Herning (dpa) – Das Spiel war noch nicht beendet, da flossen bei Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen bereits die Tränen. Später waren die Emotionen unter den Bier- und Champagnerduschen kaum noch zu erkennen. Nach vier Weltmeister-Titeln in Folge und dem Olympiasieg 2024 ist die Übermacht im Welthandball nun also nach 14 Jahren auch wieder Europameister.
15.000 Fans in der «Hölle von Herning» erlebten hautnah, wie der enorme Druck der vergangenen Wochen von Jacobsen und seinem Team abfiel. «Das war es, was ich als meinen Traum bezeichnet habe. Manchmal muss man es wagen, große Träume zu haben. Hut ab vor meinen Jungs. Sie wurden in dieser schweren Zeit von Jungen zu erwachsenen Männern», sagte Jacobsen nach dem Finalsieg über Deutschland.
Dann hüpfte er erst wie ein kleines Kind vor die Fankurve, später wirbelten ihn seine Schützlinge in die Luft. «Ich bin heute fast sprachlos. Es ist magisch», sagte der 54-Jährige.
Olympiasieger, Weltmeister, Europameister
Amtierender Olympiasieger, Weltmeister und Europameister. Die Skandinavier setzen jährlich neue Maßstäbe im Welthandball. Dabei wirkten die Rot-Weißen diesmal so verwundbar wie lange nicht, kassierten gegen Portugal in der Vorrunde sogar eine sensationelle Niederlage. Auch gegen Island und selbst im Finale gegen Deutschland lief nicht alles glatt. Doch am Ende ist alles wie immer in der jüngeren Vergangenheit: Dänemark holt den Titel.
«Ich glaube, wir haben wirklich alles erlebt. In vielerlei Hinsicht war es die härteste Endrunde, die wir je gespielt haben», sagte Mathias Gidsel, dem die Strapazen der EM mit Kratzern und Schürfwunden deutlich anzusehen waren.
Gidsel gelingt Historisches – Platz für neue Pokale nötig
Dem zweimaligen Welthandballer gelang einmal mehr Historisches. 68 Tore sind ein EM-Rekord. Gidsel überbot die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2020, die der Norweger Sander Sagosen mit 65 Treffern aufgestellt hatte. Außerdem wurde der schmächtige Rückraumspieler zum MVP der EM gewählt.
«Ich bin wahnsinnig stolz. Alle wissen, wie viel Druck ich habe. Viele erwarten jedes Spiel viel von mir. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und meine Mitspieler und Familie stolz zu machen», sagte Gidsel, der in der Bundesliga für die Füchse Berlin spielt und in der vergangenen Saison deutscher Meister wurde. «Ich glaube, ich brauche bald einen neuen Raum für die Pokale im Haus meiner Eltern.»
Gidsel: «Jetzt ist die deutsche Mannschaft unser größter Gegner»
Doch auch dem «Michael Jordan des Handballs», wie Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning den dänischen Überflieger nennt, bleibt nicht verborgen, dass der Vorsprung auf die Konkurrenz kleiner wird. Vor allem Deutschland konnte die Lücke etwas schließen. «Das macht mir bisschen Angst. Jetzt ist die deutsche Mannschaft unser größter Gegner», sagte Gidsel.
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