Formel 1
Blaupause für die Roten: Zoff um die Teamorder bei Ferrari
Formel 1 - Vor dem Großen Preis von Monaco
Er muss es managen: Ferrari-Teamchef Fred Vasseur. (Archivbild)
David Davies. DPA

«Bin ich euer Versuchskaninchen?» - Sir Lewis Hamilton war not amused. Er will den Titel, er will ihn im und mit Ferrari. Doch sein Ex-Team Mercedes zeigt, wie WM-Kampf geht.

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Zandvoort (dpa) – Lewis Hamilton tobte und spottete: «Bin ich euer Versuchskaninchen?» Charles Leclerc widersetzte sich einfach der Teamorder. Ausgerechnet vor dem Heimspektakel der Scuderia im Königlichen Park von Monza herrscht großer Klärungsbedarf bei Ferrari.

Die Frage, um die sich alles dreht: Wie wird man Formel-1-Weltmeister? Hamilton weiß es, er holte mit McLaren und Mercedes sieben Titel. Ferrari hat großen Nachholbedarf: Der letzte Fahrertriumph ist bald zwei Jahrzehnte her.

Mercedes löste das Problem schon am Morgen vor dem Rennen

Die Blaupause für die Roten lieferte im direkten WM-Duell von Verfolger Hamilton mit Spitzenreiter Kimi Antonelli ausgerechnet Hamiltons Ex-Team. «Es ist schwer, wenn du vor dir die beiden Mercedes-Fahrer siehst, die eine Ansage kriegen und es dann so machen.»

Die Silberpfeile hatten so eine Situation schon am Morgen vor dem Großen Preis der Niederlande besprochen. «Wenn wir miteinander fighten, verlieren wir Punkte», erklärte Teamchef Toto Wolff. Also ließ George Russell Antonelli – zwar auch nicht völlig begeistert – passieren und wichtige Punkte als Zweiter hinter Zandvoort-Sieger Lando Norris im McLaren holen. Russell selbst wurde Dritter, Hamilton verpasste das Podium als Vierter.

Dabei zeigte der Brite nach den Enttäuschungen vorher beim letzten Dünen-Grand-Prix ein starkes Rennen und war schnell unterwegs. Doch dann hing er hinter dem bockigen Leclerc fest. «Es war definitiv frustrierend», betonte Hamilton. «Die Entscheidung hätte früher getroffen werden sollen. Ich denke, das hat uns wahrscheinlich mindestens das Podium gekostet.»

Auf jeden Fall hat es dazu geführt, dass nicht nur der Rückstand auf Antonelli wuchs, sondern Russell auch noch nach Punkten gleichzog mit Hamilton und dank besserer sonstiger Platzierungen offizieller neuer Zweiter im Klassement ist.

Wie sich die anderen bei Ferrari verteidigen

«Klar hat Lewis etwas Zeit hinter Charles verloren. Hinterher ist es immer einfach, alles zu erklären. Aber in dem Moment war es die richtige Entscheidung, denke ich», meinte Ferraris Teamchef Fred Vasseur. Und auch Leclerc war bemüht, die Situation herunterzuspielen. «Das sind normale Diskussionen während eines Rennens. Von außen sieht das vielleicht schlimmer aus», befand der Monegasse.

Von einem «nicht gerade unvergesslichen Wochenende für Ferrari in den Niederlanden», schrieb der «Corriere dello Sport». Denn am Ende können Rennen wie diese den Ausschlag im WM-Kampf geben. Im vergangenen Jahr triumphierte Norris am Ende mit gerade mal zwei Punkten Vorsprung auf den in Zandvoort verunglückten Max Verstappen von Red Bull.

Und so lieferte Ferrari (einmal mehr) reichlich Funkverkehr mit hohem Unterhaltungswert – zumindest für Außenstehende. «Großartig die Zeit verplempert», meldete sich Hamilton unter anderem aus dem Wagen. Und als sein Renningenieur nach dem Rennen meinte, sie hätten Pech mit Russell gehabt, der sich tapfer gegen Hamilton verteidigt hatte, konterte der 41 Jahre alte Brite im Ferrari: «Wir hatten kein Pech. Wir haben die Zeit vorher verloren.»

Hamilton und das klärende Gespräch: Wird eine ruhige Diskussion

Das Problem der Scuderia: Es sind wiederkehrende Muster. Funktioniert der Wagen mal richtig gut, werden unglückliche Entscheidungen getroffen. Die Enttäuschung nach dem Rennen an der Nordsee war Hamilton anzusehen.

«Mein Ziel ist es, dieses Team zur WM zu führen», betonte Hamilton, der nach seiner niederschmetternd schlechten Auftaktsaison im Ferrari auf dem Weg zu alter Stärke und entschlossener denn je ist. Was Vasseur in den Tagen vor dem Großen Preis von Italien zu erwarten hat, machte der 106-malige Grand-Prix-Gewinner auch deutlich: «Es wird eine ruhige Diskussion werden, aber sie muss natürlich auch geradlinig geführt werden.»

Zumal Antonelli in Monza mit einem Handicap starten wird: In seinem Mercedes sollen neue Teile eingebaut werden, die über dem erlaubten Kontingent liegen. Zehn Plätze dürfte er mindestens nach hinten strafversetzt werden.

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