Odense (dpa) - Der Traum von der nächsten Medaille hängt auch an ihren Reflexen. Katharina Filter und Sarah Wachter haben knapp sechs Wochen vor der Handball-EM gezeigt, warum sie für die DHB-Auswahl unverzichtbar sind. Mit 14 Paraden beim 26:21 gegen Vize-Europameister Dänemark glänzte zunächst Filter, einen Tag später überragte Wachter beim 25:25 gegen den WM-Vierten aus den Niederlanden mit 17 Paraden. Deutschlands Tor-Duo könnte auf der Jagd nach Edelmetall zu entscheidenden Trümpfen werden.
«Wir haben einfach Bock auf mehr und Bock, diese Entwicklung, die wir haben, fortzusetzen», sagte Filter und schickte damit eine Kampfansage an die Handball-Elite aus Frankreich und Norwegen. Nach dem sensationellen zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft ist der Glaube an den ganz großen Coup gestiegen.
Die Duelle mit dem EM-Zweiten Dänemark und den Niederlanden im Rahmen der Golden League waren eine knallharte Standortbestimmung. «Da gibt's in dieser Kombi wenig Besseres», sagte Markus Gaugisch über den doppelten Stresstest. Sportvorstand Ingo Meckes stellte fest: «Die Mannschaft ist bereit und hat einen großen Schritt gemacht.»
Torhüterinnen als Rückhalt einer Abwehr im Umbruch
Gerade in der Defensive steht die DHB-Riege vor großen Herausforderungen. Mit Aimée von Pereira hat eine der deutschen WM-Heldinnen im Sommer überraschend ihre Karriere beendet. Zudem ist fraglich, ob Xenia Smits nach ihrer Schwangerschaft rechtzeitig zur EM wieder zur Verfügung steht. Damit fehlen Gaugisch bei der EM möglicherweise zwei Leistungsträgerinnen des WM-Erfolgs.
Umso wichtiger wird das Torhüterinnen-Duo. Filter und Wachter sollen mit ihren Paraden auch einer neu formierten Abwehr Sicherheit geben. Gegen Dänemark funktionierte das Zusammenspiel hervorragend. In den ersten 14 Minuten ließ die DHB-Auswahl lediglich vier Gegentore zu.
«Das ist die Grundlage für uns, für alles. Das Zusammenspiel mit der Deckung - sehr hart, sehr kompromisslos», lobte Gaugisch und ergänzte: «Wenn du kein Tor kriegst, darfst du vorne auch mal einen wegschmeißen.» In beiden Duellen erlaubte sich Deutschland allerdings zu viele Fehlwürfe. «Vorne lief nicht alles rund», gab auch Rückraumspielerin Nina Engel zu.
Kapitänin Döll: «Gegen jeden Gegner eine realistische Chance»
Die Auftritte gegen Dänemark und die Niederlande machen dennoch Mut für die EM. Allerdings ist die Konkurrenz trotz des Selbstvertrauens nach dem Silber-Coup gewaltig - und die Vorrundengegner Schweden, Co-Gastgeber Slowakei und Serbien sind knifflig. Zwei Torhüterinnen in Bestform kann da den Unterschied machen. «Ich denke, wir können euphorisiert zur EM fahren. Wir sind alle Feuer und Flamme», berichtete Wachter.
Kapitänin Antje Döll sieht Deutschland zwar noch nicht in der Rolle des Gejagten, betonte aber das gewachsene Selbstvertrauen: «Dieses Gefühl, dass wir gegen jeden Gegner eine realistische Chance haben, merkt man der Mannschaft absolut an.»
Zwei Härtetests gegen den Olympia-Zweiten
Viel Zeit zum Feinschliff bleibt nicht. Am Freitag wird Gaugisch seinen erweiterten EM-Kader bekanntgeben. Ende November warten zwei Tests gegen den Olympia-Zweiten Frankreich, ehe der DHB-Tross zur Vorrunde nach Bratislava reist.
Bei erfolgreicher Qualifikation würde die DHB-Auswahl ihre weiteren Spiele im polnischen Kattowitz bestreiten. Für Filter und Wachter bietet sich bei der EM die nächste Gelegenheit, ihre Klasse auf der großen Bühne zu beweisen.
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