Eishockey-Weltmeisterschaft
Schweizer WM-Träume nach Chaos und Corona-Skandal
Patrick Fischer
Ende kurz vor der Heim-WM: Wegen eines gefälschten Impf-Zertifikats musste Patrick Fischer (r) als Schweizer Nationaltrainer gehen. (Archivbild)
Darko Vojinovic. DPA

Der Abgang von Nationaltrainer Patrick Fischer spaltet die Schweiz – und trotzdem hofft der WM-Gastgeber auf einen Gold-Coup. Wie die Spieler mit dem Skandal umgehen und was der Ex-Coach jetzt plant.

Lesezeit 2 Minuten

Zürich (dpa) – Für Patrick Fischer sollte die Heim-WM der krönende Abschluss als Schweizer Nationaltrainer werden – die Eishockey-Titelkämpfe waren für ihn aber schon vorbei, ehe sie überhaupt begannen. Ein gefälschtes Corona-Impfzertifikat des 50-Jährigen für Olympia 2022 hat dafür gesorgt, dass der WM-Auftakt am Freitag (20.20 Uhr/ProSieben Maxx) gegen die USA ohne Fischer an der Bande stattfinden wird. Vor dem Turnier in Zürich und Fribourg hoffen die Schweizer dennoch auf den ersten WM-Titel.

«Es kann sein, dass die Mannschaft nun enger zusammengerückt ist», sagte der Schweizer Kapitän Roman Josi. Der NHL-Star der Nashville Predators hatte mit einem Brief den Schweizer Verband nach der Trennung von Fischer noch umstimmen wollen. Teile der Mannschaft, darunter auch NHL-Profis wie Nino Niederreiter von den Winnipeg Jets befürworteten die Aktion allerdings nicht. «Verschiedene Meinungen gehören zu einer Mannschaft», sagte der Stürmer. Nach Abschluss der Vorbereitung stellte Josi dennoch klar: «Wir wollen Weltmeister werden.»

Fischer hebt Schweiz auf Top-Niveau

Das Schweizer Selbstbewusstsein ist das Ergebnis der Arbeit von Trainer Fischer. Der charismatische Coach führte die Nati 2018, 2024 und 2025 ins WM-Finale. Dreimal scheiterte die Schweiz allerdings hauchdünn. In Zürich, so war der Plan, sollte es im Finale am 31. Mai vor heimischen Publikum endlich klappen. Die Chancen sind dafür sogar gegeben. Anders als die deutsche Auswahl können die Schweizer bis auf Kevin Fiala (LA Kings) und Jonas Siegenthaler (New Jersey Devils) auf sämtliche NHL-Cracks zurückgreifen.

Die Mannschaft führt bei der Heim-WM nun Jan Cadieux, lange Jahre Assistent und ohnehin als Nachfolger für die Zeit nach dem Turnier vorgesehen. Cadieux ist ein Kumpel von Fischer, daher fühlt er sich derzeit noch nicht so richtig wohl. «Es ist schwer, etwas Positives an einer Situation zu finden, die niemand erleben wollte», erklärte Cadieux.

Der Skandal um Fischer hatte die Schweiz Mitte April erschüttert, teilweise sogar gespalten. Ganz nebenbei hatte der Ex-Profi während einer Drehpause dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender SRF von dem gefälschten Zertifikat für die Winterspiele 2022 in Peking berichtet. Er habe sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, sagte er in einer Mittagspause.

Strafbefehl wegen Urkundenfälschung

Der Sender ging dem nach. Das Ergebnis: 2023 erhielt Fischer einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft Luzern wegen Urkundenfälschung in Höhe von 38.910 Schweizer Franken (rund 42.422 Euro). Fischer kam dem SRF zuvor und bat per Handyvideo um Entschuldigung. Er sprach von einer «Notlage».

Der Schweizer Eishockeyverband um Präsident Urs Kessler lobte daraufhin den Schritt des Coaches und erklärte: «Für uns ist die Angelegenheit damit abgeschlossen.» Damit begann die öffentliche Diskussion in der Schweiz erst richtig. Kritik am SRF, Kritik am Verband, Kritik an Fischer.

Das Vertrauen in ihn war erschüttert, seine Rolle als Vorbild in der Öffentlichkeit beschädigt. Der Fall wurde zum Politikum in der Schweiz. Innerhalb von 48 Stunden gab der Schweizer Eishockeyverband die Trennung von Fischer bekannt. «Notwendig» nannte es Präsident Kessler nun.

Ab Juni wieder Motivator

Wenn die Schweiz ab Freitag um den WM-Titel kämpft, bereitet sich Fischer schon auf seine nächsten Aufgaben vor. Als Motivationsredner wird er am 20. Juni vor Wirtschaftsgrößen im schweizerischen Weinfelden über Mindset, Leadership, Teambuilding und Resilienz referieren. Am 30. Juni ist er in Vaduz in Liechtenstein als Redner engagiert. Wie lange sein Fall die Schweiz noch beschäftigt, hängt auch vom Erfolg seines Ex-Teams bei der WM ab.

© dpa-infocom, dpa:260513-930-73756/1

Ressort und Schlagwörter

Sport