Anaheim (dpa) - Der Gewinn des Stanley Cups bleibt für Leon Draisaitl ein unerfüllter Traum. Nach zwei bitteren Final-Niederlagen in den vergangenen beiden Spielzeiten scheiterte Deutschlands bester Eishockey-Profi mit den Edmonton Oilers diesmal bereits in der ersten Runde der NHL-Playoffs an den Anaheim Ducks.
Vier Niederlagen in sechs Spielen - die entscheidende beim 2:5 im Honda Center südlich von Los Angeles - brockten dem Kölner einen weiteren Sommer ein, in dem er eine große Enttäuschung verarbeiten muss. «Schmerzt immer, tut weh», sagte der 30-Jährige. «Aber ich glaube, dass Anaheim es einfach verdient hat.»
Zweimal verloren die Oilers erst nach Verlängerung, die vierte Niederlage gegen die Ducks aber war deutlich. Schon nach dem ersten Drittel stand es 1:3, vor den eigenen Fans stürmten die Gastgeber wie entfesselt. Oilers-Profi Zach Hyman gelang 92 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels dann der vermeintliche Anschlusstreffer - weil er den Puck aber mit dem Schlittschuh über die Linie befördert hatte, zählte das Tor nicht. 46 Sekunden später erhöhten die Ducks auf 4:1. Draisaitls Vorlage zum 2:4 - seine siebte in den Playoffs - machte keinen Unterschied mehr.
Draisaitl wäre frei für die WM - theoretisch zumindest
Theoretisch könnte der 30-Jährige jetzt im Mai an der WM in der Schweiz teilnehmen und wie bei den Olympischen Spielen für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen. Ob Draisaitl nach der bitteren Erfahrung in Italien mit dem Viertelfinal-Aus gegen die Slowakei und einer gerade erst überstandenen Verletzung mit einem Monat Zwangspause aber tatsächlich nach Europa reist, ist offen.
«Weiß ich jetzt gerade noch nicht, logischerweise mit meinem Knie, meiner Verletzung», sagte Draisaitl nach dem 2:5 gegen die Anaheim Ducks. Er habe «da jetzt durch was durchgespielt und mal schauen», sagte er.
So oder so muss der Stürmer wieder mal damit klarkommen, dass er in der NHL zwar alle relevanten individuellen Auszeichnungen gewonnen hat, der Stanley Cup aber unerreicht bleibt. Art Ross Trophy, Hart Memorial Trophy, Maurice «Rocket» Richard Trophy, Ted Lindsay Award - Draisaitl war in der NHL schon der wertvollste Spieler, der beste Torjäger, der beste Spieler nach Meinung seiner Kollegen und der beste Scorer. Meister war er noch nie.
Verhindern neue Verträge McDavids und Draisaitls Abschied?
Vor zwei Jahren unterschrieb Draisaitl einen Achtjahresvertrag mit einem Volumen von 112 Millionen US-Dollar. Für einige Zeit war er damit der bestbezahlte Eishockey-Profi der Welt. Sein Kumpel und Teamkollege Connor McDavid unterschrieb einen Zweijahresvertrag, der nach dieser Saison beginnt - und verzichtete auf eine signifikante Gehaltserhöhung.
Die Botschaft, die davon ausgeht: Die Oilers haben noch maximal zwei Jahre Zeit, um mit beiden NHL-Superstars den Stanley Cup zu gewinnen. Gelingt das nicht, ist McDavid weg. US-Medien spekulierten schon vor dem Playoff-Aus, dass McDavid in diesem Fall bereits früher gehen könnte. Auch Draisaitl wird sich überlegen, ob er nicht doch auf einen Wechsel drängen will, um sein großes Ziel mit einem anderen Team zu erreichen.
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