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    Kommentar: Arbeitnehmer müssen auch mal Nein sagen

    Nichts als die Arbeit scheint das Leben zu bestimmen. Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement plädiert für die Rente mit 80, während junge Arbeitnehmer zunehmend darüber klagen, dass sie den Stress des Berufslebens bereits mit 30 Jahren kaum mehr ertragen können. Da scheinen die Wahrnehmungen innerhalb der Gesellschaft doch arg auseinanderzugehen.

    Autor: Volker Boch
    Volker Boch

    In vielen Berufen gilt der Leitsatz nicht mehr, dass irgendwann einmal Schluss ist. Es ist lobenswert, dass viele Unternehmen und Behörden großen Wert darauf legen, Zertifikate für Familienfreundlichkeit zu erlangen. Aber bis ein gutes Verhältnis von Beruf und Privatsphäre existiert, ist es häufig ein langer Weg. Die Arbeitszeiten, die in Verträgen festgehalten sind, stimmen mit dem realen Bedarf oftmals nicht mehr überein. Überstunden sind im Arbeitsleben zur Regel geworden, häufig wird der Arbeitsplatz nur vom Büro an den heimischen Schreibtisch weiterverlagert. Überstunden werden mitunter weder zeitlich noch finanziell abgegolten.

    Der Arbeitnehmer der Moderne ist immer erreichbar, das ist jedoch nicht allein mit dem Anspruch seiner Chefs zu erklären, sondern auch mit der Entwicklung der Gesellschaft. Gerade junge Menschen sind immer und überall online, ständig hat irgendjemand Angst, dass er irgendetwas Wichtiges verpassen könnte. Computer haben extrem viel Gutes, aber eben auch ihr Schlechtes, denn sie erhöhen an dieser Stelle den Druck, dass man mal schnell noch das eine oder andere erledigen oder nachschauen könnte. Das gilt natürlich auch für den Job, aber nicht nur.

    Hinsichtlich seiner technischen Vernetzung ist der Mensch von heute deutlich mobiler als noch vor wenigen Jahren. Es gilt aber genauso für die Wege zur Arbeit, gerade in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz gehört das Pendeln zum Alltag. Dies verstärkt den gefühlten Stress zusätzlich, denn diese Zeit wird automatisch von der Erholungsphase abgezogen. Der Feierabend wird für den Arbeitnehmer oft zur kurzen Feierstunde vor dem Schlafengehen. Er sitzt dann vor dem Fernseher, entspannt sich, während er sein Abendessen schnellstmöglich konsumiert. Und schaut noch mal rasch in seine E-Mails. Er könnte ja zwischenzeitlich wieder etwas verpasst haben.

    Der Arbeitnehmer und moderne Mensch muss neu lernen, Grenzen zu ziehen. Die Entscheidung, wann definitiv Feierabend ist, muss jeder letztlich vor allem selbst treffen. Nein zu sagen, wird gerade im Arbeitsleben immer wichtiger. Besonders dann, wenn es wirklich ein Thema wird, bis zum 80. Geburtstag zu arbeiten.

    E-Mail: volker.boch @rhein-zeitung.net

     

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