Archivierter Artikel vom 30.11.2016, 18:59 Uhr
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Kommentar: Eine Totschweigeminute

Freilich: Eine Schweigeminute für die Bürgerkriegsopfer in Syrien kann einem tiefen Bedürfnis entspringen, Anteilnahme zu zeigen oder ein stilles Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Menschen brauchen Rituale, die ihnen das Gefühl der Ohnmacht nehmen. Deswegen strömen Gläubige zu den Friedensgebeten. Wenn die Welt zum Verzweifeln ist, spendet manch einem die Religion Trost.

Dietmar Brück kommentiert.
Dietmar Brück kommentiert.
Foto: Jens Weber

Dietmar Brück zur Schweigeminute für Syrien

Doch eine Schweigeminute für Syrien auf Initiative der Ministerpräsidentin? Die Politik ist zum Handeln da. Sie sollte ihre Kraft darauf konzentrieren, das zehntausendfache Sterben in den eingekesselten Städten Syriens zu beenden. Was haben die hungernden, vor Angst halb wahnsinnigen Menschen in Aleppo von einer Schweigeminute?

Wenn Malu Dreyer und die Landesregierung etwas tun wollen, sollen sie einen Hilfskonvoi organisieren, 1000 Flüchtlinge aufnehmen oder den russischen Konsul einbestellen. Aber mit betroffenen Mienen im Kreise anderer Offizieller 60 Sekunden schweigen? Das ist hilf-, sinn- und wirkungslos. Die Politik hat das Grauen in Syrien doch schon die ganze Zeit totgeschwiegen.