Arena statt.

Nach dem Sieg über Magdeburg folgte in der Liga die Krise

Nach dem 31:29-Sieg über Magdeburg am 15. Februar rutschte die Mannschaft von THW-Trainer Filip Jicha in der Liga in eine Krise. Schon das 28:24 bei Frisch Auf Göppingen war nicht überzeugend. Es folgten das 26:34 daheim gegen den VfL Gummersbach und das 27:32 beim TVB Stuttgart. Auffällig: In diesen drei Begegnungen fehlte Spielmacher Elias Ellefsen á Skipagötu. Jicha hatte dem Färinger im bisherigen Saisonverlauf viele Spielanteile gegeben, die der 23-Jährige mit guten Leistungen zurückzahlte. Szilagyi: «Nicht nur Elias hat uns mit seiner individuellen Qualität sicher gefehlt. Aber es wäre mir zu billig zu sagen, dass das der einzige Grund war.»

Zur neuen Saison wird sich das spielerische Element beim THW weiter verstärken und der Stil sich mehr jenem der aktuell national führenden Teams aus Magdeburg und Berlin angleichen. Dafür stehen die beiden Top-Zugänge Julian Köster aus Gummersbach und Domen Makuc vom Champions-League-Rekordsieger FC Barcelona aus Spanien. «Wir legen in der Qualität und in der Breite deutlich zu und wären dadurch auch für die Champions League gewappnet», erklärte Szilagyi.

Bisherige Derbybilanz spricht klar für den THW

Für Stefan Kretzschmar fehlen dem aktuellen Kieler Team die letzten Prozentpunkte. Der 53-Jährige bezeichnete den TWH als «Highlight-Team», das «beim Final Four abräumen kann. Aber sie tun sich schwer, das jede Woche für Woche für Woche jetzt abzurufen.»

Am Samstag steht nun das 116. Derby gegen die SG auf dem Programm. Es ist das dritte innerhalb von knapp vier Wochen. Durch die beiden Erfolge zuletzt in der Hauptrunde der European League steht es nach Siegen 67:43 für den THW. Fünf Begegnungen endeten bislang unentschieden.

Die Flensburger wollen den «Zebras» aber in jedem Fall den Spaß verderben. «Wir haben noch mehr zu bieten», sagte Johannes Golla nach der deutlichen 29:36-Europapokal-Niederlage am Dienstag. Der Kapitän der SG und der Nationalmannschaft erwartet «einen heißen Tanz».

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