New York (dpa) – Die Blicke der deutschen Sportfans sind in der kommenden Woche auf die USA gerichtet. Und das nicht nur wegen der derzeit laufenden Fußball-WM, sondern auch wegen des NBA-Drafts, bei dem jedes Jahr die besten Basketball-Talente auf die 30 Clubs verteilt werden. Gleich drei Deutsche sind bei der Talenteziehung dabei und dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf den Sprung in die beste Basketball-Liga der Welt machen.
Damit würden in der Saison 2026/27 insgesamt zehn deutsche Profis in der NBA unter Vertrag stehen – so viele wie noch nie. In der gerade abgelaufenen Spielzeit waren Dennis Schröder (Cleveland), Franz Wagner, Moritz Wagner, Tristan da Silva (alle Orlando), Maximilian Kleber (Los Angeles Lakers), Isaiah Hartenstein (Oklahoma City) und der frisch gekürte Champion Ariel Hukporti von den New York Knicks in der NBA aktiv.
Top-Aussichten für Steinbach
Dass Hannes Steinbach und Christian Anderson bei der Draft in der ersten Runde gezogen und damit einen festen Vertrag bekommen, gilt als sicher. Am höchsten wird in den aktuellen Prognosen der 20 Jahre alte Steinbach gelistet. Der Würzburger hat eine starke Saison am College für die Washington Huskies hinter sich und hätte bei einer weiteren Spielzeit am College einen Millionenvertrag unterschreiben können.
Doch Steinbach will unbedingt in die NBA. «Für mich war es immer der Traum in die NBA zu gehen», sagte Steinbach. «Deshalb war es für mich kein Thema, noch einmal zurück ans College zu gehen.» In den vergangenen Wochen hat der Sohn des früheren Bundesligaspielers Burkhard Steinbach, der einst mit dem damals noch jungen Dirk Nowitzki in Würzburg in einem Team stand, bei zahlreichen NBA-Clubs vorgespielt.
Und dabei bleibende Eindrücke hinterlassen. Im jüngsten Ranking von «The Athletic» wird Steinbach an Position 13 eingestuft. Das würde einen Wechsel zu den Miami Heat bedeuten. Eine gute Wahl für ihn? «Ich habe nicht das eine Wunschteam», sagte Steinbach, «wichtig ist, dass die Umgebung für mich stimmt.»
Tipps von Schrempf
In seiner Zeit am College bei den Washington Huskies holte sich Steinbach immer wieder Tipps von Detlef Schrempf. Der heute 63-Jährige ist so etwas wie der Pionier in Sachen deutscher NBA-Basketball und spielte einst am selben College, bevor er für Dallas, Indiana, Seattle und Portland in der NBA aktiv war.
«Es war sehr cool einen Deutschen zu haben, der sich da auskennt und die Leute kennt. Wir hatten einen sehr guten Kontakt», sagte Steinbach, der ob seiner Würzburger Wurzeln natürlich zudem immer wieder mit Nowitzki verglichen wird.
Großartige Berührungspunkte hatten die beiden Franken bislang aber nicht. «Ich habe mit Dirk mal ein, zwei Bälle auf den Korb geworfen, aber so richtige Kindheitserinnerungen habe ich in Bezug auf Basketball an ihn nicht», sagte Steinbach, der in Zukunft auch für die deutsche Nationalmannschaft spielen will.
Sowohl in der NBA als auch im Deutschland-Trikot hat er große Ziele: «NBA technisch würde ich gerne lange bei einem Team bleiben und vielleicht ein, zwei Titel gewinnen und das Allstar-Level erreichen», sagte Steinbach. «Und bei der Natio die Erfolge der vergangenen Jahre wiederholen.»
Anderson und Kayil schon für Deutschland
Bislang hat Steinbach nur in den Jugendnationalmannschaften das Trikot mit dem Adler auf der Brust getragen. Da sind ihm Anderson und Jack Kayil schon einen Schritt voraus. Der 20 Jahre alte Anderson machte im vergangenen Jahr bereits die EM-Vorbereitung mit, der gleichaltrige Kayil glänzte in der WM-Qualifikation.
Vor allem Anderson darf bei der Draft am Dienstag in New York ebenfalls davon ausgehen, einen festen NBA-Vertrag zu bekommen. Nach überzeugenden Leistungen in Texas am College ist auch der Point Guard wie Steinbach in den sogenannten Green Room eingeladen. In diesem VIP-Bereich sitzen die Topkandidaten für einen NBA-Vertrag mit ihren Agenten und Angehörigen und warten darauf, von Liga-Boss Adam Silver auf die Bühne gerufen zu werden.
Deutscher Basketball boomt
Das große Interesse an deutschen Talenten unterstreicht ein weiteres Mal die imposante Entwicklung, die der deutsche Basketball in den vergangenen Jahren gemacht hat. Spieler aus dem Land des Welt- und Europameisters stehen in der NBA hoch im Kurs – was auch Bundestrainer Alex Mumbrú freut.
«Sie sind wichtige Spieler auch für die Nationalmannschaft», sagte der Spanier, der davon ausgeht, dass es Steinbach, Anderson und Kayil in die NBA schaffen. «Chris und Hannes haben starke Saisons am College gespielt, Jack überzeugt gerade wieder in den BBL-Finals mit Alba. Sie sind noch jung, aber ich denke, sie sind bereit für die NBA», sagte Mumbrú der dpa.
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