Aus bei den Winterspielen
Eishockey-Frauen auf der Suche nach dem nächsten Schritt
Olympische Winterspiele 2026
Olympische Winterspiele 2026
Peter Kneffel. DPA

Was muss passieren, damit für die deutschen Eishockey-Frauen bei Olympia nicht automatisch im Viertelfinale Schluss ist? Die Meinungen gehen auseinander.

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Mailand (dpa) - Viertelfinal-Aus gegen den amtierenden Olympiasieger, Platz sieben in der Endabrechnung der Winterspiele in Mailand - unzufrieden wirkte damit am Ende niemand bei den deutschen Eishockey-Frauen. Im Gegenteil: Spielerinnen, Trainer und der Sportdirektor betonten nach dem 1:5 gegen Kanada den Wert der vergangenen zehn Tage. Erstmals seit zwölf Jahren war eine Frauen-Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) wieder bei Olympia dabei und schaffte es zum ersten Mal überhaupt ins Viertelfinale. 

«Die Spielerinnen haben gezeigt, dass sie hier hergehören. Sie sind nicht so weit weg wie vielleicht noch vor fünf, sechs, sieben Jahren von den Großen», sagte DEB-Sportdirektor Christian Künast. Erstmals überhaupt gelang gegen die Kanadierinnen durch Franziska Feldmeier (49. Minute) ein Tor. 

«Ich glaube schon, dass wir viel Aufmerksamkeit durch das Turnier bekommen haben und ich finde, dass wir die auch gut genutzt haben, um Werbung für das deutsche Frauen-Eishockey zu machen», sagte Deutschlands erfolgreichste Stürmerin Laura Kluge von Boston Fleet.

Zu wenige Spielerinnen von Kaliber Laura Kluges

Die 29-Jährige machte persönlich auf jeden Fall ausreichend Werbung für sich und eine größere Rolle in der nordamerikanischen Profiliga PWHL. Als Top-Scorerin der gesamten Olympia-Vorrunde wurde sie von ihrem Team in den USA über Social Media ordentlich gehypt. 

Spielerinnen von ihrem Kaliber hat das deutsche Team aber noch zu wenig, um einem Mitfavoriten wie Kanada ernsthaft gefährlich zu werden. Kluge, Torhüterin Sandra Abstreiter, Verteidigerin Katarina Jobst-Smith - allesamt in der PWHL unter Vertrag - und die in Schweden aktive Stürmerin Emily Nix trugen das Team von Bundestrainer Jeff MacLeod. Fällt eine Spielerin aus dem Quartett verletzt aus, wird es schon eng.

«Das sind Topspielerinnen auf der Welt, gegen die wir da spielen. Wir haben die Voraussetzungen in Deutschland einfach nicht, die die haben und deshalb bin ich super zufrieden», sagte Kapitänin Daria Gleißner zum Kräfteverhältnis gegen Kanada. Die Gemütslage erinnert ein wenig an die Situation bei den Männern bis vor gut zehn Jahren. Der Glaube, mehr als ein Viertelfinale erreichen und eine Top-Nation schlagen zu können, schien gar nicht da. 

Unterschiedliche Sichtweisen zu möglichen Verbesserungen

Nicht einmal im Turnier veränderte Bundestrainer MacLeod die Reihen, um möglicherweise noch etwas mehr herauszukitzeln. Auch gegen die in die Jahre gekommenen kanadischen Star-Spielerinnen schien mit etwas mehr Courage mehr drin gewesen zu sein. Tatsächlich wird sich neben einem Mentalitätswandel, der bei den Männern mit dem damaligen Bundestrainer Marco Sturm ab 2015 einsetzte, vieles ändern müssen, damit auch die Frauen den nächsten Schritt auf internationaler Bühne gehen können.

«Ich glaube, dass es helfen würde, wenn mehr Spielerinnen den Sprung in die PWHL schaffen, damit sie tagtäglich diese Challenge haben», sagte Kluge. Als Kandidatinnen gelten dafür aktuell vor allem die noch erst 16 Jahre alte Mathilda Heine (Eisbären Berlin), sowie die Zwillinge Lilli und Luisa Welcke von der Boston University, die allerdings kaum Werbung für sich machen konnten.

Mehr als an Spielerinnen in der PWHL bedarf es an Professionalisierung in der Heimat. «Wir brauchen mehr Wettbewerb in der Liga. Man kann natürlich ins Ausland gehen. Aber das sollte das Ziel nicht sein», sagte Gleißner im Widerspruch zu Kluge. Tatsächlich wird die erste deutsche Frauenliga (DFEL) von gerade einmal fünf Teams gebildet - eins davon ist zudem HK Budapest aus Ungarn. «Wir müssen die heimische Liga und die Jugendliga entwickeln», sagte auch der Bundestrainer MacLeod. 

Rufe nach Hilfe von Männer-Bundesligisten

Gleißner erneuerte eine Forderung nach mehr Hilfe aus dem Männer-Eishockey nach dem Vorbild aus dem Fußball, wo mehr und mehr Bundesligisten auch Frauenteams pushen. Sportdirektor Künast bleibt nach eigener Aussage nicht viel mehr übrig, als «Klinken zu putzen».

Sein aktuell größtes Problem ist der jährliche Verlust hunderter weiblicher Talente im Übergang vom Teenager-Bereich zu den Erwachsenen. Im Alter von 15 oder 16 Jahren können die Mädchen in den Jungenteams nicht mehr mithalten, sind aber meistens noch nicht so weit, um bei den Frauen mitspielen zu können. «Da passiert zu wenig», sagte Künast und setzt auf die Unterstützung der größeren Männerclubs.

© dpa-infocom, dpa:260215-930-690035/2

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Sport